Die Aktien der Hamburger Landwirtschaftsfirma KTG Agrar sind bei ihrem Debüt an der Börse knapp über dem Ausgabepreis gestartet. Der erste Kurs der im schwach regulierten Entry Standard notierten Titel wurde am Donnerstag mit 17,63 Euro festgestellt. Er lag damit 0,7 Prozent über dem Ausgabepreis von 17,50 Euro, der am oberen Ende der Angebotsspanne festgelegt worden war.
HB FRANKFURT/HAMBURG. In den ersten Handelsminuten kletterten die Papiere dann bis auf 17,90 Euro. Mit der Ausgabe von 1,8 Mill. Aktien sammelte der Börsendebütant 31,5 Mill. Euro bei Investoren ein, wovon der Großteil auf das Firmenkonto geht. Mit dem neuen Kapital will Vorstandschef Siegfried Hofreiter Anbauflächen und Landwirtschaftsbetriebe kaufen. KTG Agrar zählt sich mit einer Anbaufläche von 14 000 Hektar, auf denen unter anderem Getreide, Mais und Raps angepflanzt werden, zu den führenden Agrarproduzenten in Europa.
Vorstandschef Siegfried Hofreiter hatte in den vergangenen Wochen kräftig die Werbetrommel für das mittelständische Unternehmen gerührt, dessen Namen derzeit noch nicht einmal der Vorstandschef erklären kann: „KTG ist ein reiner Fantasiename, der aber noch eine Erklärung erhalten wird“, sagte Hofreiter der AP. Zu der vor sieben Jahren gegründeten Holding zählen 19 landwirtschaftliche Betriebe in Ostdeutschland und seit 2005 auch in Litauen. Mit einer Gesamtfläche von rund 14 000 Hektar - das sind fast 19 500 Fußballfelder - ist die KTG nach eigenen Angaben flächenmäßig der größte Agrarproduzent Deutschlands und führend in Europa.
Rund 60 Prozent der Fläche werden für den konventionellen Anbau genutzt, gut 40 Prozent für ökologischen. Das dritte Standbein der Gesellschaft ist seit 2006 die Erzeugung von Bioenergie im Rahmen eines integrierten Konzepts: Die nachwachsenden Rohstoffe werden nahezu ausschließlich auf selbst bewirtschafteten Flächen in unmittelbarer Nähe der Biogasanlagen produziert, die Gär-Reste werden als Dünger auf den Feldern weiterverwertet. Derzeit betreibt die KTG zehn Biogasanlagen. Außerdem erwirbt und entwickelt sie Agrarunternehmen und ist im Handel tätig. Das Unternehmen beschäftigt rund 125 Mitarbeiter.
Ein Börsengang sei die logische Konsequenz, um weiter solide wachsen zu können. „In den vergangenen zwei Jahren konnten wir unsere Fläche annähernd verdoppeln“, betont der 45-Jährige. Außerdem sei der Zeitpunkt günstig: „Die Landwirtschaft ist aus unserer Sicht eine Wachstumsbranche.“ Gründe seien die weltweite Zunahme der Bevölkerung, das Wirtschaftswachstum in Entwicklungs- und Schwellenländern und der Boom bei Bio-Lebensmitteln. Die KTG erzielte im Geschäftsjahr 2006 nach eigenen Angaben eine Gesamtleistung von rund 18 Mill. Euro und ein EBIT von rund 2,5 Mill. Euro. Vier Mill. Euro stammten allerdings aus EU-Subventionen.
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Neben Siegfried Hofreiter sind sein 37-jähriger Bruder Werner und seine Lebensgefährtin Beatrice Ams im Vorstand der KTG. Die 36 Jahre alte Gärtnerin ist bisherige Alleineigentümerin des Konzerns. Die Brüder sind Landwirte, Siegfried Hofreiter hat außerdem Agrarwirtschaft studiert. Seit 1994 arbeiten sie zusammen.
Doch gab es auch Pleiten im Berufsleben von Hofreiter: Anfang der 90er Jahre war er Mitgesellschafter einer Fahrradproduktion und -vermarktung in Jugoslawien. Der Betrieb wurde im Bürgerkrieg zerstört, Hofreiter in zwei Fällen der Konkursverschleppung und des Bankrotts schuldig gesprochen. Damit geht er offen um. „Ich stehe dazu, dass ich auch unternehmerische Fehler gemacht habe“, sagt Hofreiter. Außerdem habe das Team in der Landwirtschaft eine hohe Expertise.
23 Millionen Euro fließen in Gesellschaft
Die KTG Agrar AG will am Open Market insgesamt 1,8 Mill. Aktien anbieten, wovon 1,3 Mill. aus einer Kapitalerhöhung stammen. Der Platzierungspreis für die Aktien wurde am Dienstag auf 17,50 Euro festgelegt. Rund acht Prozent der platzierten Aktien gingen laut KTG an Privatanleger. Der Börsengang kann einen Bruttoemissionserlös von rund 31,5 Mill. Euro bringen, wovon rund 23 Mill. Euro in die Gesellschaft fließen sollen, 20 bis 30 Prozent kommen Ams zu. Mit dem Erlös will die Holding vor allem landwirtschaftliche Betriebe und Ackerland zu kaufen, aber auch den Biogas-Bereich ausbauen.
