Anders, nämlich dynamisch, werden bei so genannten All-Time-High-Zertifikaten die Lock-In-Stufen immer wieder neu fixiert - beispielsweise bei einem All-Time-High-Zertifikat der Hypo-Vereinsbank (WKN HV0AYG). Basiswert für das Zertifikat ist der HVB Euro Substanz Index, der sich aus zehn großen und liquiden Unternehmen des Euro-Raumes zusammensetzt. „Um in den Index aufgenommen zu werden, müssen sich die Aktien sowohl durch eine hohe Dividendenrendite als auch durch eine geringe Volatilität auszeichnen“, beschreibt Birgit Lutzenberger von der Hypo-Vereinsbank das Auswahlverfahren für den Preis-Index.
Der Lock-In-Mechanismus funktioniert so: Der HVB Euro Substanz Index wird an jedem Monatsende betrachtet. Erreicht der Monatsendwert einen neuen Höchststand, wird dieser Wert mit 90 Prozent zum Laufzeitende festgeschrieben. Die erste Festschreibung fand am 30. April 2004 statt. Seitdem hat das Zertifikat ein Garantieniveau von 143,07 Euro erreicht. Steigt der Index bis zum Laufzeitende nicht mehr über die aktuelle Lock-In-Höchstmarke, erhalten Investoren diesen Betrag zum Schluss ausgezahlt. Finanziert wird die Gewinnsicherung zu einem Teil mit Hilfe der Dividenden. Denn der HVB Euro Substanz Index ist ein Preis-Index, Ausschüttungen werden somit nicht an die Anleger weitergegeben. Außerdem partizipiert das Zertifikat nur zu 90 Prozent an der Entwicklung des Index. Das Zertifikat ist also nichts für Investoren, die mit der spitzen Feder rechnen, sondern „für langfristig orientierte Anleger, die auf Sicherheit setzen und nicht jeden Tag ihren Depotstand überwachen wollen“, so Lutzenberger. Nach Meinung der HVB sind Gewinne bei All-Time-High-Zertifikaten nach Ablauf der Haltefrist von einem Jahr steuerfrei - zumindest vor dem Verkauf Mitte 2009.
Garantierter Gewinn Sowohl beim Lock-In-Zertifikat der Société Générale als auch beim HVB-Zertifikat und bei einigen weiteren Lock- In-Papieren anderer Emittenten (siehe Tabelle) können Anleger mittlerweile risikofrei Gewinne einstreichen: Durch die Kursrückgänge Anfang des Jahres sind einige Lock-In-Schwellen wieder deutlich unterschritten worden, die Rückzahlungsgarantien für die entsprechenden Zertifikate gelten aber immer noch.
Wer jetzt einsteigt, kauft mit der Gewinngarantie auch einen negativen Nebeneffekt ein: Um die einmal „eingelockten“ Gewinnstufen der Zertifikate wieder zu erreichen, müssen die Basis- Indizes je nach Lock-In-Papier derzeit zwischen 20 und 30 Prozent im Wert steigen. Die Zertifikate gewinnen bis zum Erreichen der Gewinnstufen in der Regel aber weniger als die Hälfte. Erst bei Kursanstiegen über die Lock-In-Levels hinaus sind Anleger wieder eins zu eins dabei.
Den Lock-In-Mechanismus gibt es aber nicht nur als Hauptmerkmal von Zertifikaten. Bei manchen Produkten wird er als zusätzliche Funktion hineingepackt. Das macht teilweise Sinn, zumBeispiel, wenn bei Bonus-Zertifikaten die Auszahlung des Bonus nach erstmaligen Erreichen der Bonusschwelle als Mindestausschüttung fixiert wird - auch für den Fall, dass der Basiswert während der Restlaufzeit noch einmal unter den Sicherheitslevel rutschen sollte. Geschickt wird der Lock-In-Mechanismus ebenfalls bei den Victory-Zertifikaten von Sal. Oppenheim eingesetzt: Hier liegt die Lock-In-Gewinnschwelle deutlich oberhalb des Basiswert- Kurses zum Zeitpunkt der Emission. Erreicht der Wert des Basiskurses die Lock-In-Schwelle, werden in der Folge sowohl weitere Kurssteigerungen als auch -rückgänge in Gewinne für den Anleger umgewandelt.
Der Lock-In-Level funktioniert so nicht nur als Gewinnsicherung, sondern als eine Art neuer Nullpunkt. Es gibt pro Zertifikat nur ein Lock-In-Level. Je weiter sich der Basiswert nach Erreichen dieses Levels einmal davon entfernt, desto mehr verliert die Konstruktion an Reiz für Neueinsteiger. Die beiden Victory-Zertifikate auf den Euro Stoxx 50 Index allerdings bieten derzeit noch Perspektiven (WKN SAL4DK, Lock-In bei 3 500 Punkten und SAL5MP, Lock- In bei 3 956,27 Punkten). Bei beiden Papieren wurde der Lock-In-Level bereits erreicht. Der Kurs des EuroStoxx notiert derzeit bei knapp unter 3 500 Punkten. Der Effekt ist bei dem Zertifikat mit der WKN. SAL5MPbereits zu beobachten: Seit Januar steigt der Kurs. Das Zertifikat mit der WKN SAL4DK ist von den beiden Papieren aber derzeit die bessere Wahl: Das Papier sollte, sofern der Euro Stoxx stärker im Wert schwankt als tendenziell eher an Wert zulegen - egal, in welche Richtung sich der Euro Stoxx entwickelt. Vorteil der Victory-Zertifikate: Jede Kursbewegung des Basiswertes weg von der Lock-In-Marke bedeutet eine positive Performance für den Investor. Theoretisch jedenfalls. Denn der Nachteil der beiden Zertifikate liegt im Detail: Die Papiere sind mit einem hohen Aufgeld belastet (siehe Tabelle). Der Euro Stoxx muss sich relativ stark im Wert verändern, damit der Victory-EffektamLaufzeitende wirklich zum Tragen kommt.
Fazit: Einige Lock-In-Zertifikate, deren erreichte Lock-In-Level oberhalb der aktuellen Basiskurse liegen, lohnen sich für defensive Anleger. Denn hier sind garantierte Gewinne möglich - auch über die aktuellen Lock-In-Schwellen hinaus. Victory-Zertifikate bieten die Perspektive, von starken künftigen Kursbewegungen zu profitieren - unabhängig von der Richtung. Investoren, die für die kommenden Monate Kursanstiege zwischen 20 und 30 Prozent erwarten, lassen Lock-In- und Victory- Zertifikate liegen und investieren besser in Indexzertifikate. Dass die Börsenkurse demnächst solche positiven Sprünge machen, scheint angesichts der aktuellen Finanzkrise zwar eher unwahrscheinlich. Doch laut Kostolany „ist schließlich an der Börse alles möglich, auch das Gegenteil.“
Lassen Sie sich die wichtigsten Anleger-Themen
der Woche per Mail zuschicken!



