
Die Lehman-Pleite haben deutsche Kleinanleger noch in schlechter Erinnerung. Tausende verloren damals ihr Geld. Sie hatten sich Zertifikate der Pleitebank aufschwatzen lassen, von ihren Beratern bei Sparkassen, Genossenschaftsbanken und Privatbanken. Kaum einer ahnte, für was er seine Euro hergab, und welche Risiken dahinter steckten. Erst als das Geld weg war, kam das böse Erwachen. Seitdem sind fünf Jahre vergangen. Haben die Banken etwas aus dem Desaster gelernt? Nein, sagen Verbrauchschützer.
Im „Schwarzbuch Banken und Finanzvertriebe“, herausgegeben von der Verbraucherzentrale NRW, kommen sie zu dem Schluss: An mangelhafter Beratung bis hin zum Anlagebetrug hat sich nichts geändert. Das grundlegende Dilemma sei dasselbe geblieben: Nicht die Beratung stehe im Vordergrund, sondern die Provision. „Wenn sich nun der unbedarfte Verbraucher mit seinen Finanzfragen an eine Bank oder einen Finanzdienstleister wendet, erwartet er eine kompetente Beratung. Doch was er bekommt, ist im Grunde ein Verkaufsgespräch“, heißt es in dem Buch.
Vier Jahre nach der Pleite der Investmentbank Lehman laufen immer noch Prozesse wegen Falschberatung. Bankberater haben damals Zertifikate an arglose Anleger verkauft, die ihr Geld in Sicherheit sehen wollten. In den meisten Fällen lehnten Banken eine Entschädigung ab. Seitdem gelten Lehman-Zertifikate ein Symbol für schlechte, rechtlich Fragwürdige Bankberatung.
Die Verbraucherzentrale NRW hat sich gefragt, was Anleger aus der Lehman-Pleite lernen können. Die erste Lehre aus der Pleite lautet: Es gibt keine weißen Schafe unter den Banken. „Beratungsfehler und fragwürdige Anlageprodukte sind in allen Bankengruppen zu finden“. Lehman-Zertifikate wurden sowohl von Sparkassen und Genossenschaftsbanken verkauft, wie auch von den Privatbanken.
Traurig aber wahr: Unter den Opfern von Falschberatung befinden sich laut Verbraucherschützern überdurchschnittlich viele alte Menschen. Ein großer Teil der Lehman-Opfer war älter als 60 Jahre, Senioren haben überdurchschnittlich oft sehr komplizierte und intransparente Produkte im Portfolio. „Offensichtlich wurde von manchen Bankberatern die Tatsache, dass gerade ältere Menschen der Bank ein besonderes Vertrauen entgegenbringen, skrupellos ausgenutzt“.
Die Verbraucherschützer beobachten in den Lehman-Prozessen eine Unwissenheit der Vermittler. „Oft haben nicht einmal die Bankberater die Funktionsweise von komplizierten Anlagezertifikaten verstanden“. Trotzdem haben die ahnungslosen Banker die Zertifikate an die noch schlechter informierten Kunden vermittelt. Bankkunden dürfen also nicht darauf vertrauen, dass Banker verstehen, was sie tun.
Kunden sollten nicht erwarten, dass der Banker seine Interessen wahrt. „Kaum ein Anlageberater hat in den kritischen Monaten vor der Lehman-Insolvenz, als schon in der Finanzpresse vor den Liquiditätsproblemen der US-Bank gewarnt wurde, seine Kunden kontaktiert und ihnen empfohlen, Lehman-Anlagezertifikate aus Sicherheitsgründen abzustoßen", erklären die Verbraucherschützer. Eigentlich gehört eine solche Warnung zu einer seriöser Kundenbetreuung dazu. Anlegern bleibt nichts anderes übrig, als sich selbstständig auf dem laufenden zu halten. Das funktioniert etwa mittels Lektüre relevanter Finanzpublikationen wie dem Handelsblatt.
Denn der Berater muss das Portfolio der Kunden nicht durchweg betreuen. „Die Beratung endet vor dem Kauf der Papiere und erzeugt keine nachgelagerten Pflichten“. In der Geldanlage gilt wie im Leben:
Die Banker selbst stehen unter enormen Druck. Sie müssen die Quoten für den Verkauf von Investmentfonds, Zertifikaten, Bausparverträgen oder Versicherungen erfüllen, die ihnen der Vorgesetzte vorschreibt. Die Konsequenz: Verkauft wird nicht, was am besten für den Kunden ist, sondern was der Bank oder dem Finanzdienstleister am meisten einbringt.
Für den Kunden entpuppe sich ein scheinbar unwiderstehliches Angebot im Laufe der Zeit nicht selten als teure Kostenfalle und die angeblich so sichere Kapitalanlage als risikoreiche Spekulation, schreibt der Autor. Ein zweistelliger Milliardenbetrag gehe den Sparern dadurch Jahr für Jahr verloren.
Viele Finanz- und Versicherungsvermittler haben vor allem eines im Sinn: Die eigene Provision. Die Verbraucherzentrale NRW zeigt, wann Anleger misstrauisch werden sollten.
Seien Sie sich darüber im Klaren, dass es keine kostenlosen Beratungen gibt. Aufgrund des Provisionsinteresses ist jede „Beratung“ durch eine Bank oder einen Finanzvertrieb in Wirklichkeit ein Verkaufsgespräch.
Lassen Sie sich von den angepriesenen Renditechancen nicht blenden, sondern hinterfragen Sie kritisch auch die mit dem Anlageprodukt verbundenen Risiken.
Lassen Sie sich nicht unter Druck setzen. Wenn man Ihnen keine Zeit lassen will, um das Angebot nochmals zu überdenken und zu prüfen, dann hat der Anbieter etwas zu verbergen.
Prüfen Sie das Beratungsprotokoll und achten Sie darauf, dass nicht irgendwelche Formulierungen enthalten sind, mit denen Ihnen im Streitfall die Verantwortung zugeschoben wird – beispielsweise mit Formeln wie „auf ausdrücklichen Wunsch des Kunden“ oder Risikohinweisen, die im Gespräch überhaupt nicht auf den Tisch gebracht worden sind.
Nutzen Sie beim Abschluss eines Vertrags in den eigenen vier Wänden die Widerrufsfrist, um das Geschäft nochmals zu überdenken. Zögern Sie im Zweifelsfall nicht, von Ihrem Rücktrittsrecht auch Gebrauch zu machen.
Unterschreiben Sie niemals einen Vertrag, wenn Sie das Finanzprodukt nicht voll und ganz verstanden haben.
Helfen Sie mit, ältere Menschen vor Finanzhaien zu schützen, indem Sie innerhalb Ihrer eigenen Familie Aufklärungsarbeit leisten und Ihren Eltern bei ihren Finanzgeschäften Unterstützung anbieten.
Machen Sie sich in Finanzfragen nicht von externen Beratern abhängig, sondern eignen Sie sich Grundwissen über die wichtigsten Anlageformen an. Die Verbraucherzentralen bieten hierzu leicht verständliche und praxisnahe Ratgeber.
Stellen Sie immer die Finanzplanung an die erste Stelle und entscheiden Sie erst danach, welche Produkte überhaupt infrage kommen. So vermeiden Sie spontane Anlageentscheidungen, die langfristig nicht zu Ihrer Lebensplanung passen. Quelle: Schwarzbuch Banken von der Verbraucherzentrale NRW
Immer wieder fordern Verbraucherschützer eine grundlegende Neuausrichtung der Banken. Der Vorsitzende des Verbraucherzentrale Bundesverbandes, Gerd Billen, mahnte kürzlich bei einer Pressekonferenz in Berlin: „Die Institutionen müssen sehr viel tun, um das Vertrauen zurückzugewinnen, das durch die Finanzkrise und ihr Gebaren verloren gegangen ist.“ Die Bank der Zukunft sei kundenorientiert und stärker auf Anlageziele und -grenzen der Verbraucher ausgerichtet. Außerdem biete sie einfache Basisprodukte. „Die Verbraucher wünschen sich verständliche Produkte“, sagte Billen. Eine Bank dürfe nicht an der Not der Verbraucher Geld verdienen.

