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18.04.2008 

Wie weit dürfen Emittenten diesen Spread ausdehnen? Und ab wann dürfen sie den Handel dann doch einstellen, wenn sie etwa mit ihren Preisberechnungen nicht hinterherkommen? Eine klare gesetzliche Regelung dazu fehlt bisher. "Deshalb kann auch keine Aufsicht an diesem Missstand etwas ändern", kritisiert Gerhard Schick, Bundestagsabgeordneter der Grünen, der sich seit mehr als einem Jahr für eine gesetzliche Kontrolle des Zertifikatemarkts starkmacht.

Diese Kontrolle soll auch in turbulenten Zeiten wie dem Januar-Crash greifen, fordert Schick: "Zentrale Punkte sind die Festlegung auf maximal erlaubte Spreads, minimal zu handelnde Stückzahlen pro Zeitraum sowie ernst zu nehmende Sanktionen bei Nichterfüllung der Verpflichtungen." Diese Sanktionen aber gibt es nicht. Die Deutsche Börse, immerhin, will sich dem Thema langsam annähern. Legitim wäre es, so Scoach-Chef Zahn, "in volatilen Phasen, also Phasen starker Marktschwankungen, den Spread auszudehnen und die Auftragsgröße zu begrenzen, etwa auf 10 000 Stück. Dem normalen Zertifikateanleger wäre damit voll und ganz gedient".


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Börsen wie die Frankfurter Scoach oder die Stuttgarter Euwax sind Marktplätze, die sich an private Anleger wenden, die für ein paar Tausend Euro mit Zertifikaten handeln. Dass professionelle Arbitrageure, Tick-Trader und Skalpierer in hitzigen Marktphasen nicht jederzeit jede beliebige Menge an Papieren handeln können, wäre für Privatanleger zu verschmerzen – so lange die ungestört mit dem Emittenten ihrer Papiere über die Börse handeln können.

Xetra soll künftig dazu beitragen. Wie seit Jahren bei Aktien soll es mit Xetra auch eine Verpflichtung der Emittenten zum Market Making geben. Die Zertifikatebanken müssten also den Handel mit ihren Papieren unter allen Umständen gewährleisten. "Wer sich dann daran nicht hält, kann im Extremfall – wie jetzt schon in der Schweiz – vom Handel ausgeschlossen werden", droht Zahn. Im Aktienhandel erstellt die Börse für die den Market Makern bei Zertifikaten vergleichbaren Aktien-Betreuer (Designated Sponsors) ein Rating. Wer dort schlecht abschneidet, weil er die Spreads zu weit gemacht oder zu wenig Kauf- und Verkaufsangebote ins System eingespeist hat, zahlt höhere Gebühren.

Mit Xetra hätte die Börse die Chance, Anteile am Zertifikatemarkt zurückzuerobern. Derzeit läuft noch etwa ein Viertel des Handels von Zertifikaten über die Börsen, drei Viertel werden zwischen der Bank des Anlegers und dem Emittenten abgewickelt. Wenn Xetra auch in turbulenten Zeiten stabil bleibt und Market Maker hier wirklich auch an Crash-Tagen handelbare Kurse anbieten, könnte das System wieder mehr Anleger für den Handel über die Börse gewinnen. Zudem dürfte das auch Rückwirkungen auf den Direkthandel haben: Denn funktioniert Kaufen und Verkaufen an der Börse auch in heißen Zeiten, geben sich die Emittenten bestimmt nicht die Blöße, im Direkthandel keine Kurse zu stellen.

Noch sind diese Verbesserungen nicht Realität. "Auch wenn der Handel mit Zertifikaten dank technischer Verbesserungen schneller gehen sollte", sagt Michael Hinz, Vorstand der Vermögensverwaltung Pintarelli aus Wuppertal, "so kalkulieren wir zur Sicherheit bei extremen Marktschwankungen Wartezeiten von bis zu einer Viertelstunde ein." An Crash-Tagen kann diese Viertelstunde verdammt viel Geld kosten. Emittenten und Börsen haben da noch eine Menge an sich zu arbeiten.

Quelle: Wirtschaftswoche, Nr. 13, 22.03.2008

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