
Der Fall
Die fetten Jahre sind vorbei. Während eine Anstellung als Chefarzt vor nicht all zu langer Zeit noch einer Lizenz zum Gelddrucken glich, haben es junge Mediziner mit Führungsanspruch heute deutlich schwerer. Die meisten der neu berufenen Chefdoktoren müssen inzwischen auf die sogenannte "Privatliquidation" verzichten.
Sie büßen damit das lukrative Privileg ein, zusätzlich zu ihrem Grundgehalt die Honorare für die Behandlung von Privatpatienten mitzunehmen. Eine Maßnahme, die im Extremfall jährliche Einkommenseinbußen im sechsstelligen Bereich nach sich zieht.
Um zumindest einen Teil der Verluste auszugleichen, gehen Kliniken deshalb dazu über, engagierte Newcomer - wie in der freien Wirtschaft – mit Boni für das Erreichen bestimmter finanzieller Ziele zu ködern. Die Parameter werden von der Geschäftsführung des jeweiligen Krankenhauses vorgegeben. Und das bedeutet: Wer viel spart, kann viel verdienen.
Die Relevanz
Während Krankenhäuser früher ähnlich wie Hotels bezahlt wurden (nämlich nach der Verweildauer der Patienten), erhalten Spitäler seit einigen Jahren nur noch Fixpreise für stationäre Behandlungen. Ein Leistenbruch bringt den Betrag x, ein neues Hüftgelenk den Betrag y – unabhängig davon, wie lange der Patient im Krankenhaus bleiben muss.
Die Folge: Je länger ein Patient das Klinikbett hüten muss, desto höher ist das Risiko, dass das Krankenhaus mit der Behandlung draufzahlt. Keineswegs eine seltene Konstellation: Ungezählte Häuser in Deutschland arbeiten nicht mehr kostendeckend. Experten warnen bereits vor einem flächendeckenden Kliniksterben.
Kassenpatienten erhalten von ihrem Arzt keine Rechnung, sondern haben durch Vorlage ihrer Chipkarte beim Arzt automatisch einen Anspruch auf eine Behandlung nach Kassenstandard.
An ihr Geld kommen die Ärzte erst durch ein kompliziertes Verfahren: Die Krankenkassen überweisen eine bestimmte Summe an die Kassenärztlichen Vereinigungen, die wiederum verteilen das Geld nach einem – nicht minder komplizierten Schlüssel – auf die einzelnen Vertragsärzte.
Der Vorteil dieses Verfahrens: Patienten müssen für ihre Behandlung nicht in Vorkasse gehen. Der Nachteil: Kaum ein Versicherter weiß, wie viel (oder wenig) sein Arzt mit ihm verdient.
Wer Kunde einer privaten Krankenversicherung ist, erhält vom Arzt direkt eine Rechnung und lässt sich die Summe erstatten. Der Vorteil: Die Gesundheitskosten sind (weitgehend) transparent. Der Nachteil: Der Kunde muss seinen Arzt zunächst aus eigener Tasche bezahlen.
Nicht alle Leistungen, die Patienten sich wünschen, werden von den gesetzlichen Krankenkassen bezahlt. Einige sind jedoch medizinisch sinnvoll oder zumindest vertretbar, wie etwa eine reisemedizinische Beratung, Raucherentwöhnungskurse oder die Entfernung von Tätowierungen. Patienten, die sich für derartige Behandlungen (sogenannte individuelle Gesundheitsleistungen, kurz IGeL) interessieren, müssen die Kosten privat bestreiten. Allerdings darf der Arzt sein Honorar nicht willkürlich festsetzen. Grundlage ist – wie auch bei anderen privatärztlichen Leistungen – die amtliche Gebührenordnung für Ärzte (GOÄ).
Im vergangenen Jahr prognostizierte das Forschungsinstitut RWI in seinem „Krankenhaus Rating Report: Bis 2020 könnten etwa zehn Prozent der Häuser aus dem Markt ausscheiden. Angesichts solcher Zahlen ist es nicht verwunderlich, dass Klinikchefs vermehrt dazu übergehen, die Ärzteschaft aufs Sparen einzuschwören.
Wichtigster Anreiz: die neuen Vergütungssysteme. „Seit 1995 hat sich die Verbreitung von Bonusvereinbarungen von etwa fünf Prozent auf inzwischen fast 45 Prozent bei Neuverträgen erhöht“, sagt Jürgen Schoder, Vergütungsexperte des Beratungsunternehmens Kienbaum in Gummersbach. Tendenz steigend.
Das sehe ich anders:
Hier liegt ein eindeutiger Zielkonflikt vor: Sparen vs Qualität. Hierbei wird Sparen immer gewinnen, denn die Qualität ist kaum messbar. Und wer soll sie kontrollieren? Nur die gravierendsten Fälle kommen ans Tageslicht.
Wer weiß schon wieviele Menschen gestorben sind, weil die Behandlung durch den Arzt, der mittlerweile seit 16 Stunden auf den Beinen ist, "suboptimal" war?
Nein! Nicht vor den Ärzten - das sind weit überwiegend hart arbeitende Menschen.
Gott befreie uns von den nichtsnutzigen, korrupten Politikern!
DER MARKT IST FEHLERHAFT
ein schönes Beispiel warum "der Markt" nicht (!) alles zum Besten der Gesellschaft regelt.
Ein Marktwirtschaftliches Gesundheitssystem ist pervers, denn Gesundheit bringt keinen Profit - Krankheit hingegen schon.
Ärtze werden zunehmend in Gewissensnöte gebracht.





10 Kommentare
Alle Kommentare lesen