Wie schafft es eine Bank, dass die eigenen Börsenkandidaten Anleger nicht enttäuschen? "Wir sortieren nicht geeignete Kandidaten rigoros aus", behauptet UBS-Investmentbanker Prelle. Zwei größere Unternehmen habe die Bank in 2006 abgelehnt. "Uns gefielen die Motive nicht, die hinter dem Börsengang standen."
Wenn Eigentümer nur Kasse machen, weil ihre Branche gerade an der Börse in Mode ist, das Unternehmen aber eigentlich kein Kapital braucht, sollten Banken die Bremse ziehen. Dasselbe gilt dann, wenn der Kandidat den Eindruck vermittelt, er halte Informationen zurück. Wer gegenüber seiner Bank mauert, könnte dies später auch gegenüber den Aktionären tun. Das Problem: Kaum eine Bank gibt gern Geschäft verloren. Irgendjemand findet sich immer, der auch schwache Unternehmen durchboxt. Kandidaten werden an im IPO-Geschäft weniger etablierte Banken durchgereicht. "Manche abgelehnte Kandidaten sieht man dann später doch noch an der Börse", sagt Fröhlich von Morgan Stanley. "Dann hat eben ein Wettbewerber das IPO mehr schlecht als recht durchgezogen." Der Schließsystem-Experte Primion oder Aleo Solar etwa waren eindeutig nicht börsenreif und wurden Anlegern 2006 viel zu teuer verkauft.
Kandidaten sorgfältig auszusuchen und vorzubereiten reicht aber noch nicht für einen guten Börsengang. Banker brauchen Fingerspitzengefühl. "Um eine stabile Aktionärsstruktur zu bekommen, muss man einen harten Kern von Investoren gut bedienen", sagt Fröhlich.
Die wichtigsten Investoren müssen gerade so viele Aktien bekommen, dass sie an der Börse nachkaufen. Nach einer Mini-Zuteilung mag sich kaum jemand viel Arbeit mit einer Aktie machen. "Privatanleger, die viel gezeichnet und bekommen haben, kaufen nach dem Börsengang eher zu, alle mit einem kleineren Ticket sind eher auf der Verkäuferseite", sagt Dresdner-Manager Bernstorff.
Vorstände wollen sich nicht von einer Aktionärsgruppe abhängig machen.
Viele haben deshalb die als verlässlich geltenden Privataktionäre wieder entdeckt. "Unternehmen teilen Privatanlegern mehr Aktien zu, als es ihrem Anteil an der Nachfrage entspricht", so Bernstorff.
Die Zeiten, in denen Anleger sechs Konten bei verschiedenen Banken eröffnen und über jedes Depot fünf Zeichnungsaufträge abfeuern mussten, nur um ein paar Aktien zu ergattern, scheinen endgültig vorbei.
