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18.04.2008 

Arbitrageure wie Timber Hill tragen dazu bei, dass Preise stets aktuell sind – schließlich ist bei theoretisch richtigen Preisen keine Arbitrage möglich. In diesem Sinne hat die Deutsche Börse auch kein Problem mit Timber Hill & Co. "Arbitrageure bringen vor allem in volatilen Phasen Liquidität in den Derivate-Markt", sagt Scoach-Chef Marc Zahn. "Das kann bei schnellen, oft nur eine Sekunde dauernden Geschäften für die Emittenten mühsam werden; die Daten- und Handelssysteme der Börse werden dadurch aber nicht verstopft, der normale Privatkunde hat dadurch keine Nachteile."

Allenfalls kann es passieren, dass ein blitzschneller Arbitrageur einem Privatanleger, der ein Limit zum Kauf von Zertifikaten aufgegeben hat, ein besonders gutes Angebot vor der Nase wegschnappt. "Der Zertifikatemarkt ist eigentlich für den privaten Anleger und Sparer da. Mit diesem ursprünglichen Zweck haben solche Geschäfte aber nun gar nichts mehr zu tun", kritisiert Stefan Armbruster, Zertifikate-Chef der Deutschen Bank.

Große Arbitrageure machen ihren Schnitt an den Börsen – schließlich können sie nur auf eine im Handelssystem sichtbare Kursangabe zugreifen. Doch auch im Direkthandel zwischen Online-Bank und Emittent wächst die Zahl der Sekundenhändler. Vor allem von Brokern wie Sino oder Fimatex drängen immer mehr semiprofessionelle Kunden in den Derivatehandel.

Im Branchenjargon ist von Skalpierern die Rede: "Diese Trader schaden dem Markt für verbriefte Derivate", sagt Ralph Stemper, Zertifikate-Experte der Commerzbank. Sie nutzten es zum Beispiel aus, wenn Emittenten verzögert Preise stellten, und zwingen die Emittenten so zum eigenen Schutz die Spanne zwischen Kauf- und Verkaufspreis auszuweiten oder geringere Stückzahlen zu handeln. Andererseits: Wenn Emittenten immer rechtzeitig Preise stellen würden, hätten auch die Skalpierer keine Chance.

Zugegeben: Die extremen Tage vom 21. bis 23. Januar sind nicht der Normalfall für den Zertifikatehandel in Deutschland. "Im Vergleich zu herkömmlichen Tagen hatte sich hier die Zahl der Transaktionen mit Zertifikaten vervielfacht", sagt Christian Grabbe, Chefhändler für verbriefte Derivate bei der Baader Bank. Bis zu 600 Millionen Preisfeststellungen (Quotes) schicken die Emittenten an einem solchen Tag in das Handelssystem für Zertifikate. "Die derzeitigen Systeme sind an ihre Leistungsgrenze gekommen", sagt Scoach-Chef Zahn.

Den Emittenten ist bewusst, dass sie technisch aufrüsten müssen. "Damit der Markt weiter wachsen kann, müssen Anlageprodukte auch in solchen Phasen durchquotiert werden", sagt Roland Lang, Zertifikate-Chef von Morgan Stanley. Hartmut Knüppel, Vorstand des neuen Derivate-Verbands DDV, fordert, "dass die Systeme auch in Extremsituationen bei einem Vielfachen des durchschnittlichen Handelsvolumens funktionieren".

Als direkte Möglichkeit, den Handel auch in hektischen Zeiten sicherzustellen, wird über eine Ausweitung des Spreads diskutiert, also über eine höhere Spanne zwischen Ankauf und Verkauf von Zertifikaten. "Wie bei Aktien müssten Käufer, die in turbulenten Zeiten einsteigen wollen, dann mehr bezahlen", so Zertifikateexperte Lang.

Zum Teil gingen die Emittenten im Januar-Crash schon so vor. Die Ratingagentur Scope stellte für den 21. Januar Spreads fest, die um 15,9 Prozent über denen des vorangegangenen Freitag lagen. Optimal für Anleger ist auch das nicht. Weitere Spreads bedeuten faktisch, dass der Anleger bei Käufen mehr zahlt und bei Verkäufen weniger bekommt als bei engeren Spannen.

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