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01.08.2007 
Neulinge enttäuschen

Der erste Börsentag war oft der beste

von Christian Schnell

6,03 Mrd. Euro haben die insgesamt 18 Unternehmen, die im laufenden Jahr bis zur Sommerpause ins Premiumsegment Prime Standard der Deutschen Börse gingen, eingenommen. Die Zahl lässt auf ein weiteres Rekordjahr für Debüts schließen. Doch was für Unternehmen und Banken bislang ein einträgliches Geschäft war, entpuppte sich für Anleger oftmals als Reinfall.

Nicht jeder Börsengang erwies sich als Glücksfall - trotz des Bullenmarktes. Foto: apLupe

Nicht jeder Börsengang erwies sich als Glücksfall - trotz des Bullenmarktes. Foto: ap

FRANKFURT. Dass damit für das Gesamtjahr die Zahl von 7,5 Mrd. Euro von 2006 übertroffen wird und zudem erstmals seit dem Rekordjahr 2000 wieder ein zweistelliges Milliarden-Ergebnis möglich ist, steht für viele Banker bereits fest. „Die Entwicklung des ersten Halbjahres wird sich bis zum Jahresende fortsetzen“, sagt Christoph Stanger, der bei Goldman Sachs für die Emissionen im deutschsprachigen Raum verantwortlich ist.

Was jedoch für Unternehmen und Banken bislang ein einträgliches Geschäft war, entpuppte sich für Anleger oftmals als Reinfall. Etliche der Börsenneulinge dieses Jahres notieren unter ihrem Ausgabepreis. Besonders unter Druck geriet die Telekomgesellschaft Versatel, die derzeit rund 36 Prozent unter ihrem Ausgabepreis notiert.

Aber auch die zu Jahresbeginn noch mit viel Euphorie erwarteten Immobilienwerte haben enttäuscht. Die Alstria-Aktie als größter Vertreter der Zunft sind es derzeit 15 Prozent, die kleineren Werte wie Polis und Estavis bewegen sich um ihren Ausgabepreis herum. Einer der größten Verlierer ist auch die mit hohen Erwartungen gestartete erste deutsche Brennstoffzellen-Aktie von Smart Fuel Cell. Ein Drittel hat sie seit ihrem Börsendebüt Ende Mai verloren.


» Welches Unternehmen geht wann an die Börse? Eine Übersicht bietet der Handelsblatt IPO-Kalender.


Getroffen von den Verlusten wurden jedoch nicht nur deutsche Investoren, sondern vor allem auch Großanleger aus London und New York, bei denen deutsche Börsenneulinge zuletzt extrem angesagt waren. „Angelsächsische Investoren haben einen etwas konjunkturoptimistischeren Blick für Deutschland, einheimische Investoren sind da vorsichtiger“, sagt Victor Moftakhar, Chef der Aktienanalyse bei der Deka Bank.

Besonders mit den Schwergewichten des laufenden Jahres ließ sich bislang kaum etwas verdienen. Tognum, der mit einen Volumen von über zwei Mrd. Euro schwerste Börsengang seit fast sieben Jahren, bewegt sich um seinen Ausgabepreis. Die knapp halb so große Emission des Pharma-Zulieferers Gerresheimer liegt sogar gut sieben Prozent darunter. Für Moftakhar ist das dennoch kein Grund zur Panik. Die Bewertungen von Börsenkandidaten sind seiner Ansicht nach zwar nicht mehr so günstig wie sie mal waren, dennoch sind sie immer noch interessant.

Lesen Sie weiter auf Seite 2: Trotz der vielen Enttäuschungen gab es auch einige „Perlen“ .

Zumal es trotz der vielen Enttäuschungen auch einige „Perlen“ zu finden gab. Kuriosum dabei: Eine der erfolgreichsten Emissionen des laufenden Jahres kommt vom ersten chinesischen Unternehmen, das sich in den Prime Standard der Deutschen Börse gewagt hat. Zhong De, der Anlagenbauer für kleine und mittelgroße Müllheizkraftwerke, ist derzeit hinter Kromi Logistik auf Platz zwei. Rund 16 Prozent hat die China-Aktie seit ihrer Erstnotiz Anfang Juli gewonnen, fast 40 Prozent waren es zwischenzeitlich schon. Der erfolgreichen Premiere eines Chinesen in Frankfurt dürften deshalb schon in Kürze weitere folgen.

Als Glücksfall sowohl für die Gesellschaft als auch für Anleger entpuppte sich auch die Emission von Wacker Construction. Der Hersteller kleinerer Baumaschinen hatte im Sommer 2006 wegen des damals unsicheren Börsenklimas seinen Börsengang abgesagt und nun Mitte Mai nachgeholt. Das spülte nicht nur knapp 50 Prozent mehr Geld in die Kassen als man es damals erwartet hatte.


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Auch die Aktionäre können sich seit der Erstnotiz über ein Plus von rund 14 Prozent freuen. Beim Kurs von zuletzt 25 Euro muss jedoch noch lange nicht das Ende der Rally sein. Die Analysten der Deutschen Bank veröffentlichten kürzlich ihre erste Studie zu Wacker Construction und setzten ihr Kursziel bei 31 Euro fest. Das Unternehmen sei klarer Marktführer im Ausrüstungsgeschäft, zudem werde der wohl in Kürze anstehende Zusammenschluss mit der österreichischen Neuson Kramer dessen Position weiter stärken.

Die nächsten Börsenneulinge stehen bereits in den Startlöchern. Nach Ende der Sommerpause dürfte Investmentbanker zufolge ab der zweiten Septemberhälfte noch einmal die gleiche Anzahl Unternehmen an die Börse kommen. Überraschungen sind dabei nicht ausgeschlossen.

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