4 Bewertungen **
09.04.2008 
Investmentidee

Sichere Gewinne in unsicheren Zeiten

von Matthias von Arnim

Mit den passenden Lock-In-Zertifikaten können Anleger gelassen investieren. Wer zum richtigen Zeitpunkt einsteigt, kann hohe Mindestrenditen einstreichen. Emittenten bieten derzeit im Wesentlichen zwei verschiedene Arten von Lock-In-Produkten an.

„Anleger sollten Aktien kaufen, dann Schlaftabletten schlucken. Nach ein paar Jahren können sie sich über einen hübschen Gewinn freuen.“ Der verstorbene Börsenaltmeister André Kostolany hatte gut reden. Bekanntermaßen wurde er nicht mit Aktien, sondern mit Anleihen reich. Und in der Tat funktioniert sein Ratschlag beim Handel mit Anleihen hervorragend. Am Ende der Laufzeit werden Anleihen - falls die Emittenten nicht vorher Pleite gehen - immer zu 100 Prozent ihres Nominalwertes zurückgezahlt.

Wer in Aktien investiert, sollte dagegen vorsichtiger agieren. Dividendenpapiere haben keine Laufzeitbegrenzung und schon gar keine Rückzahlungsgarantie. 100 Prozent sicher ist nur, dass nichts sicher ist. Aktien können zu allem Überfluss innerhalb kurzer Zeit deutlich an Wert verlieren oder - noch schlimmer - sogar über Jahre hinweg. Wie sich ein solcher Crash anfühlt, erfahren Anleger bereits seit Januar.

Der deutsche Leitindex Dax stürzte seit dem Silvesterknall von über 8 000 Punkten auf aktuell knapp über 6 500 Punkte - ein Wertverlust von fast 20 Prozent. Die Angst vor weiteren Kursverlusten hat zu einem radikalen Umdenken bei vielen privaten Investoren geführt: Der Verkauf von Finanzderivaten mit Sicherheitsmechanismus boomt daher. Angaben des Deutschen Derivate Verbandes (DDV) zufolge sind derzeit 54,4 Prozent aller Anlagezertifikate, die sich in den Wertpapierdepots der Anleger befinden, Garantie-oder Teilschutzzertifikate.

Garantiezertifikate zählen darunter zu den besonderen Lieblingen der Investoren. Mit insgesamt 32,5 Prozent stellen sie den Bärenanteil unter allen Anlagezertifikaten. Die scheinbar sicheren Papiere haben allerdings gewaltige Nachteile. Bei Garantiezertifikaten wird zum Laufzeitende nur die Rückzahlung des Emissionspreises abzüglich des Ausgabeaufschlags garantiert. Wer schon bei der Emission einsteigt, der kann im ungünstigsten Fall bei Laufzeiten von mehreren Jahren unter dem Strich sogar einen Verlust realisieren. Denn zu den Kaufkosten kommt noch einmal der Inflationsverlust hinzu. Und wer später einsteigt, wenn die Kurse des Garantiezertifikats gestiegen sind, kauft gar keine Kapitalgarantie, sondern nur einen gewissen Verlustpuffer für das Zertifikat ein.

Deshalb lohnt sich für Anleger, die auf Nummer sicher gehen wollen, ein Blick auf Zertifikate mit Lock-In-Mechanismus. Das bedeutet nichts anderes, als dass einmal erzielte Gewinne gesichert werden, sobald der Basiswert des betreffenden Zertifikats ein bestimmtes Niveau erreicht. Die Rückzahlungsgarantie wird hier also im Laufe der Zeit erhöht. Wer ein Zertifikat vor einem Lock-In-Ereignis kauft, sichert sich so tatsächlich ein Plus auf dem Konto.

Lesen Sie weiter auf Seite 2: Lock-In ist nicht gleich Lock-In.

Lupe

Die Emittenten bieten derzeit im Wesentlichen zwei verschiedene Arten von Lock-In-Produkten an: Zertifikate mit einer oder mehreren Lock-In-Stufen, die vorher fix festgelegt sind und Zertifikate mit einer dynamischen Gewinnsicherung. Ein Beispiel für ein Produkt mit mehreren Lock-In-Stufen ist das Euro Stoxx Lock-In-Zertifikat von der Société Générale (WKN SG2403). Ausgehend vom Startwert im November 2005 wurden bei der Emission des Zertifikats Gewinnschwellen definiert, bei deren Erreichen die positive Performance fixiert und die Kapitalgarantie auf dieses Niveau erhöht wird. Diese Lock-In-Levels liegen bei 115%, 130%, 145% und immer so weiter in 15%-SchrittenvomAusgangswert entfernt. Wird einer dieser Level erreicht, wird die Rückzahlung dieses Betrages zum Laufzeitende auf jeden Fall gesichert. Wäre der Euro Stoxx vorher unter das Absicherungsniveau von 2 324,43 Punkten gefallen, hätte sich der Mechanismus in Luft aufgelöst. „Dazu kann es bei diesem Zertifikat aber jetzt schon nicht mehr kommen“, erklärt Peter Bösenberg von der Société Générale. „Denn am 24.2.2006 hat der Euro-Stoxx-50-Index bei 3826 Punkten geschlossen, und der erste Lock-In-Level bei 3 818,71 Punkten wurde aktiviert.“ Damit ist das Total- Verlustrisiko also schon seit zwei Jahren ausgeschlossen.

