
Wie funktioniert eine Lebensversicherung und worauf muss ich achten?
Zwei Drittel der Deutschen haben eine klassische Lebensversicherung abgeschlossen und zahlen regelmäßig Beiträge auf ihr Kundenkonto ein. Die meisten laufenden Kapitallebenpolicen sind mit einer Risikolebensversicherung verknüpft. Erstere zahlt, wenn der Versicherte das Laufzeitende erlebt, letztere soll Angehörige im Todesfall absichern. Je nachdem, ob die Assekuranz das Geld der Versicherten am Ende als monatliche Rente oder als Einmalbetrag auszahlt, wird zwischen Renten- und Kapital-Lebensversicherungspolicen unterschieden. Die Ansparphase verläuft ähnlich.
Bei Neuabschlüssen wird derzeit ein Zins von 2,25 Prozent pro Jahr garantiert. Zudem zahlen die Versicherer in der Regel eine Überschussbeteiligung, die je nach Marktlage unterschiedlich hoch ausfällt. Doch Vorsicht: Das Geld der Versicherten fließt in drei Töpfe. Zuerst werden die Vertriebs- und Verwaltungskosten für die komplette Laufzeit abgezogen. Dann fließt Geld in einen Vorsorgetopf, der das Risiko abdeckt, falls der Vertragsnehmer vor Ablauf der Laufzeit sterben sollte. Nur der Rest fließt in den Spartopf und wird verzinst. Die Renditeangaben beziehen sich stets auf den Sparanteil und nicht auf den gesamten Betrag, der eingezahlt wurde.
Wer in der Ansparphase den Vertrag vorzeitig kündigt, macht ein Verlustgeschäft. In dem Fall wird lediglich der Rückkaufwert erstattet. Dieser errechnet sich aus dem Sparanteil, also den Beitragszahlungen abzüglich Verwaltungskosten und mitversicherten Leistungen, und der bislang erzielten Überschussbeteiligung. Von dieser Summe werden oft noch nicht getilgte Abschlusskosten, sogenannte Stornogebühren sowie der Schlussüberschuss in Teilen oder komplett abgezogen.
Aufgrund des niedrigen Rückkaufwerts ist die vorzeitige Kündigung meist ein Verlustgeschäft. Bei manchen Verträgen, die über 30 Jahre laufen, dauert es 15 Jahre oder mehr, ehe der Rückkaufwert höher ist als die eingezahlten Beiträge.
Was sind die Vor- und Nachteile des Produkts?
Vorteil Sicherheit: Schon zu Großvaters Zeiten galten Lebensversicherungen als sehr sicher. Fast zwei Drittel der Bundesbürger verfügen heute über eine Police. Die Versicherung „zwingt“ zur regelmäßigen Einzahlung und damit zur Altersvorsorge. Zudem schaffen regelmäßige Crash-Tests Vertrauen. Sie sollen zeigen, ob die Assekuranzen auch bei extremen Marktsituationen ihre Verpflichtungen gegenüber den Kunden wahrnehmen können. Das Risiko, dass ein Versicherer Pleite gehen, ist also gering.
Wenn es doch soweit kommen sollte, fallen die Sparanteile in Lebens-, Renten-, Ausbildungs- oder Sterbeversicherungen grundsätzlich in die Insolvenzmasse. Geht also eine Versicherung Pleite, könnte dies den Totalverlust für den Versicherungsnehmer bedeuten. Daher wurde 2002 die Auffanggesellschaft Protektor Lebensversicherung AG gegründet. Jeder deutsche Lebensversicherer ist Mitglied dieser Sicherungseinrichtung und muss Beiträge zahlen. Ausnahmen können bei europäischen Gesellschaften bestehen, die in der Bundesrepublik nur Niederlassungen unterhalten.
Wird eine Versicherung insolvent, ordnet die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht eine Übertragung der Verträge auf den Protektor an. Dort wird der Vertrag solange weitergeführt, bis eine neue Gesellschaft gefunden ist, die ihn übernimmt. Bis dahin fließen die fälligen Prämien an den Protektor. Das Sparguthaben wird mit dem gesetzlichen Zinssatz verzinst. Eine Überschussbeteiligung darf nicht erwartet werden. Die bisherigen Überschussanteile bleiben jedoch erhalten. Gefährlich kann es werden, wenn der Sicherungsfonds selbst in Schieflage gerät. In dem Fall sieht die derzeitige Regelung Abstriche von maximal fünf Prozent der bisherigen vertraglichen Ablaufleistung vor.
Vorteil Stabilität: Der Ertrag fällt zwar, gemessen an den langen Laufzeiten, bescheiden aus. Dafür sind die Renditen bisher relativ stabil und berechenbar.
Nachteil Kosten: Lebenspolicen sind teuer. Obwohl die Assekuranzen seit Juli 2008 ihre Gebühren gegenüber Kunden offenlegen müssen, ist die Kalkulation schwer nachvollziehbar und wenig transparent. Die Kosten im Einzelnen:
Verwaltungskosten: Sie werden als Kostenzuschläge in Prozent vom Beitrag und/oder Versicherungssumme in absoluter Höhe erhoben. Die Gebühr ist zur Finanzierung der laufenden Aufwendungen für den Versicherungsbetrieb gedacht.
Inkassokosten: Sie werden prozentual von jedem Beitrag erhoben.
Ratenzuschläge: Soweit die Beiträge nicht einmal jährlich im Voraus gezahlt werden, fallen zusätzliche Verwaltungskosten an.
Abschluss- und Vertragseinrichtungskosten: Kostenzuschläge in Prozent vom Beitrag oder der Summe, die zur Finanzierung von einmaligen oder nur in den ersten Jahren auftretenden Kosten bestimmt sind. Dazu zählen Provisionen, Kosten für die Vertragsdokumentation und Risikoprüfung. Diese Kosten fallen für die gesamte Laufzeit direkt zu Beginn des Vertrages an.
Nachteil Mischprodukt: Viele Verträge sind ein Mischprodukt aus Kapital- und Risikoleben. Die Kapitallebenpolice zahlt, wenn die Laufzeit des Vertrags zu Ende ist, eine Summe oder eine Rente aus. Die Risikoleben zahlt im Todesfall des Versicherungsnehmers eine vereinbarte Summe an die Hinterbliebenen aus. Der Todesfallschutz verursacht Kosten, die die Rendite mindern. Singles brauchen den Schutz nicht, weil sie im Todesfall meist niemanden absichern müssen. Für Familien reicht die Versicherungssumme hingegen oft nicht aus. Sie sollten eine zusätzliche Police abschließen, die nur dieses Risiko abdeckt.
Nachteil Inflexibilität: Etwa die Hälfte der Verträge wird vor Ablauf der Laufzeit gekündigt, weil die Versicherungsnehmer das Geld früher brauchen als geplant. In den meisten Fällen ist eine vorzeitige Kündigung von Nachteil, da die Versicherungen nur den Rückkaufwert auszahlen müssen. Dieser liegt in den ersten Jahren nach dem Abschluss meist unter der Summe der Einzahlungen.





