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18.06.2008 

Inflationsdebatte drückt auf die IPO-Stimmung

von Ralf Drescher und Udo Rettberg

Die Analysten der Deutschen Bank und der Privatbank Sal. Oppenheim reihen sich in die Gruppe der Skeptiker ein, die den Aktienmärkten in den kommenden Monaten wenig zutrauen. Die Stimmung ist gedrückt.

FRANKFURT. "Alles in allem ist die Situation für Anleger zuletzt wesentlich schwieriger geworden", sagt Klaus Martini, weltweiter Chef-Anlagestratege der Deutschen Bank. Zwar seien die Aktienmärkte historisch niedrig bewertet. Jedoch liefere die Gewinnentwicklung der Unternehmen wenig Rückenwind. "Wir fürchten, dass die Gewinnprognosen allgemein weiter nach unten gesetzt werden müssen", sagt Martini.

Das bestimmende Element für die Anlagepolitik sieht der Deutsche-Bank-Stratege zurzeit in der Inflationsentwicklung. Dabei alarmieren ihn nicht nur höhere Energie- und Nahrungsmittelpreise, sondern auch steigende Löhne in den Schwellenländern. "Die goldenen Jahre der Disinflation sind endgültig vorbei", sagt er. Allerdings sei ein Vergleich mit der Inflations-Ära der 70er-Jahre, als die Industrieländer unter zweistelligen Inflationsraten litten, nicht angebracht. Die Globalisierung leiste einen wesentlichen Beitrag zur Begrenzung der Inflation.

In der weltweiten Teuerung machen auch die Experten von Sal. Oppenheim die zentrale Belastung für die Finanzmärkte aus, vor allem weil sie die Notenbanken zu einem restriktiveren Kurs zwinge. "Dies verschärft die bereits begonnene weltweite Konjunkturabkühlung, lässt die Kapitalmarktzinsen steigen und verlängert gleichzeitig die Bewältigung der Finanzkrise", sagt Dieter Pfundt, persönlich haftender Gesellschafter bei Sal. Oppenheim.

Pessimistisch sehen die Analysten vor diesem Hintergrund vor allem den Finanzsektor, dessen Krise noch eine Weile anhalten werde. Nach den Abschreibungen im Zuge der Subprime-Krise erwarten sie eine weitere Verschlechterung der Kreditportfolios. Außerdem drückten "die inverse Zinsstrukturkurve, der Einbruch der Verbriefungsmärkte, eine teurere Refinanzierung sowie die massiven Eintrübungen im Kapitalmarktgeschäft" die Ergebnisse. "Wir haben bei den Banken nicht nur Subprime-Probleme, sondern auch einen brutalen Einbruch im operativen Geschäft", sagt Wolfgang Sawazki, Leiter des Oppenheim-Researchs. "Bei vielen Kreditbanken ist auf absehbare Zeit keine Erholung der Gesamtbankenergebnisse zu erwarten."

Für die europäischen Aktienindizes, in denen Finanzwerte einen hohen Anteil haben, rechnen die Analysten im zweiten Halbjahr mit weiteren Korrekturen. Etwas positiver sehen sie den Dax, weil hier defensive Sektoren stärker gewichtet werden und Sonderfaktoren wie die anstehende Abgeltungsteuer den deutschen Markt stützen könnten. Am Jahresende sieht Oppenheim den Dax bei 6 900 Punkten. Bis dahin könne der Index zwischen 6 000 und 7 600 Punkten pendeln. Lediglich in einem positiven Szenario mit deutlich fallenden Rohstoffpreisen und einer nachlassenden Inflation halten die Analysten einen Dax-Stand von 8 000 Punkten möglich.

Deutsche-Bank-Stratege Martini sieht den Dax erst in zwölf Monaten wieder bei 7 800 Punkten. Im aktuellen Umfeld der Stagflation - einem geringeren Wachstum bei steigender Inflation - empfiehlt er Anlegern, sich auf alternative Investments wie Rohstoffe, Immobilien und Hedge-Fonds zu konzentrieren. Die Vergangenheit habe gezeigt, dass Aktien in einem solchen Umfeld schwache Erträge abwerfen. Auch Anleihen seien wegen der restriktiven Geldpolitik der Notenbanken wenig attraktiv. rad/ret

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