Nicht böse sein, aber sich auf Kontrollen ausreden ist lächerlich. Die Banken haben eben kein Geschäftsmodell mehr weil sich die alte Produkte nicht mehr verkaufen. Ist auch klar, das Handeln mit nicht existierenden Werten kann nicht endlos funktionieren. Die Frage ist welche Existenzberechtigung haben Banken in diesen Form noch Heute?

Das Ergebnis ist doch völlig logisch. Die hohen Auflagen für Sicherheit und Kontrolle haben ein erhebliches Kostenproblem hinterlassen. die staatlichen "Verbesserungen" sind wirtschaftlich häufig nicht sinnvoll.
die Sozialpolitik und die Gewerkschaften haben zusätzlich den Fokus weg vom Kunden hin zum Mitarbeiter gefördert.
Wer unter solchen Bedingungen Gewinne machen will, der muss über kurz oder lang seine Kunden "bescheissen".
Da ist es billig auf die unternehmen zu schimpfen, die lediglich in einem staatlich opportunistisch erzeugten Umfeld agieren.
Das Unternehmen im Wettbewerb egoistisch sind ist Sinn und Zweck des Wettbewerbs. es liegt an den staatlichen Verzerrungen, wenn dies langsam aber sicher zum Interessenkonflikt geworden ist, weil die staatlich verursachten Betriebskosten immer höher werden und zweistellige Renditen erfordern um rentabel zu sein.
Gerade das sit ja der Grund, warum die Institute immer größer werden und kleinere immer mehr Schwierigkeiten haben sich am Markt zu behaupten.
H.

@797 Emittentenrisiko entfällt, aber die meisten ETFs funktionieren nur bei Kurssteigerungen. Außerdem ist es keineswegs so, dass alle ETFs die Aktien des abgebildeten Index enthalten, vielmehr wird die Kursentwicklung häufig mittels Derivaten abgebildet. Da empfehle ich dem Verbraucherschützer zur Fortbildung, oder einfach nur mal in Wikipedia nachzusehen. Unter Umständen sind im Derivat auch ganz böse Sachen wie swaps !






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