Anleger- und Verbraucherrecht

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Riester, Lebenpolicen, Immobilien: Schlechte Altersvorsorge kostet 50 Milliarden

Schlechte Beratung bei der Altersvorsorge kommt Verbraucher teuer zu stehen. Besonders betroffen sind Kunden, die eine Riester-Rente oder Lebensversicherung abgeschlossen haben. Auch Immobilienbesitzer zahlen drauf.

BerlinEine aktuelle Studie lässt private Altersvorsorgesparer aufhorchen. Verbrauchern entsteht bei der privaten Altersvorsorge wegen Falschberatung ein jährlicher Schaden in Höhe von mindestens 50 Milliarden Euro. Das ist das Ergebnis eines Gutachtens des Bamberger Finanzwissenschaftlers Professor Andreas Oehler, das von der Grünen-Bundestagfraktion in Auftrag gegeben worden war.

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Die Sparer seien zwar bereit, sich mit der teils schwierigen Thematik der privaten Altersvorsorge zu beschäftigen, schreibt Oehler in seiner Untersuchung. „Durch mangelhafte Beratungsqualität und wenig Kundenorientierung sowie aufgrund eines fehlenden systematischen, ganzheitlichen Verbraucherschutzes erleiden Verbraucher zum Teil erhebliche finanzielle Schäden“, resümiert Oehler.

Wann Anleger misstrauisch werden sollten

  • Vorsicht Vermittler

    Viele Finanz- und Versicherungsvermittler haben vor allem eines im Sinn: Die eigene Provision. Die Verbraucherzentrale NRW zeigt, wann Anleger misstrauisch werden sollten.

  • Interessen kennen

    Seien Sie sich darüber im Klaren, dass es keine kostenlosen Beratungen gibt. Aufgrund des Provisionsinteresses ist jede „Beratung“ durch eine Bank oder einen Finanzvertrieb in Wirklichkeit ein Verkaufsgespräch.

  • Gier vermeiden

    Lassen Sie sich von den angepriesenen Renditechancen nicht blenden, sondern hinterfragen Sie kritisch auch die mit dem Anlageprodukt verbundenen Risiken.

  • Heitere Gelassenheit

    Lassen Sie sich nicht unter Druck setzen. Wenn man Ihnen keine Zeit lassen will, um das Angebot nochmals zu überdenken und zu prüfen, dann hat der Anbieter etwas zu verbergen.

  • Gefährliche Formulierungen

    Prüfen Sie das Beratungsprotokoll und achten Sie darauf, dass nicht irgendwelche Formulierungen enthalten sind, mit denen Ihnen im Streitfall die Verantwortung zugeschoben wird – beispielsweise mit Formeln wie „auf ausdrücklichen Wunsch des Kunden“ oder Risikohinweisen, die im Gespräch überhaupt nicht auf den Tisch gebracht worden sind.

  • Schneller Rücktritt

    Nutzen Sie beim Abschluss eines Vertrags in den eigenen vier Wänden die Widerrufsfrist, um das Geschäft nochmals zu überdenken. Zögern Sie im Zweifelsfall nicht, von Ihrem Rücktrittsrecht auch Gebrauch zu machen.

  • Ausdauer

    Unterschreiben Sie niemals einen Vertrag, wenn Sie das Finanzprodukt nicht voll und ganz verstanden haben.

  • Fürsorge

    Helfen Sie mit, ältere Menschen vor Finanzhaien zu schützen, indem Sie innerhalb Ihrer eigenen Familie Aufklärungsarbeit leisten und Ihren Eltern bei ihren Finanzgeschäften Unterstützung anbieten.

  • Initiative

    Machen Sie sich in Finanzfragen nicht von externen Beratern abhängig, sondern eignen Sie sich Grundwissen über die wichtigsten Anlageformen an. Die Verbraucherzentralen bieten hierzu leicht verständliche und praxisnahe Ratgeber.

