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07.08.2008 
Zertifikate

Von volatilen Ölpreisen profitieren

von Christian Kirchner und Georgios Kokologiannis

Zugegeben, mit der Prognose, dass der Ölpreis auf Sicht der kommenden Monate sinken wird, lagen viele Experten in den vergangenen Jahren gründlich daneben. Aber jetzt ist die erste nennenswerte Korrektur im Gange. Wie Anleger nun reagieren können.

Entwicklung des Rohölpreises. Zur Vollansicht bitte anklicken. Quelle: Handelsblatt ZertifikateNews.Lupe

Entwicklung des Rohölpreises. Zur Vollansicht bitte anklicken. Quelle: Handelsblatt ZertifikateNews.

Um sich aber zu vergegenwärtigen, wie es um die aktuelle Wahrnehmung des Ölpreis etwa in Deutschland bestellt ist, lohnt ein Blick auf die Internetseite Google News, die ein spannendes Feature bietet: Mit ihr lässt sich recherchieren, wie oft Personen in den vergangenen Wochen in den Medien aufgetaucht sind.

Claudia Kemfert, die Energie-Expertin des Deutschen Instituts für Wirtschaft und bekannt für bullishe und damit korrekten Ölpreisprognosen war in den letzten vier Wochen demnach nicht weniger als 460 Mal als Öl-Expertin in deutschen Medien präsent - sei es persönlich oder sei es, weil Zeitungen und Dienste Agenturmeldungen mit Aussagen der Energieexpertin übernommen haben. Das ist insofern beeindruckend, als sie damit auf mehr Nennungen kommt, als ihr Chef Klaus Zimmermann , dessen Kollege und ZEW-Leiter Wolfgang Franz, Commerzbank-Chef Martin Blessing, Dresdner-Bank-Chef Herbert Walter und Postbank-Chef Wolfgang Klein in den letzten vier Wochen zusammen.

Diese Spitzen der deutschen Wirtschaftsforschungsinstitute und Bankenszenen werden in diesen bewegten Börsen- und Konjunkturzeiten zusammen nur 306 mal binnen vier Wochen zitiert. Knapp 127 US-Dollar kostet ein Barrel Öl derzeit. Das ist - gemessen am Hoch von 147 US-Dollar - die erste nennenswerte Korrektur, seit Öl den Preisauftrieb Anfang 2007 bei knapp 60 US-Dollar startete.

Angesichts der Tatsache, dass die Frühindikatoren für die Weltwirtschaft in diesem und nächstem Jahr ein Abkühlung andeuten, deuten Öl-Bären den Kursrückgang als Anzeichen eines absehbaren Nachfragerückgangs. Spekulative Anleger können mit so genannten Mini-Shorts eine Wette auf einen fallenden Ölpreis wagen. ABN Amro offeriert einen solchen Mini-Shortmit einem Hebel von 2,1 auf Kursveränderungen des Ölpreis. Das Mini-Short-Zertfikat (WKN: AA1007) hat einen Basispreis von rund 189 USDollar, eine eingebaute Stoploss- Marke bei 181,80 US-Dollar und kostet derzeit 38,50 Euro.

Trotz der eingebauten Stop-Loss- Marke sollten Anleger die Spekulation spätestens dann schließen, wenn der Ölpreis sein altes Allzeithoch von 147 US-Dollar überläuft. Neben der Entwicklung des Ölpreises spielt auch der Dollar in der Kursstellung des Zertifikats eine Rolle: Ein schwächerer Dollar ist schlecht, ein stärkerer gut für Halter des Zertifikats - selbst bei unverändertem Ölpreis.

Twin-Win-Zertifikate für konservative Anleger. Zur Großansicht bitte anklicken.Lupe

Twin-Win-Zertifikate für konservative Anleger. Zur Großansicht bitte anklicken.

