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10.04.2008 

Expresszertifikate sind noch trickreicher. Während Discounts ihren Vorteil behalten und Bonuszertifikate unbegrenzte Gewinnmöglichkeiten mit einem Teilschutz kombinieren, haben Expresszertifikate zwei Nachteile. "Einerseits ist die Rendite dieser Papiere nur auf einen einstelligen Prozentbetrag festgelegt, andererseits gehen Anleger vergleichsweise hohe Risiken ein", kritisiert Jürgen Kurz von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz. Eine begrenzte Gewinnchance wird durch unbegrenzte Verlustrisiken erkauft – kein Profi-Händler würde eine solche Wette eingehen. Das ist umso heikler, da durch die festen Renditen auch ganz normale Anleihekäufer angesprochen werden. Doch mit einem Expresszertifikat haben Anleger ein Papier, das letztlich am Aktienmarkt hängt.

Schon das Grundprinzip ist knifflig. Expresszertifikate werfen eine feste Rendite ab, wenn der Basiswert (Index, Aktie) zu einem Stichtag über einer Untergrenze notiert. Wenn ja, wird der Einsatz plus Rendite automatisch ausgezahlt – deshalb der Name. Sollte der Basiswert nicht mitspielen, geht es in die nächste Runde bis zum nächsten Stichtag, und es wird wieder geprüft, ob die Kurse hoch genug sind. Immerhin, im Erfolgsfall gibt es dann mehr, oft sogar die doppelte Rendite. Insgesamt kann es bis zu vier oder fünf Versuche geben, bis das Zertifikat ausläuft. Kritisch wird es, wenn auch der letzte Versuch scheitert. Dann verfällt nicht nur das Renditeversprechen; dann kann es bei starken Kursrückgängen im Basiswert zu den gleichen Verlusten im Zertifikat kommen.


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Wer dennoch Expresszertifikate einsetzten will, sollte auf ein höheres Renditeversprechen verzichten, dafür aber mithilfe weiterer Features das Investment sicherer aufziehen. So gibt es Expresszertifikate, bei denen die Bewertungshürden tiefer gestaffelt sind. Damit lassen sich auch Börsenphasen überleben, in denen die Aktien längere Zeit nachgeben. Eine zweite Sicherung ist am Ende der Laufzeit möglich. Hier kann eine zusätzliche Schwelle eingebaut sein, oberhalb der es immer 100 Prozent des Nominalwerts zurückgibt.

Beispiel: Ein Expresspapier auf den Euro Stoxx 50 (DE000DB0JVT0) hat als ersten Bewertungstag den 22. Januar 2009. Die Tilgungsschwelle liegt hier zunächst bei 3 653,77 Euro. Das heißt: Erreicht der Index an diesem Tag mindestens dieses Niveau, gibt es 113 Euro zurück. Bei Kaufkursen um 95 Euro wären das fast 19 Prozent Gewinn. Spielt der Aktienindex nicht mit, findet der nächste Test am 22. Januar 2010 statt. Hier genügen 3450,78 Punkte, zurück gäbe es 119,50 Euro. Am 24. Januar 2011 geht es bei 3 247,79 Punkte um 126 Euro; der letzte Test findet am 23. Januar 2012 statt. Das Minimum sind hier 3 044,81 Punkte, für die es 132,50 Euro gibt.

Sollte der Index auch das nicht schaffen, schützt noch einmal eine letzte Barriere. Sie liegt bei 2 435,84 Punkten, gut ein Drittel unter dem aktuellen Indexstand. Steht der Euro Stoxx mindestens so hoch, gibt es 100 Euro zurück. Sollte er auch nur einen hundertstel Punkt darunter rutschen, kracht das Zertifikat auf 60 Euro. Um dieses Risiko wenn möglich zu vermeiden, sollte vorher schon via Stoppkurs die Reißleine gezogen werden. Möglich wäre das etwa bei 2 800 Punkten im Index.

Quelle: Wirtschaftswoche, Nr. 13, 22.03.2008


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