Während Expresszertifikate und Garantiepapiere im Börsenhandel kaum eine Rolle spielen und nach dem Kauf meist in den Depots vor sich hinschlummern, werden Index-, Bonus- und Discountzertifikate rege gehandelt. Sie gelten als Produkte für gut informierte Privatanleger. Auch Profis setzen sie in der Vermögensverwaltung ein. "Zertifikate sind unter Anlageberatern sehr beliebt, da sie im Gegensatz zu Investmentfonds klare Auszahlungsprofile haben und kein Management, von dem man enttäuscht werden kann", sagt ein Privatkundenberater einer Filiale in Neuwied am Rhein. Bei der Behandlung ihrer Kunden gehen die Banken aber ganz unterschiedlich vor.
Schlechte Karten haben Sparer mit einem Anlagevolumen bis zu 10 000 Euro. Sie können nicht darauf hoffen, in den Genuss einer ausführlichen Beratung zu den Chancen und Risiken von Zertifikaten zu kommen, wie Testbesuche der Wirtschaftswoche bei verschiedenen Bankfilialen ergaben. "Wir bieten grundsätzlich keine Zertifikate an", heißt es etwa in Filialen der Sparda West, mit 600 000 Kunden eine der größten Banken im Rhein-Ruhr-Gebiet.
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Die Scheu der ohnehin für ein breites Massengeschäft mit Geldanlage, Kontoführung, Krediten und Baufinanzierungen geschulten Berater hat Gründe: Erstens der Aufwand. "Wenn ich einem Kunden ein Zertifikat empfehle, der bisher nichts damit zu tun hatte, bedeutet das in der Regel drei Termine: Im ersten erkläre ich ein Produkt, im zweiten kommt es eventuell zum Abschluss, und in einem dritten Termin erkundigt sich der Kunde nach dem oft schwer nachvollziehbaren Kursverhalten während der Laufzeit", sagt der Berater einer Düsseldorfer Bankfiliale.
Zweitens scheuen viele Berater die Gefahr, wegen der Komplexität der inzwischen mehr als 300 000 verschiedenen Produkte in Haftung genommen zu werden und Schadensersatz zahlen zu müssen, wenn das Investment schiefgeht. Für jedes einzelne vertriebene Zertifikat müssen Banken eine Einordnung in die hausinternen Risikoklassen vornehmen. Gerichte haben in der Vergangenheit meist zugunsten der Anleger entschieden, wenn mit Zertifikaten herbe Verluste entstanden und die Bank verklagt wurde.
Kein Wunder, dass Berater vor allem im Massengeschäft zu Garantieprodukten greifen, allen voran die Sparkassen und Genossenschaften: Kapitalgarantierte Papiere verhindern juristische Scherereien, sind einfach erklärt und kommen den deutschen Privatanlegern in ihrem ausgeprägten Sicherheitsbedürfnis entgegen.
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