Etwas weniger spekulativ orientierten Investoren, die auf eine weitere Korrektur des Ölpreises setzen wollen oder sich gegen fallende Ölpreise absichern möchten, bietet der neue SGI Short Brent Index eine neue Anlagemöglichkeit. Der Index wurde von der Société Générale konzipiert undwird von Standard and Poor´s berechnet. Die Wertentwicklung des SGI Short Brent Index ist umgekehrt proportional zur Entwicklung des jeweils nächst fälligen Brent Crude Oil Future. Sollte also der Öl-Terminkontrakt um fünf Prozent fallen, sollte das Zertifikat um die gleiche Menge steigen.

Allerdings kann es nach Angaben der französischen Großbank im Falle hoher Schwankungen des Ölpreises über einen längeren Zeitraum zu Abweichungen kommen. Zudem können sowohl Rollgewinne als auch Rollverluste entstehen, da monatlich aus dem fällig werdenden in den darauf folgenden Brent Crude Oil Future gerollt werden muss. Dies geschieht anteilig während der letzten drei Handelstage des jeweiligen Futureskontraktes.

Die Société Générale hat zwei Zertifikate auf den Index emittiert - eines ohne Währungsabsicherung (WKN: SG0TBR) und einesmit (SG0TBQ). Anleger, die den Ölpreis zwar ebenfalls eher sinken als steigen sehen, aber auch vor einer unerwarteten Fortsetzung des Kursanstiegs nicht auf dem falschen Fuß erwischt werden möchten, können auf defensive Reverse-Bonuszertifikate setzen.

So erzielt ein währungsgesichertes Papier von J. P. Morgan bis Juni kommenden Jahres eine Bonusrendite von über zehn Prozent p.a., solange der WTI-Future bis dahin niemals das Absicherungsniveau von 218,30 US-Dollar erreicht (WKN: JPM9P6). Im Gegenzug zumüppigen Sicherheitspuffer bildet die Bonusrendite aber gleichzeitig auch die Maximalrendite, denn das Produkt verfügt über einen Cap.

Mehrere Emittenten bringen in den kommenden Wochen kapitalgarantierte Twin-Win-Zertifikate auf den Markt, mit denen auch konservative Anleger von volatilen Ölpreisen profitieren können. Die währungsgesicherten Papiere verfügen über eine Laufzeit zwischen dreieinhalb und fünf Jahren und bieten maximal erreichbare Renditen von bis zu 14 Prozent p.a.. Die Funktionsweise der Neuemissionen: Bewegt sich der Ölpreis während der Laufzeit stets oberhalb des Absicherungsniveaus, erhalten Anleger die absolute Preisentwicklung des Basiswerts als Rendite - unabhängig davon, ob der Kurs gesunken oder gestiegen ist. Allerdings wird der maximale Ertrag durch einen Cap begrenzt.

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Beim Zertifikat der Credit Suisse (WKN: CS0ADT), das bis Februar 2012 läuft, wird der Gewinn beispielsweise bereits bei einem Anstieg auf 145 Prozent des Startwertes gedeckelt. Die jährlich erreichbare Rendite liegt mit 10,7 Prozent dennoch über den 8,7 Prozent des Twin-Win-Produkts der HVB (WKN: HV5ACL), dessen Cap erst bei 155 Prozent greift. Simpler Grund: Die eineinhalb Jahre kürzere Laufzeit der Schweizer Variante.

Noch mehr Rendite - 14,4 Prozent per anno - ist mit der Neuemission von Barclays möglich(WKN: BC2EA1), die über eine minimal längere Laufzeit als das HVB-Papier verfügt. Hier werden Gewinne erst bei einer Preisverdoppelung des maßgeblichen Öl-Futures begrenzt. Wird das Absicherungsniveau während der Laufzeit erreicht, entfällt bei den drei Twin-Win-Produkten die Ertragschance imFall sinkender Ölpreise und zum Laufzeitende greift die Kapitalschutzfunktion. Die Chance von einer positiven Preisentwicklung zu profitieren bleibt aber auch nach einem Riss der Barriere bestehen.

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