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05.01.2006 
Börsenneuling Neosino

Promis, Kurse, Sensationen

von Christian Schnell

Die Frage der brünetten Fernsehreporterin ist nicht eben geistreich, aber zumindest der Situation angemessen: „Was ist aufregender, Herr Makaay, ein Champions-League-Spiel oder ein Börsengang?“ Für den Werbeträger ist die Premiere des Börsenneulings Neosino etwas Neues.

Roy Makaay verhalf Neosino zu einem fulminanten Börsenstart. Foto: apLupe

Roy Makaay verhalf Neosino zu einem fulminanten Börsenstart. Foto: ap

HB FRANKFURT. Der Stürmerstar in Diensten des FC Bayern lässt die Frage in gewohnt stoischer Ruhe über sich ergehen. Das könne man nicht vergleichen, beides hätte seinen Reiz, antwortet er so entspannt wie nichts sagend.

Die Erstnotiz einer Aktie hatte der 30-jährige Holländer jedenfalls im Gegensatz zu seinen zahlreichen Champions-League-Einsätzen noch nicht erlebt. Zumindest für den als Werbeträger verpflichteten Stürmer war die Premiere des Börsenneulings Neosino am Mittwoch also etwas Neues. Ältere Börsenhasen beschlich dagegen das Gefühl eines unheimlichen Déja Vu. Steigt der vor drei Jahren nach Schande und Skandalen verschämt zu Grabe getragene „Neue Markt“ aus seiner Gruft?

Die Idee, dem Börsengang blutjunger unbekannter Unternehmen durch den gezielten Einsatz internationaler Prominenz einen Hauch von Glamour zu verleihen, führt jedenfalls direkt zurück in die Hochzeiten der Wachstumsbörse. Damals, als Schachweltmeister Gari Kasparow und Hollywoodstar Catherine Zeta-Jones Frankfurt beehrten, oder als sich Verona Pooth, geborene Feldbusch, im hautengen Kleid auf der Brüstung des Börsenbalkons für den Auskunftsservice Telegate räkelte.

Was Telegate damals recht war, ist Neosino heute billig. Fernsehteams rollen an, Fotografen bringen sich in Position und Börsenhändler, die ansonsten bei Emissionen im Kleinwertesegment Entry Standard eher gelangweilt den Kopf auf die Hand stützen, recken neugierig die Hälse. Zweifellos hat der PR-Gag mit Roy Rudolphus Anton Makaay, so der volle Name des Holländers, seinen Zweck erfüllt.

Aber nicht nur der Promi-Auftrieb weckt Erinnerungen an die unseligen Zeiten als eine Mischung aus Leichtsinn, Euphorie und Betrügereien die Kursblase am „Neuen Markt“ weiter und weiter aufblähten.

Neosino ist noch nicht einmal ein Jahr alt. Kurz vor Weihnachten 2004 gegründet, produziert das Unternehmen aus dem hessischen Griesheim mit 18 Angestellten mittels eines nach Firmenangaben weltweit einzigartigen Mahlverfahrens winzig kleine Nanopartikel, die als Nahrungsergänzungsmittel für Sportler wahre Wunder bei der Regeneration bewirken sollen. Aber nicht nur Athleten profitieren von den Nanopartikeln, die Anwendungen reichen laut Beipackzettel für den Börsengang von der Lebensmittelveredelung über Landwirtschaft und Kosmetik bis hin zur Pharmaindustrie. Anwendungsgebiete: Krebs, Rheuma, Neurodermitis, Schuppenflechte und Beschleunigung der Wundheilung. Kein Wunder, dass bei einem solchen Alleskönner das Wort von der „eierlegenden Wollmilchsau“ am Mittwoch an der Börse die Runde machte. Roy Makaay spielt nicht nur das Werbemaskottchen, er schlucke die Sportlerpillen selbst, versichert der Bayernstar: „Ich bin nach dem Training nicht mehr so ausgepowert und fühle mich schneller wieder fit“.

Lesen Sie weiter auf Seite 2: Alleskönner gab es auch früher reichlich am „Neuen Markt“

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