Die Zinssenkungen der US-Notenbank erwiesen sich als Strohfeuer. Bei den Banken stehen immer noch Milliarden im Feuer, die Kreditkrise entzieht den Anlagemärkten Liquidität. Die Angst wächst. "Die von uns beobachteten Frühindikatoren zeichnen immer deutlicher das Bild eines globalen Konjunkturabschwungs", sagt Markus Mezger, Chef der auf Rohstoffe spezialisierten Schweizer Vermögensverwaltung Tiberius Asset Management. Die jüngsten Kursverluste an Asiens Börsen verheißen für die dortigen Konjunkturaussichten nichts Positives, glaubt Mezger. Aber gerade das blinde Vertrauen der Anleger in einen anhaltenden Wirtschaftsboom in Indien und China hält die Rohstoffpreise noch weit oben.
Zwar hat sich die restriktive Geldpolitik Chinas noch nicht bremsend auf die Nachfrage nach Rohstoffen ausgewirkt. "Aber das wird nachgereicht", prophezeit Jochen Hitzfeld, Rohstoffanalyst bei Unicredit in München. Eine Konjunkturschwäche in China könnte auch von einer unkontrollierten Aufwertung des Renminbi gegenüber dem Dollar ausgehen. Bisher verlief die Aufwertung der chinesischen Währung (zehn Prozent seit Anfang 2006) in geordneten Bahnen.
Neues Tool: Zertifikate suchen und vergleichen
Die chinesische Zentralbank kaufte US-Staatsanleihen und gab dafür im Inland chinesische Staatsanleihen aus. Weil die Zinsen in den USA um bis zu drei Prozent über denen in China lagen, ließen sich so die Währungsverluste in Dollar verkraften. Doch im Zuge der US-Immobilienkrise schmolz die Zinsdifferenz gegen null und rutschte zuletzt sogar knapp ins Minus. "Die Käufe von US-Anleihen drohen für China jetzt ein Zuschussgeschäft zu werden", warnt Unicredit-Experte Hitzfeld.
Warnsignale kommen auch von den Rohstoffmärkten. Zwar legten die breiten Rohstoffindizes wie Jim Rogers RICI, der DJ-AIG und der S&P GSCI zuletzt noch kräftig zu. Getragen wurde der Anstieg aber nur noch von wenigen Rohstoffen, vor allem vom Öl, das in den Indizes besonders stark berücksichtigt wird. Zusätzliche Risiken bergen die vielen Spekulanten, die auf Pump im Rohstoffsektor unterwegs sind. Sollten sie ihre Kaufpositionen abrupt räumen müssen, kracht es. Besonders absturzgefährdet erscheinen konjunkturabhängige Rohstoffe wie Industriemetalle und Energierohstoffe. Weniger betroffen wären Agrarrohstoffe. Doch gerade Zertifikate auf Agrarrohstoffe enttäuschten am meisten.
So verteuerten sich die Spotpreise der im Index S&P GSCI Agriculturals Total Return enthaltenen Agrarrohstoffe binnen drei Jahren im Schnitt um rund 93 Prozent. Doch der Agrarindex selbst, an dem sich zum Beispiel ein Endloszertifikat von Goldman Sachs orientiert, schaffte im gleichen Zeitraum nur ein Plus von gut 35 Prozent (siehe Tabelle „Rohstoffe – Aktien und Zertifikate“). Da fast alle Rohstoffe in Dollar notieren, blieben aus Sicht eines Euro-Anlegers gar nur gut 20 Prozent Gewinn hängen. Mit den Aktien des US-Agrarriesen Bunge fuhren Anleger, die in Euro abrechnen, trotz Währungsverlust im gleichen Zeitraum etwa 100 Prozent Gewinn ein. Das zeigt: Bei der Rohstoffanlage mit Zertifikaten reicht es nicht, allein die Marktpreise und den Dollar-Kurs im Auge zu behalten.
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