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Streitfall des Tages: Warum Versicherungsvergleiche im Internet nichts taugen

Vergleichsportale für Versicherungen preisen sich als unabhängig, leben aber von den Provisionen der Gesellschaften. Wer seine Daten angibt, kann von Maklern belästigt werden. Was Interessenten wissen sollten.

Der Schmu des Tages. Illustration: Tobias Wandres
In der Rubrik "Der Streitfall des Tages" analysiert Handelsblatt Online eine Gaunerei oder ein Ärgernis aus Bereichen des Wirtschaftslebens. Betroffene erhalten konkrete Unterstützung, können ihren Fall öffentlich machen und mit Gleichgesinnten diskutieren. Illustration: Tobias Wandres.

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Der Fall


Vergleichsrechner im Internet: Immer eine Möglichkeit, sich unkompliziert einen Überblick über den Markt zu verschaffen, dachte sich die 40-Jährige im Hinblick auf ihre private Altersvorsorge. Sie gab „Vergleichsrechner“ und „Riester“ in der Suchmaschine ein und bekam seitenweise Ergebnisse, aus denen sie mehr und weniger willkürlich einen Link auswählte.

Serie "Streitfall des Tages"

Um bei Finanzen.de einen „Riester Rente Vergleich“ „kostenlos und unverbindlich“ anzufordern, musste sie jedoch persönliche Daten eingeben – Namen, Anschrift, Telefonnummer, E-Mail-Adresse, Berufsgruppe. Auch das tat sie gutgläubig.

Doch statt der erwarteten Liste mit konkreten Vorschlägen erhielt sie nur zwei Sätze als Antwort: „Ihre Daten werden an unseren Kooperationspartner weitergeleitet. Ein unabhängiger Versicherungsvermittler wird Sie kontaktieren, um Ihnen ein passendes Angebot zu erarbeiten.“

Damit war die 40-Jährige genauso klug wie vorher und hatte sich genau das eingehandelt, was sie fürs Erste vermeiden wollte: den Anruf eines Vermittlers, den sie sich nicht einmal ausgesucht hat.

Streitfall des Tages Neun von zehn Bankern beraten schlecht

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Streitfall des Tages: Neun von zehn Bankern beraten schlecht

Die Gegenseite

Finanzen.de beschreibt sich selbst als kostenloses und unabhängiges Vergleichsportal in den Bereichen Versicherungen, Finanzen, Energie und Telekommunikation. „Auf unseren Webseiten wählen Sie ein Produkt aus unserem breiten Portfolio und geben Ihre Daten in den Online-Vergleichsrechner ein. Sofort sehen Sie ihre persönliche garantiert unabhängige Ergebnisliste“, lautet das Versprechen.

Warum Kunden beim Riester-Rente-Vergleich dann aber nur an einen „Kooperationspartner“ vermittelt werden, auf diese Frage war von den Unternehmen keine Antwort zu erhalten.

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Reich in Rente: Altersvorsorge-Ratgeber

  • 05.08.2011, 21:58 UhrAnonymer Benutzer: fcl

    Höchste Zeit, daß dieses Thema einmal kritisch aufgegriffen wird. Als Versicherungsmakler war ich schon immer skeptisch, was diese "Leadserzeugerei" anbelangt. Sicherlich kann es nicht schaden, wenn sich Interessierte diese Möglichkeit im Internet nutzen und sich einmal umschauen - so wie sich jeder Verbraucher ja bei anderen Produkten auch schlau machen soll. Beim Abschluß kann es aber in den meisten Fällen nur sinnvoll sein, sich einem fachkundigen und erfahrenen Berater anzuvertrauen - und hier werbe ich natürlich für den Versicherungsmakler. Denn in seine Hände gehören eigentlich die Vergleichsrechner ...

