„Whistleblowing“
Wenn das gute Gewissen den Job kostet

Wenn es zu Unregelmäßigkeiten im Unternehmen kommt, haben Angestellte nur zwei Möglichkeiten: reden oder schweigen. Wann Mitarbeiter aktiv werden müssen.
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Viele Mitarbeiter kommen immer wieder in den Zwiespalt: Welche scheinbar schmutzigen Deals sind von so großer Bedeutung, das sie der Öffentlichkeit, Aufsicht oder Polizei gemeldet werden müssen? Die Grenzen zwischen dem Verrat von Geschäftsinterna und Aufdeckung von kriminellen Handlungen sind nicht immer ganz einfach zu ziehen.

Ein IT-Mitarbeiter der Bank Sarasin meldete etwa einem Anwalt der Schweizer Volkspartei, das die Kundin Kashya Hildebrand, die Frau des Schweizer Notenbankpräsidenten Philipp Hildebrand, einen außergewöhnlichen Devisendeal abgeschlossen hat.

Drei Wochen, bevor ihr Mann die Koppelung des Franken an den Euro verkündete, kaufte sie knapp eine halbe Million US-Dollar. Im Vergleich zum Franken stieg nach dem Eingriff der Notenbank der Kurs des Dollar steil an. Dem Notenbankpräsidenten Hildebrandt wurde dies als anrüchiges Insidergeschäft ausgelegt, das ihn letztlich zum Rücktritt veranlasste. Doch auch den Sarasin-Mitarbeiter kostete die Enthüllung den Job. Als der Verstoß gegen das Bankgeheimnis aufflog, folgte die Kündigung. Der 39-Jährige liegt nach einem Selbstmordversuch im Krankenhaus.

Unter den schwierigen Entscheidungen im Job gehört diese zu den schwierigsten: Wie verhält man sich am besten, wenn es zu Unregelmäßigkeiten im eigenen Unternehmen kommt? Angestellte Geheimnisträger haben dann nur zwei Optionen: reden oder schweigen. Wer schweigt, riskiert als Mitwisser strafrechtliche Konsequenzen. Wer redet könnte als sogenannter „Whistleblower“ die Vorgesetzen nachhaltig gegen sich aufbringen – und den Job riskieren.

Jens Hagen
Jens Hagen
Handelsblatt / Redakteur

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