Ein möglicher Machtwechsel im Bund dürfte Börsengänge von Solarfirmen nach Experteneinschätzung deutlich erschweren. Am Montag reagierten die bereits gelisteten Branchenfirmen mit deutlichen Kursverlusten.
Solarzellen zählten im vergangenen Jahr zu den Lieblingsthemen der Börsianer.
HB FRANKFURT. „Für Solarfirmen ist das Thema Börsengang in diesem Jahr im Grunde gelaufen. In diesem Umfeld wird niemand in diesen Bereich investieren wollen, und die Banken werden nicht bereit sein, das Risiko auf sich zu nehmen“, sagte Klaus Rainer Kirchhoff am Montag. Die von ihm geführte Kirchhoff Consult hatte in den vergangenen Jahren eine Vielzahl von Unternehmen beim Börsengang beraten.
„Eine ganze Reihe von Solarfirmen hatte geplant, sich an Solarworld und Conergy anzuhängen und an die Börse zu gehen“, sagte Kirchhoff. „Das war schon fast wieder ein Hype wie zu besten Zeiten des Neuen Marktes“, fügte er hinzu. Dieser sei nun erst einmal beendet. Conergy hatte zuletzt am ersten Börsenhandelstag rund 30 Prozent zugelegt, Solarworld in den vergangenen zwölf Monaten den Wert verfünffacht.
Die SPD hat nach der Niederlage in der Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen Neuwahlen zum Bundestag schon für Herbst angekündigt. Derzeit liegt die in Berlin regierende rot-grüne Koalition in Umfragen deutlich hinter der Opposition zurück.
Der Börsenkandidat Q-Cells will an seinen langfristigen IPO-Plänen jedoch festhalten. „Wir wollen in diesem, im nächsten oder spätestens 2007 an die Börse gehen“, sagte Finanzvorstand Hartmut Schüning. „Sicher würde es durch einen Regierungswechsel einen Tick schwieriger, aber wir mussten für unseren Planungshorizont ja ohnehin damit kalkulieren, dass das passieren könnte“, sagte er.
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Die Aktien von Solarworld und Sunways brachen am Montag um bis zu 17 Prozent ein. „Das ist reine Psychologie. Es wird darauf spekuliert, dass es bei den Neuwahlen einen Machtwechsel im Bund gibt und diese Firmen von den Gesetzen der neuen Regierung nicht mehr so profitieren“, sagte ein Händler.
Ein Analyst warnte aber vor Überreaktionen: „Bis sich die Politik wirklich ändert, muss eine Menge passieren. Zunächst muss die Opposition die Wahl auch wirklich gewinnen, und dann muss sie sich auf eine gemeinsame Haltung zu erneuerbaren Energien verständigen“, sagte ein Frankfurter Analyst, der nicht namentlich genannt werden wollte.
Solarfirmen profitieren derzeit von gesetzlichen Regelungen der SPD-geführten Bundesregierung, wonach Strom aus alternativen Energien von den Elektrizitätswerken zu einem festen, lukrativen Preis abgenommen werden muss. Die Solarwirtschaft erwartet dabei zunächst keine gravierenden Veränderungen. „Photovoltaik ist High-Tech, darauf will auch die Opposition nicht verzichten. Außerdem sind die Opposition und die Regierung in Berlin bei der Solarenergie nicht so weit auseinander“, sagte Carsten Körnig, Geschäftsführer der Unternehmensvereinigung Solarwirtschaft (UVS), die rund 500 Firmen der Branche vertritt.