Mittlerweile wurde auch die zweite Lock-In-Stufe bei 4 316,81 Punkten überschritten. Das bedeutet für das Zertifikat: Pro Stück werden am Laufzeitende mindestens 130 Euro ausbezahlt - völlig unabhängig davon, wie sich der Index zukünftig entwickelt. Steigt der Euro Stoxx weiter darüber hinaus, partizipieren Anleger davon eins zu eins. Erklimmt der Index den nächsten Lock-In-Level bei 4 814,90 Punkten, werden am Ende mindestens 145 Euro pro Zertifikatausgezahlt. Wer Wert auf niedrige Gewinnstufen legt, der findet bei der ING Bank ein passendes Produkt (WKN: A0JYU8). Bereits jede fünfprozentige Steigerung des Basiswertes Euro Stoxx 50 wird „eingelockt“. Die Gewinnsicherung erfolgt jeweils Mitte jedes Monats. Im Gegenzug für die niedrige Lock-In-Stufe ist der Gewinn begrenzt. Nur 7,2 Prozent Anstieg werden berücksichtigt - egal wie hoch der Euro Stoxx 50in einem Monat steigt. Seit der Emission im Juni 2006 wurde zweimal der Gewinn „gekappt“. In den Zeiträumen Juli/August 2006 und März/April 2007 stieg der Basiswert um mehr als acht Prozent.

Derzeit notiert das Produkt mit einer Laufzeit bis Juni 2009 bei etwa 119 Euro, garantiert ist ein Rückzahlungsbetrag am Laufzeitende von 125 Euro. Der wurde im Juni 2007 mit dem Stand von 4 530 Punkten erreicht. Bis zum Laufzeitende ist bei diesem Zertifikat eine Verzinsung von mehr als 3,5 Prozent garantiert. Mittlerweile notiert der europäische Standardwerteindex um mehr als 20 Prozent niedriger als noch bei seinen Höchstständen Mitte des vergangenen Jahres. Er muss also bis Juni des kommenden Jahres wieder deutlich Fahrt aufnehmen, um mehr als die Mindestverzinsung zu erreichen. Nach Meinung der ING Diba müssen Gewinne, falls das Zertifikat nach dem ersten Lock-In gekauft wurde, auch nach einem Jahr Laufzeit komplett versteuert werden.
>>> Fortlaufend erweitert: Die besten Fonds zum Durchklicken

Lesen Sie weiter auf Seite 3: All-Time-High-Zertifikate

Zur Vollansicht bitte anklicken.Lupe

Zur Vollansicht bitte anklicken.

Anders, nämlich dynamisch, werden bei so genannten All-Time-High-Zertifikaten die Lock-In-Stufen immer wieder neu fixiert - beispielsweise bei einem All-Time-High-Zertifikat der Hypo-Vereinsbank (WKN HV0AYG). Basiswert für das Zertifikat ist der HVB Euro Substanz Index, der sich aus zehn großen und liquiden Unternehmen des Euro-Raumes zusammensetzt. „Um in den Index aufgenommen zu werden, müssen sich die Aktien sowohl durch eine hohe Dividendenrendite als auch durch eine geringe Volatilität auszeichnen“, beschreibt Birgit Lutzenberger von der Hypo-Vereinsbank das Auswahlverfahren für den Preis-Index.

Der Lock-In-Mechanismus funktioniert so: Der HVB Euro Substanz Index wird an jedem Monatsende betrachtet. Erreicht der Monatsendwert einen neuen Höchststand, wird dieser Wert mit 90 Prozent zum Laufzeitende festgeschrieben. Die erste Festschreibung fand am 30. April 2004 statt. Seitdem hat das Zertifikat ein Garantieniveau von 143,07 Euro erreicht. Steigt der Index bis zum Laufzeitende nicht mehr über die aktuelle Lock-In-Höchstmarke, erhalten Investoren diesen Betrag zum Schluss ausgezahlt. Finanziert wird die Gewinnsicherung zu einem Teil mit Hilfe der Dividenden. Denn der HVB Euro Substanz Index ist ein Preis-Index, Ausschüttungen werden somit nicht an die Anleger weitergegeben. Außerdem partizipiert das Zertifikat nur zu 90 Prozent an der Entwicklung des Index. Das Zertifikat ist also nichts für Investoren, die mit der spitzen Feder rechnen, sondern „für langfristig orientierte Anleger, die auf Sicherheit setzen und nicht jeden Tag ihren Depotstand überwachen wollen“, so Lutzenberger. Nach Meinung der HVB sind Gewinne bei All-Time-High-Zertifikaten nach Ablauf der Haltefrist von einem Jahr steuerfrei - zumindest vor dem Verkauf Mitte 2009.

