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28.07.2007 

Überblick: das Wichtigste zur neuen Abgeltungssteuer. Quelle: Handelsblatt ZertifikateNews.Lupe

Überblick: das Wichtigste zur neuen Abgeltungssteuer. Quelle: Handelsblatt ZertifikateNews.

„Die Übergangsregelung besagt, dass neu gekaufte Zertifikate nur bis zum 30. Juni 2009 nach dem alten Steuerrecht gehandelt werden dürfen“, erklärt der Vorsitzende des Derivate Forums, Siegfried Piel. „Das wird für die Übergangszeit dazu führen, dass Zertifikate mit einer kürzeren Laufzeit relativ attraktiver werden. Discount-Zertifikate, die meistens nur 18 Monate laufen, werden daher weiter zulegen können. Bonus-Zertifikate mit längeren Laufzeiten werden eher beeinträchtig werden.”

Eine weitere Zertifikateklasse wird von der Steuerreform sogar profitieren. „Privatanleger könnten zum Beispiel stärker auf Garantieprodukte setzen“, sagt Kurz. „Denn die werden steuerlich sogar besser gestellt sein.“ Der Grund dafür ist, dass Garantieprodukte ebenso wie zum Beispiel Zertifikate auf Renten bislang als so genannte „Finanzinnovation“ gelten – und somit deutlich höher besteuert werden als sonstige Anlageprodukte. Die meisten Anleger werden in diesem Bereich sogar weniger Steuern zahlen, wenn sie nach der neuen Regelung abrechnen.

Indexzertifikat sind die großen Verlierer

Einen herben Rückschlag wird aller Voraussicht nach jedoch die Klasse der Indexzertifikate hinnehmen müssen, mit denen der Aufstieg der Branche begann.

Denn im Bereich der passiven Investments wächst seit einiger Zeit ein Gegner heran, mit dem sich die Zertifikatewelt auch ohne eine steuerliche Benachteiligung schwer tut: die Exchange Traded Funds (ETFs). Als an der Börse handelbarer Fonds aufgelegt, versuchen die ETFs die Wertentwicklung von Indizes möglichst genau nachzuvollziehen und verlangen dafür meist deutlich niedrigere Gebühren als ein herkömmlicher Fonds. Der größte Unterschied zu Indexzertifikaten liegt in der Stellung als Sondervermögen: Geht der Emittent pleite, dürfen die Fondsanteile nicht gepfändet werden. Und mit der Steuerreform erhalten die ETFs einen grandiosen Marketingvorteil: Alle vor 2009 gekauften Anteile, die der Anleger länger als ein Jahr im Depot lässt, kann er auf unbegrenzte Zeit steuerfrei verkaufen.

„Wenn die Abgeltungssteuer kommt, sind Indexzertifikate weg vom Fenster“, findet Alexander Greyer von der NordLB Luxemburg drastische Worte für die Entwicklung. Allerdings bietet sein Arbeitgeber auch seit kurzem eine Strategie an, die ausschließlich auf ETFs basiert. Weniger pessimistisch sieht das Stefan Michler, Partner beim unabhängigen Vermögensverwalter Gebser & Partner: „Sicherlich wird im Privatkundenbereich der Einsatz von nicht strukturierten Produkten zurückgehen“, schätzt er. „Aber ich rechne damit, dass sich auch in Zukunft mehr professionelle Händler damit beschäftigen werden, zum Beispiel in Form von Zertifikate-Fonds.“


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Schon heute gibt es mehr als 50 Fonds in Deutschland, die in Zertifikate investieren. „Die Übergangsregeln begünstigen das Instrument des Fonds, hier wird es sicherlich zu Zuflüssen kommen“, sagt Michler. „Aber niemand hindert Privatanleger daran, über den Umweg eines Fonds in Zertifikate zu investieren.“

Sollte es tatsächlich zum Nachfrageboom bei Fonds und Aktien kommen, könnte sich noch ein ganz anderes Problem ergeben: Große Verkauforders könnten die Zertifikatepreise drücken, umgekehrt könnte die große Nachfrage nach Fonds die Aktienpreise künstlich in die Höhe treiben. „Wenn es wirklich zum Nachfrageboom bei Aktien kommt, würde das natürlich die Kurse treiben“, sagt DSW-Sprecher Kurz. „Allerdings werden die Kurse in Deutschland zurzeit zum größten Teil von institutionellen und ausländischen Investoren gemacht. Die sollten professionell genug sein, um eine Orderflut Ende 2008 zu verhindern.“

Lesen Sie weiter auf Seite 3: Wer sich frühzeitig auf die Änderungen einstellt, kommt besser davon

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