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24.04.2008 

Bislang können Zertifikatefonds wenigstens mit einem steuerlichen Vorteil punkten: Während Gewinne aus dem Verkauf von Zertifikaten mittlerweile komplett versteuert werden müssen, wenn sie nach dem 14. März des vergangenen Jahres gekauft wurden und nach dem 1. Juni 2009 verkauft werden, gilt für Fonds derzeit noch ein Bestandsschutz. Nach derzeitiger Regelung können Zertifikatefonds-Besitzer noch damit rechnen, dass ihre Gewinne komplett steuerfrei sind, wenn der Fonds länger als zwölf Monate gehalten wird, auch nach 2009.

Doch derzeit wird im Bundesfinanzministerium diskutiert, Zertifikatefonds ab 2009 die Steuerfreiheit komplett zu nehmen - auch wenn Anleger diese bereits vorher gekauft haben. Ein entsprechender Passus werde in das geplante Jahressteuergesetz 2009 aufgenommen, heißt es im Bundesfinanzministerium. Offiziell gibt man sich in Berlin aber noch bedeckt. Pressesprecher Oliver Heyder-Rentsch will zu einzelnen Regelungen jedenfalls derzeit noch nichts sagen.

„Generell gilt allerdings, dass sich der Gesetzgeber vorbehalten hat, im Hinblick auf die Abgeltungsteuer ab 2009 den Markt zu beobachten und gegebenenfalls nachzusteuern, wenn gesetzgeberischer Handlungsbedarf erkannt wird“, berichtet Heyder-Rentsch. Solchen Handlungsbedarf meinen einige Finanzexperten im Ministerium bei strukturierten Fonds zu erkennen, die derzeit zunehmend als Ersatz für einzelne Zertifikate geschaffen wurden - vor allem Fonds, die genauso funktionieren wie Einzelzertifikate, die aber in einen Fondsmantel verpackt sind. „Sollte die Gesetzesänderung zur Besteuerung von Zertifikatefonds tatsächlich - wie momentan diskutiert - kommen, würde sie aber genau diese nicht betreffen“, warnt Jens Deidersen.

Denn diese Fonds investieren nicht in Zertifikate, sondern bauen Bonus-, Express- und ähnliche Strukturen mit Terminmarktinstrumenten nach, die von der Abgeltungsteuer gar nicht betroffen sind. Die klassischen Zertifikatefonds jedoch, die wie andere Fonds auch in viele verschiedene Wertpapiere investieren, würden zu Unrecht steuerlich diskriminiert, so Deidersen: „Die meisten unserer Zertifikatefonds wurden zu einem Zeitpunkt aufgelegt, als die Abgeltungsteuer noch kein Thema war“.

Kommt die nachträgliche Gesetzesänderung, würden wohl auch die meisten Zertifikatefonds-Emittenten kurzfristig auf den Einsatz fertiger Produkte verzichten und ihre Fonds auf den Nachbau von Zertifikaten mit Terminimarkt- Instrumenten umstellen. Damit wäre eine weitere Runde im Hase-und-Igel-Spiel wischen der Finanzbranche und dem Finanzministerium eröffnet.

Fazit: Wenn die Kurse in den kommenden ein bis zwei Jahren eher seitwärts tendieren und dabei nicht allzu stark schwanken, können Anleger mit Zertifikatefonds nach wie vor solide Renditen erzielen. Wer mit zwischenzeitlichen starken Kursrückgängen rechnet, sollte sich besser andere Fondsoder Zertifikate-Lösungen ansehen, zumBeispiel mit Lock-In oder Garantieversprechen.

Investoren, die eine starke Erholung der Börsenkurse erwarten, könnenmit Bonus-Zertifikate-Fonds höhere Renditen erzielen als mit Discount-Zertifikate- Fonds. Klassische Aktienfonds oder Indexzertifikate sind in Hausse- Phasen aber klar im Vorteil.


Dieser Artikel ist der Ausgabe 08/2008 des kostenlosen Handelsblatt Zertifikate-Newsletters entnommen. Abonnieren Sie die ZertifikateNews und Sie erhalten alle 14 Tage die aktuelle Ausgabe kostenlos in Ihr E-Mail-Postfach geliefert. Zwei Tage, bevor sie zum Download angeboten wird.

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