Garantierter Gewinn Sowohl beim Lock-In-Zertifikat der Société Générale als auch beim HVB-Zertifikat und bei einigen weiteren Lock- In-Papieren anderer Emittenten (siehe Tabelle) können Anleger mittlerweile risikofrei Gewinne einstreichen: Durch die Kursrückgänge Anfang des Jahres sind einige Lock-In-Schwellen wieder deutlich unterschritten worden, die Rückzahlungsgarantien für die entsprechenden Zertifikate gelten aber immer noch.

Wer jetzt einsteigt, kauft mit der Gewinngarantie auch einen negativen Nebeneffekt ein: Um die einmal „eingelockten“ Gewinnstufen der Zertifikate wieder zu erreichen, müssen die Basis- Indizes je nach Lock-In-Papier derzeit zwischen 20 und 30 Prozent im Wert steigen. Die Zertifikate gewinnen bis zum Erreichen der Gewinnstufen in der Regel aber weniger als die Hälfte. Erst bei Kursanstiegen über die Lock-In-Levels hinaus sind Anleger wieder eins zu eins dabei.

Den Lock-In-Mechanismus gibt es aber nicht nur als Hauptmerkmal von Zertifikaten. Bei manchen Produkten wird er als zusätzliche Funktion hineingepackt. Das macht teilweise Sinn, zumBeispiel, wenn bei Bonus-Zertifikaten die Auszahlung des Bonus nach erstmaligen Erreichen der Bonusschwelle als Mindestausschüttung fixiert wird - auch für den Fall, dass der Basiswert während der Restlaufzeit noch einmal unter den Sicherheitslevel rutschen sollte. Geschickt wird der Lock-In-Mechanismus ebenfalls bei den Victory-Zertifikaten von Sal. Oppenheim eingesetzt: Hier liegt die Lock-In-Gewinnschwelle deutlich oberhalb des Basiswert- Kurses zum Zeitpunkt der Emission. Erreicht der Wert des Basiskurses die Lock-In-Schwelle, werden in der Folge sowohl weitere Kurssteigerungen als auch -rückgänge in Gewinne für den Anleger umgewandelt.

Der Lock-In-Level funktioniert so nicht nur als Gewinnsicherung, sondern als eine Art neuer Nullpunkt. Es gibt pro Zertifikat nur ein Lock-In-Level. Je weiter sich der Basiswert nach Erreichen dieses Levels einmal davon entfernt, desto mehr verliert die Konstruktion an Reiz für Neueinsteiger. Die beiden Victory-Zertifikate auf den Euro Stoxx 50 Index allerdings bieten derzeit noch Perspektiven (WKN SAL4DK, Lock-In bei 3 500 Punkten und SAL5MP, Lock- In bei 3 956,27 Punkten). Bei beiden Papieren wurde der Lock-In-Level bereits erreicht. Der Kurs des EuroStoxx notiert derzeit bei knapp unter 3 500 Punkten. Der Effekt ist bei dem Zertifikat mit der WKN. SAL5MPbereits zu beobachten: Seit Januar steigt der Kurs. Das Zertifikat mit der WKN SAL4DK ist von den beiden Papieren aber derzeit die bessere Wahl: Das Papier sollte, sofern der Euro Stoxx stärker im Wert schwankt als tendenziell eher an Wert zulegen - egal, in welche Richtung sich der Euro Stoxx entwickelt. Vorteil der Victory-Zertifikate: Jede Kursbewegung des Basiswertes weg von der Lock-In-Marke bedeutet eine positive Performance für den Investor. Theoretisch jedenfalls. Denn der Nachteil der beiden Zertifikate liegt im Detail: Die Papiere sind mit einem hohen Aufgeld belastet (siehe Tabelle). Der Euro Stoxx muss sich relativ stark im Wert verändern, damit der Victory-EffektamLaufzeitende wirklich zum Tragen kommt.

Fazit: Einige Lock-In-Zertifikate, deren erreichte Lock-In-Level oberhalb der aktuellen Basiskurse liegen, lohnen sich für defensive Anleger. Denn hier sind garantierte Gewinne möglich - auch über die aktuellen Lock-In-Schwellen hinaus. Victory-Zertifikate bieten die Perspektive, von starken künftigen Kursbewegungen zu profitieren - unabhängig von der Richtung. Investoren, die für die kommenden Monate Kursanstiege zwischen 20 und 30 Prozent erwarten, lassen Lock-In- und Victory- Zertifikate liegen und investieren besser in Indexzertifikate. Dass die Börsenkurse demnächst solche positiven Sprünge machen, scheint angesichts der aktuellen Finanzkrise zwar eher unwahrscheinlich. Doch laut Kostolany „ist schließlich an der Börse alles möglich, auch das Gegenteil.“



Artikel bewerten:
  • 1 Stern
  • 2 Sterne
  • 3 Sterne
  • 4 Sterne
  • 5 Sterne
Anzeige

Weitere Beiträge aus dem Ressort

Anzeige

Mit einem Discounter auf den Silberpreis setzen 

06.09.2008Mehrwert

In der aktuellen Ausgabe geht es um ein Discountzertifikat auf Silber. Damit können Anleger günstiger auf den Silberpreis setzen, als mit einem Direktinvestment. Anhören


Anzeige