Arbeitsrecht
Die zehn größten Risiken für Geschäftsführer

Kein Kündigungsschutz, keine Regelarbeitszeiten – der Geschäftsführer genießt weniger Schutz als ein Arbeitnehmer, hat dafür aber mehr Pflichten. Die größten Risiken auf einen Blick.
  • 0

Der Geschäftsführer hat eine Doppelstellung inne: Er ist einerseits Organ der Gesellschaft, andererseits verfügt er über einen Dienstvertrag mit der Gesellschaft. Die Organstellung besteht grundsätzlich unabhängig vom Dienstvertrag.

Die Organstellung kann durch Abberufung oder Amtsniederlegung beendet werden, der Dienstvertrag kann darüber hinaus aber weiterlaufen. „Aus dieser seltsamen Situation heraus können sich viele taktische Fragen für den Geschäftsführer und dessen Rechtsposition gegenüber der Gesellschaft ergeben“, sagt Marc Repey, Fachanwalt für Arbeitsrecht bei der Kanzlei Abeln.

Verlust des alten Arbeitsverhältnisses

Schließen Arbeitgeber und Arbeitnehmer einen neuen, schriftlichen Geschäftsführerdienstvertrag ab, so enden alle zuvor bestehenden Arbeitsverhältnisse zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer automatisch.

Eine Rückkehr in das alte Arbeitsverhältnis ist nach dem Ende der Geschäftsführerzeit nur möglich, wenn dies entweder vertraglich fixiert ist oder wenn der Geschäftsführervertrag nur mündlich geschlossen wird und der Geschäftsführerposten beispielsweise auf der Basis des alten Arbeitsvertrages fortgeführt wird. Siehe auch : „Keine Weiterbeschäftigung nach Kündigung“.

Verlust des Kündigungsschutzes

Als Geschäftsführer hat man keinen Kündigungsschutz, auch wenn man vorher Arbeitnehmer war. Eine Kündigung kann daher ohne Grund erfolgen, es muss lediglich die vereinbarte Kündigungsfrist eingehalten werden.

Wird der Dienstvertrag befristet abgeschlossen, so ist eine ordentliche Kündigung nur möglich, wenn dies vertraglich vereinbart wurde. „Andernfalls kann der Vertrag vor seinem vereinbarten Ende nur außerordentlich gekündigt werden, bei Vorliegen eines wichtigen Grundes“, sagt Repey.

Die Anwendbarkeit des Kündigungsschutzgesetzes kann aber vertraglich vereinbart werden. Der Bundesgerichtshof hat dies in einer Entscheidung vom 10. Mai 2010 (2 ZR 70/09) für zulässig erklärt.

Teure Rechtsstreitigkeiten

Wird der Geschäftsführer gekündigt und will er dagegen klagen, trägt er ein ungleich höheres Kostenrisiko als ein Arbeitnehmer. Rechtsschutzversicherungen decken oft die Tätigkeit als Geschäftsführer nicht ab, spezielle Managerrechtsschutzversicherungen sind teuer. Geschäftsführer müssen vor dem Landgericht klagen. Dazu müssen sie sich von einem Anwalt vertreten lassen.

Damit das Gericht sich überhaupt mit ihrer Klage befasst, müssen sie einen Gerichtskostenvorschuss einzahlen, der oft mehrere tausend Euro beträgt. Außerdem müssen sie im Falle des Unterliegens nicht nur den eigenen, sondern auch den Anwalt der Gegenseite bezahlen.

Mit einem durchschnittlichen Geschäftsführergehalt summiert sich das Kostenrisiko in der ersten Instanz schnell auf 20.000 Euro. Zudem dauern Rechtsstreitigkeiten vor Zivilgerichten oft wesentlich länger als ein vergleichbarer Prozess vor dem Arbeitsgericht.

Kommentare zu " Arbeitsrecht: Die zehn größten Risiken für Geschäftsführer"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%