Kurz vor Ablauf der aus steurlichen Gründen wichtigen Frist für Anlagen in Zertifikate haben Vermögensberater im Juni Gelder umgeschichtet. Bei den Käufen achteten sie auf hohe Sicherheitspuffer und Discounts.
In der zweiten Junihälfte haben zahlreiche Vermögensverwalter die Gelder ihrer Kunden umgeschichtet. Das zeigt die aktuelle Liste der Top-Transaktionen von Vermögensverwaltern, ermittelt von der unabhängigen Ratingagentur First Five.
Kurz vor dem aus steuerlicher Sicht wichtigen Stichtag am 30. Juni 2008, wurde in viele Derivate, die am 19. Juni des kommenden Jahres auslaufen, investiert. Auf diese Weise wollten sich die Vermögensprofis noch die Chance auf steuerfreie Gewinne sichern, die nach diesem Einstiegszeitpunkt nicht mehr möglich sind. Dann greift nämlich bereits die Abgeltungsteuer.
Sowohl die Liste der Käufe als auch die der Verkäufe zeigt, dass die Vermögensprofis zumindest in naher Zukunft keine steigenden Aktienmärkte erwarten. Bei den Verkaufstiteln lagen die Höchstbeträge der Discounter bereits unter den aktuellen Kursen, bei den Bonusprodukten ist der Sicherheitsabstand zur unteren Kursschwelle geringer geworden.
Ein ähnliches Bild zeigt auch die Liste der Top-Käufe im Beobachtungszeitraum. Große Sicherheitspuffer speziell bei Discountpapieren waren Trumpf. Dabei ist unter den Neuinvestitionen nur ein Zertifikat, das auf einen Einzelwert basiert, ansonsten haben die Vermögensprofis auf eine breitere Streuung geachtet. Der Dax, der Euro Stoxx 50 und ein Aktienkorb mit drei österreichischen Werten sind die Basiswerte der neuen Investments.
Das Zertifikat von Merrill Lynch auf den Dax bietet einen Discount von über 70 Prozent bei einer maximalen Rendite p.a. von fast sechs Prozent. Mit dieser Ausstattung ist das Zertifikat als interessante Alternative zum Festgeld anzusehen.
Das Capped Bonuspapier auf den Euro Stoxx 50 von der Société Générale verfügt über einen Sicherheitspuffer von über 30 Prozent und verfügt aktuell eine Bonusrendite von über elf Prozent pro Jahr. Wenn die Barriere von 2 200 Punkten nicht erreicht wird, erhält der Anleger mindestens eine Rückzahlung entsprechend eines Kurses des Basiswertes von 3 900 Punkten. Der Anleger kann allerdings auch nur maximal bis zu dieser Marke an der positiven Entwicklung des Basiswertesteilhaben.
Gerade bei hohen Schwankungsbreiten an den Märkten bieten Capped Bonuszertifikate derzeit attraktive Renditechancen. Denn zur Finanzierung der Zertifikatestruktur behalten die Emittenten nicht nur die Dividenden, sondern verkaufen auch eine Kaupfoption auf den Basiswert. Sie erhalten dafür eine Optionsprämie. Diese Prämie fällt umso höher aus, je höher die Volatilität an den Märkten ist. Dieser Verkauf der Kaufoption beschränkt auch den Gewinn bis zum Cap.
Eine hohe Sicherheitsschwelle von 50 Prozent zeichnet auch das Express-Zertifikat der Hypo-Vereinsbank aus. Das Papier bietet eine jährliche Ertragszahlung in Höhe von 13 Prozent, wenn keine der zugrunde liegenden Aktien im Korb während der Laufzeit vor dem jeweiligen Stichtag die Barriere berührt oder unterschritten hat.
Der Basiswert setzt sich zusammen aus den Aktien der Raiffeisen Bank, der Telekom Austria und der österreichischen Holding Voestalpine, die überwiegend im Bereich Stahl tätig ist.Für den Fall, dass der Kurs der schlechtesten Aktie an einem der Bewertungstage über 90 Prozent des Kurses bei Emission notiert, wird das Papier vorzeitig fällig gestellt und pro Zertifikat zum Nennwert zuzüglich einer Bonus-Zahlung in Höhe von 13 Prozent pro abgelaufenem Jahr zurückgezahlt.
Wenn allerdings auch nur eine Aktie die Sicherheitsschwelle berührt oder unterschreitet, entfallen alle weiteren Ertragszahlungen und die Rückzahlungsmöglichkeiten zum Nennwert. Am Ende der Laufzeit partizipieren Anleger an der Entwicklung derjenigen Aktie aus dem Korb, die sich am schlechtesten entwickelt hat.
Weiterer interessanter Kauf: Ein Reverse-Bonuszertifikat auf den Dax. Diese Papiere eignen sich für Investoren, die eher fallende Notierungen erwarten oder während der Laufzeit höchstens noch an moderate Kursanstiege glauben. Denn das Absicherungsniveau bei Reverse-Papieren liegt zur Emission über - nicht wie bei normalen Bonuszertifikaten unter- dem Referenzkurs des Basiswerts.
Solange diese Barriere nicht berührt wird, erhält der Käufer mindestens den Bonusbetrag (hier: knapp vier Prozent) ausgezahlt. Eine höhere Rendite gibt es, wenn der Basiswert - je nach Aufgeld - mehr oder weniger deutlich unter das Bonuslevel bei 5 500 Dax-Punkten fällt.
Dieser Artikel ist im Newsletter "Handelsblatt ZertifikateNews" erschienen.


