08.02.2010

Börsengänge: Anleger verschmähen Neuemissionen

Hatten Investmentbanker Anfang des Jahres noch Börsengänge im Volumen von bis zu 30 Mrd. Euro in Europa vorausgesagt, sind sie schon wenige Wochen später viel leiser. Börsendebüts werden mangels Interesse abgesagt - und Private-Equity-Firmen suchen andere Exit-Kanäle.

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Gerade Finanzinvestoren suchen händerringend nach Gelegenheiten, die Unternehmen in ihren Portfolios endlich zu Geld zu machen. Quelle: apLupe

Gerade Finanzinvestoren suchen händerringend nach Gelegenheiten, die Unternehmen in ihren Portfolios endlich zu Geld zu machen. Quelle: ap

LONDON/FRANKFURT. Das Scharren der Hufe einer ganzen Reihe von Börsenkandidaten ist schon lautstark zu vernehmen – doch aus dem Stall wagt sich in Deutschland bisher keiner. Nur hinter vorgehaltener Hand heißt es, entweder der Chemikalienhändler Brenntag oder der Druckfarben-Hersteller Flint wolle noch vor Ostern den Sprung an die Börse wagen.

Hatten Investmentbanker Anfang des Jahres noch Börsengänge im Volumen von bis zu 30 Mrd. Euro in Europa vorausgesagt, sind sie schon wenige Wochen später viel leiser. Denn die Erfahrungen, die die Käufer der ersten Neuemissionen in diesem Jahr gemacht haben, verheißen wenig Gutes.

Die Aktien des Aluminiumkonzerns Rusal notieren mehr als zehn Prozent unter dem Ausgabepreis. Das deutsche Übernahmevehikel Helikos musste bereits am Volumen Abstriche machen, und am ersten Handelstag am Donnerstag in Frankfurt gab das Papier deutlich nach. Dem britischen Gegenstück Horizon Acquisition erging es ähnlich. Der belgische Chemiekonzern Taminco blies vergangene Woche seine Börsenpläne ganz ab, die 400 Mio. Euro hätten bringen sollen. Am Freitag tat es ihm die britische Bank Walton & Co nach.

Und auch die fünf größten Börsengänge des Jahres 2009 in Europa brachten den Investoren kein Glück: Sie verloren damit zwischen drei und 50 Prozent ihres Einsatzes. Dabei sind Fondsmanager zurzeit ohnehin schwer dazu zu bewegen, an der Börse bewährte Papiere gegen Investments in neue Unternehmen einzutauschen. Erst 2,3 Mrd. Euro wurden mit drei großen Börsengängen in Europa im Jahr 2010 erlöst. In Deutschland, wo die beiden großen für 2009 angekündigten Börsengänge Hochtief Concessions und Unitymedia ins Wasser gefallen waren, läuft das Geschäft traditionell erst im März an, wenn die Zahlen für das Vorjahr vorliegen, auf denen der Verkaufsprospekt für die Neuemission basiert.

Börsengang ist nicht der Königsweg

Gerade Finanzinvestoren suchen in diesem Jahr händeringend nach Gelegenheiten, die Unternehmen in ihren Portfolios nach der Krise endlich zu Geld zu machen. Dabei ist der Börsengang nicht immer der Königsweg. Ein Verkauf an einen strategischen Investor oder ein Private-Equity-Unternehmen ist oft die verlässlichere Exit-Variante.

BC Partners und Apollo hatten es mit Unitymedia vorgemacht, die für 3,6 Mrd. Euro an den US-Medienkonzern Liberty Global ging, Bridgepoint machte es mit der Zoohandlungskette Pets at Home kürzlich nach. Dort griff KKR für 955 Mio. Pfund zu. Ein Börsengang hätte nach Schätzungen von Experten vielleicht 800 Mio. Pfund gebracht.

Mit Kabel Deutschland könnte es ähnlich laufen: Parallel zu einem Börsengang bereitet der Eigentümer Providence einen Verkauf vor, Finanzierung gleich inbegriffen. „Wenn Finanzinvestoren derzeit Börsengänge ankündigen, heißt das übersetzt: „Macht mir bitte Angebote für die Firma – wenn die gut sind, verkaufen wir“, sagt Wilhelm Schulz, Chef-Fusionsberater der Citigroup in Europa. „Größere Börsengänge von Finanzinvestoren dürfte es dann nur geben, wenn die Offerten enttäuschen.“ Reuters

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