  • Strategie

    Stellen Sie immer die Finanzplanung an die erste Stelle und entscheiden Sie erst danach, welche Produkte überhaupt infrage kommen. So vermeiden Sie spontane Anlageentscheidungen, die langfristig nicht zu Ihrer Lebensplanung passen. Quelle: Schwarzbuch Banken von der Verbraucherzentrale NRW

Der Wissenschaftler gibt an, „konservativ“ gerechnet zu haben. Demnach liegt der Schaden bei Riester-Verträgen bei rund einer Milliarde Euro. Diese Produktgruppe habe „große Schwachstellen hinsichtlich Transparenz, Verständlichkeit, Kostenbelastung und Leistungsvermögen gezeigt“. Kunden benötigten bei der Auswahl des passenden Vertrages „spielerisches Glück“. Zudem seien die Förderungsregularien so kompliziert, dass 18 Prozent der geförderten Personen weniger als 50 Prozent der Grundzuschüsse erhalten würden.

Grünen-Politikerin Bärbel Höhn konstatiert: „Die Probleme sind seit Jahren bekannt. Es ärgert mich, dass die Bundesregierung es nicht schafft, dass schlechte Finanzprodukte besser erkannt werden und schwarzen Schafen schneller das Handwerk gelegt wird.“ Vorsorgesparer sollten sich an Honorarberater wenden. „Das kostet zwar etwas, aber hier bekommt man in der Regel passendere Produkte“, erklärt Höhn. „Die Provision des Bankverkäufers, die man sonst bezahlen muss, ist oft viel höher.“

Verbraucherfreundliche Vorsorge

  • Wissenschaft

    Die Ergebnisse der Studie von Professor Andreas Oehler sind ernüchternd. Die kurze Untersuchung bietet aber auch Handlungsempfehlungen. Wie die private Altersvorsorge verbraucherfreundlicher werden könnte.

  • Recht

    Die Herausgeber der Studie fordern ein „Verbrauchergerechtes systematisches Rechtssystem“. Eine Beweislastumkehr soll die Position der Verbraucher stärken.

  • Information

    Oehler fordert eine praxisorientierte Aufklärung der Verbraucher. Dazu bedürfe es einer „standardisierten, verständlichen und vergleichbaren Regulierung der Produktinformation und Beratung“.

  • Kontrolle

    Eine systematische Regulierung der Altersvorsorgeprodukte und Finanzdienstleistungen soll für „eine faire Verteilung der Kosten und Nutzen sowie der Produktverantwortung“ sorgen.

  • Überblick

    Sparer sollten einen regelmäßigen und vergleichbaren Überblick über alle Anwardschaften aus gesetzlicher, privater und betrieblicher Altersvorsorge erhalten.

  • Reform

    Das umlagefinanzierte, gesetzliche Rentensystem soll den Bedürfnissen einer modernen Dienstleistungsgesellschaft gerecht werden. Alle steuerlichen Einkommensarten sollen daher berücksichtigt werden.

Die Deutsche Kreditwirtschaft, die alle drei Säulen des Bankensystems vertritt, widerspricht: „Riester-Verträge gehören nach wie vor zu den zentralen Bausteinen einer sinnvollen finanziellen Altersvorsorge. Der Gesetzgeber hat wie bei kaum einem anderen Finanzprodukt dabei Wert auf Kostentransparenz gelegt.“ Die Institute wiesen die Kunden auf alle wichtigen Vertragspunkte wie Kosten oder Gebühren ausdrücklich hin: „Wichtig ist es aber, seine eigenen finanziellen Möglichkeiten realistisch einzuschätzen.“

Deutlich höher als bei den Riester-Verträgen sollen laut Studie der Schaden bei privaten Kapitallebens- und Rentenpolicen sein. Hier taxiert die Studie den Schaden auf 16 Milliarden Euro. Diese Verträge stellten „für die überwiegende Zahl der Verbraucher kein sinnvolles Produkt dar“. Die Autoren der Studie sprechen sogar von „hohen finanziellen Risiken“.

