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27.06.2007 

Fast auf den Tag genau zwei Jahre später soll VTG nun an die Börse. Anders als bei vielen der jüngsten Aktiendebüts aus der Hand von Finanzinvestoren wie Versatel, Compugroup oder Gerresheimer gibt Ross kaum Anteile ab, das frische Geld kommt zum Großteil dem Unternehmen zugute (siehe Tabelle). Auf den ersten Blick zumindest. Denn von den rund 148 Millionen Euro aus dem Börsengang muss VTG allein für 107 Millionen Euro ein Gesellschafterdarlehen nebst aufgelaufenen Zinsen zurückzahlen; nur 40 Millionen vom erhofften Erlös bleiben also für Investitionen.

VTG braucht das restliche Geld dringend, um seine Flotte zu vergrößern. Denn wachsen kann sie nur durch Zukäufe. Das Geschäft mit den bestehenden Kunden ist ordentlich ausgereizt, Gefahrgüter wie Chemikalien sind in Westeuropa bereits zu weiten Teilen auf der Schiene, der Straßentransport ist teuer und schwer zu versichern. Der Trend zum Outsourcing war in den vergangenen Jahren zwar sehr stark, dürfte aber kaum mehr zunehmen. Einige Chemiekonzerne gehen sogar wieder dazu über, sich neue eigene Kesselwagen zuzulegen. Zukaufen will Fischer deshalb vor allem in Osteuropa, wo der Markt noch nicht so festgefahren ist. "In Russland geht jetzt die Post ab", so der 39-Jährige.


» Aktienanalysen des Tages: Aktuelle Einstufungen und Kursziele


Ein Wermutstropfen für Anleger ist die Verschuldung. Obwohl zwei Drittel der Nettoeinnahmen aus dem Börsengang zunächst in die Tilgung fließen, werden die Nettoschulden bis 2008 letztlich wachsen – von 528 Millionen Euro 2006 auf 700 Millionen 2008, schätzen Analysten. Die Zinsen lassen den Gewinn 2007 von operativ 130 Millionen (Ebitda) auf netto 10,1 Millionen Euro schrumpfen. Das erklärt das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von 42. Wettbewerber GATX kommt auf ein KGV von 16,5. Den freien Cash-Flow drückt der Schuldendienst gar ins Minus. Erst 2009 soll ein Plus von 21 Millionen Euro Cash-Flow herausspringen.

Dass der Börsengang ein Erfolg wird, ist dennoch wahrscheinlich. VTG wird den Kurszettel um eine Branche bereichern, die es an deutschen Börsen noch nicht gibt. Dank Güterflut durch Globalisierung, Klimadiskussion und Engpässen auf der Straße sind Bahnaktien hipp. "Das Timing ist perfekt", findet Maria Leenen, Chefin des Logistikmarktforschers SCI, "die Preise in der Branche spielen ein bisschen verrückt." Ein kanadischer Pensionsfonds interessiert sich für die VTG-Aktie, und Ross selbst wird im Rahmen einer Privatplatzierung in den USA die Werbetrommel rühren.

Quelle: Wirtschaftswoche


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