Für Anleger lohnt sich das Produkt erst, wenn die Inflation deutlich anzieht. Ansonsten sind beispielsweise europäische Staatsanleihen, die derzeit rund 4,6 Prozent Rendite im Jahr abwerfen, oder auch Tagesgeldanlagen, die mit bis zu fünf Prozent verzinst werden, attraktiver. Das gilt auch für ein Zertifikat von ABN
Amro, das jährlich einen Kupon von 1,5 Prozent zuzüglich der Inflationsrate zahlt. Noch schlechter kommen Anleger bei einem Zertifikat der ING weg. Die Niederländer zahlen zwar 1,9 Prozent Zins im Jahr. Der Inflationsanstieg kommt hier aber nicht komplett obendrauf, sondern wird mit dem Fixkupon multipliziert. Das schmälert die effektive Rendite erheblich.
Attraktivere Konditionen bieten die "200 % Inflationsanleihen" von Morgan Stanley
. Hier erhalten Anleger in zwei von drei Jahren die doppelte Inflationsrate als Kupon. Beim Debütprodukt, das im Juni auf den Markt kam, gibt es obendrein im ersten Jahr einen Zins von 4,5 Prozent. Bei der zweiten und dritten Inflationsanleihe von Morgan Stanley
steigt der fixe Kupon auf 4,75 bzw. fünf Prozent. Allerdings wird dieser erst im letzten Jahr der Laufzeit gezahlt. "Wir haben die Erfahrung gemacht, dass die Kunden eher auf kurzfristig hohe Inflationsraten setzen. Deshalb haben wir das Prinzip umgedreht", begründet Roland Lang von Morgan Stanley
.
Inflationszertifikate im Vergleich
Umgekehrt argumentiert Uwe Becker, der das Zertifikategeschäft bei Barclays Capital leitet: "Mit einer Trendwende bei der Inflation ist so schnell nicht zu rechnen. Im Moment drehen sich die Diskussionen über den Inflationsanstieg nur um die Preisexplosion bei Rohstoffen und Nahrungsmitteln. Dazu kommt aber noch das weltweite Wachstum der Geldmengen. Das wird das Problem noch verschärfen", ist Becker überzeugt. Barclays
zahlt Anlegern deshalb nach einer fixen Ausschüttung von 4,5 Prozent im ersten Jahr anschließend zwei Jahre lang das 1,5-Fache des HVPI-Anstiegs.
Eine leicht modifizierte Variante hiervon bietet Merrill Lynch
zurzeit an. Beim "Optizins Inflations Garant"-Zertifikat gibt es im zweiten und dritten Jahr fixe fünf Prozent zuzüglich des Teils der Inflationsrate, der drei Prozent übersteigt. Im ersten Jahr erhalten Anleger einen fixen Kupon von sechs Prozent. Lediglich wenn der Deutsche Aktienindex unter 500 Punkte fallen sollte, fällt die Zahlung aus.
Einen noch stärkeren Aktienbezug hat JP Morgan
in seine Inflationsanleihe eingebaut. Nach zwei Jahren zahlt die Bank Anlegern einen Kupon in Höhe der positiven Wertentwicklung des Euro-Stoxx-50. Zum Inflationsprodukt wird das Papier erst, wenn der Aktienindex während der Laufzeit um mehr als 30 Prozent steigt oder seine Entwicklung hinter der des Verbraucherpreisindex zurückbleibt.
Europäisches Maß für Teuerung
HVPI
Der harmonisierte Verbraucherpreisindex (HVPI) der EU-Statistikbehörde Eurostat misst einmal monatlich die Entwicklung der Konsumentenpreise in den 15 Mitgliedstaaten der Europäischen Währungsunion. Am stärksten beachtet ist die Variante, die Tabakwaren außen vor lässt. Auch sämtlichen Zertifikaten liegt der HVPI ex Tabak zugrunde.
Rekordhoch
Seit Monaten zieht der HVPI aufgrund steigender Energie- und Nahrungsmittelpreise kräftig an. Im Juni erreichte er einen neuen Rekordwert von 4,0 Prozent, nach 3,7 Prozent im Mai.