  • 04.08.2011, 22:07 UhrAnonymer Benutzer: datenschuetzer

    Gegen das Geschäftsmodell lässt sich eine ganze Menge tun: Der Verkauf der Daten an die Makler ist nämlich bei sämtlichen Anbietern, die ich bisher gesehen habe, illegal. Denn wer einen "Versicherungsvergleich" anfordert, gibt damit keine Einwilligung in den Weiterverkauf seiner Daten zu Werbezwecken, sondern wird im Gegenteil sogar über die tatsächliche Zweckbestimmung getäuscht. Damit ist der Datenverkauf illegal - sogar der anrufende Versicherungsmakler kann auf Unterlassung abgemahnt und verklagt werden.

    Geht es gar um eine Kranken-, Unfall- oder Lebensversicherung, dann handelt es sich sogar um einen Fall für die Staatsanwaltschaft. Denn nach der Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs ist bereits das Interesse an einer derartigen Versicherung durch § 203 Abs. 1 Nr. 6 StGB geschützt. Sprich: Wer als angebliches Vergleichsportal solche Daten verkauft, ohne dass vorher klar war, dass die Daten an Dritte weitergegeben werden, dem drohen pro Fall bis zu zwei Jahre Gefängnis.

    Wie üblich im Bereich des Datenschutzes gibt es aber ein Problem: Die Datenschutz-Aufsichtsbehörden haben kein Personal, die Staatsanwaltschaft interessiert sich nicht für solche "Kleinigkeiten", die Verbraucherzentralen bekommen ihren Hintern nicht in die Höhe und Wettbewerber dürfen nach Ansicht vieler Gerichte nicht klagen. Und die betroffenen Privatleute klagen in aller Regel nicht...

    Bleibt also ein sehr lukratives, aber durch und durch illegales und für die Betroffenen nervtötendes Geschäft.

  • 04.08.2011, 14:57 UhrAnonymer Benutzer: Andre_Wolf

    Man muss dieses ganze Thema sehr genau betrachten. Zunächst einmal bin ich der Ansicht, dass z.B Werbemethoden "bestens versichert ab 48 €" verboten werden müssten und die Regeln für Datensatz-Anbieter / Vergleichsportale extrem verschärft werden sollten. Vermutlich würde es dann den einen oder anderen Anbieter nicht mehr geben, da die Anzahl der Datensätze die zum Verkauf stehen würden enorm sinken könnten. Kunden sollten selbst entscheiden können, ob sie von einem Versicherungsmakler beraten werden möchten und die eigenen Daten an diesen übermittelt werden sollen. Wir Versicherungsmakler haben nämlich auch kein Interesse daran Interessenten-Datensätze von verschiedensten Anbietern zu erwerben, wenn die Kunden gar keine Beratung/keinen Termin wünschen. Neben den Kunden, die sich von unseren Anrufen dann berechtigt belästigt fühlen, zahlen wir Versicherungsmakler solche Datensätze, mit oftmals ungenügenden Reklamationsmöglichkeiten zu immer weiter steigenden Preisen. Hinzu kommt die Arbeitszeit, die wir damit verschwenden, solche Datensätze (ohne Interesse zur echten Beratung vor Ort) bearbeiten zu müssen.

    Trotzdem finde ich es durchaus in Ordnung, wenn Kunden im Internet über Vergleichsportale Versicherungen online abschließen können. Es ist doch Entscheidung des Kunden, ob er eine Beratung wünscht oder nicht. Bieten Firmen solche Möglichkeiten ihren Kunden nicht, dann versichern sich die Kunden beim Wettbewerber. Dennoch sollten Kunden eine Beratung in jedem Fall vorziehen. Desweiteren sollte mehr Aufklärung erfolgen. Welcher Kunde kennt denn schon den Unterschied zwischen unabhängigen Versicherungsmaklern, gebundenen Versicherungsvertretern, Mehrfachagenten usw. Und wer von uns geht nicht zur Arbeit um Geld zu verdienen. Das macht der Versicherungsmakler gegen Provision nach der Beratungsleistung. Ist doch super für die Kunden. Beratung schlecht = kein Vertrag = kein Geld für den Makler.


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