  • 17.02.2013, 23:40 UhrDanilo

    Versicherungsmaklerbureau:

    Danke für Ihren guten Beitrag.
    Ihre Rechnung ist aber für mich nicht ganz leicht zu verstehen. Was heisst nun TER?

    "Produkte zumeist jährliche Kosten zwischen 5 und 12% verursachen"

    Falls dies auf die gesamte Fondssumme berechnet wird, erklärt sich mir nun auch, wieso in meinem Depot jetzt nach genau 2 Börsen-Aufschwungphasen (2003- 2008 und 2009-2013) da gerade etwas weniger drin ist, als bisher eingezahlt wurde.

    Da ist noch nicht mal ein Inflationsausgleich erwirtschaftet worden. Und nun ist sowieso alles in Unirenta umgeschichtet worden!

    Überflüssig zu erwähnen, dass auch um PLZ-Bereich 53xxx die Uni-Profirente von meiner Raiffeisenbank empfohlen wurde!

    Also ich werde den Käse nun zunächst beitragsfrei stellen lassen.

  • 14.01.2013, 21:33 UhrMuendigerBuerger

    Ich denke die Analyse ist bis auf die Einstufung offener Immofonds als grau korrekt.
    Die Vorschlaege gehen jedoch samt und sonders am Ziel vorbei. Es gibt und wird auch nie eine Bank-oder Versicherungsberatung geben. Es handelt sich hier immer um reine Verkaufsgespraeche und das ist auch voellig OK so.
    Es gibt keinen Weg um die eigene finanzielle Bildung herum denn es gibt in der Tat DAS/DIE Produkte fuer DEN Zweck, es gibt und wird aber nie Garantien oder Preissicherheit fuer die Zukunft geben- Regulierungen koennen diese auch nicht liefern oder gar erzwingen.
    Eine Erweiterung der Bemessungsgrundlage ist nur dann denkbar wenn dies im Rahmen einer wesentlich niedrigeren Gesamtbesteuerung geschehen wuerde- was derzeit wohl schwer vorstellbar ist.
    Die besseren Alternativen sind m.E. eine komplette Deregulierung aller Finanzprodukte und deren Verkauf und Kennzeichnung wie Waschmittel oder Zigaretten. Dies eruebrigt jegliche Art von Entschaedigung und nur dies wuerde den Anleger zur Umsicht und zum eigenen Bildungserwerb anspornen.
    Die Schaffung eines oder mehrer nicht spekulativer Immobileninvestitionsvehikels fuer die AV, am besten ein geschlossener BTH Fond ohne Kreditaufnahmemoeglichkeiten mit geregeltem Zweitmarkt, alternativ offene Vehikel gleicher Bauart ohne wirklich offen zu sein (jaehrliche Kuendigung fuer max 20% z.B.)- a la, NL, OZ, US TIAA-CREFF.
    Die Schaffung eines zentral gemanagten kapitalgedeckten Vehikels fuer die 2. Saeule nach dem Vorbild diverser grosser Pensionsfonds souveraener Staaten, z.B. Kanada STATT Riester- dies war DER Fehler der letzten Dekade- und deren Ausweitung auf den oeffentlichen Sektor bei gleichzeitiger Einzahlungspflicht der dort Beschaeftigten- a la NL.
    Der Ersatz von Ruerup durch ein steuerlich und was den Annuitaetenzwang angeht wesentlich grosszuegigeres System a la UK/USA- OK Wunschdenken eines Besserverdieners.


  • 14.01.2013, 09:21 UhrR.B.

    der grösste Teil der Kritik trifft den Gesetzgeber. Weshalb hat er ein so hochkomplexes Produkt wie die RiesterRente überhaupt ins Leben gerufen? Stolpe und Riester lassen grüssen. Vielleicht sollte es ja doch politsch gewollt sein so wenig wie möglich Förderung auszukehren?? Beratung kostet nunmal Geld auch bei den Verbraucherzentralen. Nur haften die nicht für ihre Beratung, ebenso Herr Oehler nicht für das was er als Wissenschaftliche Studie ausgibt.

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