Streitfall des Tages

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Streitfall des Tages: Teure Abofallen im Internet

Das Ganze sieht aus wie ein harmloses Internet-Gewinnspiel. Doch wer seine Handynummer eingibt, landet in der Abo-Falle. Die Rechtslage ist alles andere als eindeutig. Wann Internetnutzer aufpassen müssen.

Der Schmu des Tages. Illustration: Tobias Wandres
In der Rubrik "Der Streitfall des Tages" analysiert Handelsblatt Online eine Gaunerei oder ein Ärgernis aus Bereichen des Wirtschaftslebens. Betroffene erhalten konkrete Unterstützung, können ihren Fall öffentlich machen und mit Gleichgesinnten diskutieren. Illustration: Tobias Wandres.

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Der Fall

Gerade hat er sein Prepaid-Handy eingeschaltet und schon wieder bekommt Thomas R. eine Benachrichtigung, dass sein Guthaben fast aufgebraucht ist. Der 20-jährige Student kann es nicht fassen. Er hatte in den vergangenen Wochen kaum damit telefoniert. Er fragt beim Anbieter nach, lässt sich einen Verbindungsnachweis schicken. Nach langem Nachforschen stellt sich heraus: Beim Surfen im Internet hat Thomas R. auf winmypc.de an einem Computer-Gewinnspiel teilgenommen und dabei seine Handynummer angegeben. Dachte er zumindest. Doch in Wirklichkeit hat er mit dem Klick auf den Button „Gewinnen“ ein Mitmach-Abo abgeschlossen. 4,99 Euro werden deswegen pro Woche über sein Handy eingezogen.

Hätte sich der Student die Homepage genau angesehen,  hätte er in Zeile sieben des Kleingedruckten auch den eigentlichen Vertragsgegenstand samt Preis gefunden. Am linken Bildrand ist außerdem ein dezentes Mini-Preisschild zu sehen: „Abo 4,99 Euro Woche“ ist da zu lesen. Ob das reicht, darüber lässt sich streiten. Für Thomas R. heißt das allerdings: nicht aufgepasst und reingefallen.

 

Die Gegenseite

Auf der Homepage von winmypc.de ist nur eine kostenpflichtige Abonnenten-Hotline angegebenen. Postanschrift und  Festnetz-Nummer fehlen. Auf eine Anfrage per E-Mail reagierte der Anbieter mit einem  standardisierten Schreiben. Der Inhalt: Das Service-Team sei bemüht, die Anfrage innerhalb von zwei Werktagen zu bearbeiten. Doch eine richtige Antwort blieb aus.

 

Die Relevanz

Verbraucherverbände schlagen derzeit Alarm: Seit Jahren steigt die Zahl der Opfer, die in eine solche Kostenfalle im Internet geraten, kontinuierlich. Rund 12.000 Beratungen verzeichnete allein die Verbraucherzentrale Baden-Württemberg im Jahr 2010. Zum Vergleich: Vor sechs Jahren waren es nur 2564.

 

Der Experte

„Das mit der Handynummer ist die neueste Masche“, sagt Christian Gollner von der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg. „Und eine besonders perfide obendrein.“ Denn es dauert eine Weile, bis Betroffene die Abbuchungen bemerken. Und dann ist einiges an Recherche nötig, um herauszubekommen, wer da Geld einzieht und warum. Im Gegensatz zu normalen Rechnungen können sich Betroffene nicht einfach darauf zurückziehen, erst einmal nichts zu zahlen. Es wird einfach abgebucht. Und anders als beim Festnetz droht bei Mobilfunk-Anschlüssen schneller die Sperrung, wenn Rechnungen nur anteilig oder verzögert gezahlt werden.



Der Trick mit dem Gewinnspiel ist nur eine von vielen Abofallen im Internet, der Einfallsreichtum der Geschäftemacher ist groß. Ausgangspunkt sind meist Angebote, hinter denen niemand Kosten vermutet und die plötzlich in einem Pop-up-Fenster locken, warnt Gollner. Wer da nicht genau hinsieht und persönliche Daten eingibt, hat oft schon verloren. Was folgt sind Rechnungen und – wenn diese nicht bezahlt werden – immer bedrohlicher anmutende Mahnungen, berichtet Gollner: „Der Ton wird immer aggressiver, und der Betrag geht weiter in die Höhe.“

„Wir raten in solchen Fällen, erst einmal nicht zu zahlen und der Forderung zu widersprechen“, sagt Gollner. Verbraucherzentralen stellen auch Musterschreiben zur Verfügung, um sich zu wehren. Flattert aber irgendwann ein gerichtlicher Mahnbescheid ins Haus, muss rechtliche Beratung eingeholt werden. Denn sonst droht der Gerichtsvollzieher.

Streitfall des Tages Jedes dritte Knöllchen ist anfechtbar

In einer neuen Serie streitet Handelsblatt Online jetzt täglich für Verbraucherrechte. Denn wer nicht aufpasst, zahlt drauf. Das gilt sogar bei staatlichen Bußgeldbescheiden - die häufig fehlerhaft sind.

  • 02.05.2011, 16:42 Uhrtrottellumme

    Da gibts einen einfachen Trick. Fuer solche Zwecke ("Gewinnspiele" etc) kaufe man ein prepaid handy/Karte, und wenn das "blockiert" ist, kauft man einfach das nàchste. Die Hemmschwelle bei solchen unseriésen Anbietern, die gesamte Adresse ausfindig zu machen und Mahnverfahren anzustrengen, wird sicherlich gross sein. Auf jeden Fall kann man so die Kosten zumindest regulieren und sich gegen unvorhergesehene Abzège sichern.

  • 11.05.2011, 15:20 UhrPrellbock

    Bedauerlich und sehr dubiös ist hierbei die Rolle der Telefonanbieter Diese machen sich hierbei zum Dealer dieser Ganoven mit ihren Gaunereien. Offensichtlich verdienen sie hierbei mit indem sie sich als Inkassi-Institution betätigen. Ich habe daraufhin auch dem Telefonanbieter, der Mobilcom-Debitel gekündigt

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