_

Streitfall des Tages: Wenn Kinder falsch versichert sind

Versicherungsvermittler hausieren mit speziellen Vorsorgeprodukten für Kinder. Die Bedingungen sind aber in der Regel schlecht und die Beiträge zu teuer. Welche Policen Kinder brauchen - und welche nicht.

Der Schmu des Tages. Illustration: Tobias Wandres
In der Rubrik "Der Streitfall des Tages" analysiert Handelsblatt Online eine Gaunerei oder ein Ärgernis aus Bereichen des Wirtschaftslebens. Betroffene erhalten konkrete Unterstützung, können ihren Fall öffentlich machen und mit Gleichgesinnten diskutieren. Illustration: Tobias Wandres.

Anzeige

Der Fall


„Ich könnte mir so was von in den Popo beißen.“ Sabrina Wölfinger aus Bayern macht in einem Mütterforum im Internet ihrem Ärger Luft. Sie hat kurz nach der Geburt ihrer Tochter einer Bekannten vertraut, die als Finanzvermittlerin tätig ist. Und diese Dame hat ihr eine "Biene-Maja-Kindervorsorge" der Nürnberger Versicherung empfohlen – in ihrem Falle eine Paketversicherung aus Ausbildungsversicherung, Unfallversicherung und zusätzlichem Sparplan.

Sabrina Wölfinger arbeitet als Freiberuflerin mit monatlich stark schwankendem Einkommen – als sie die Policen nicht mehr bedienen kann, kommt sie nach eigener Aussage nur dank anwaltlicher Beratung aus dem Vertrag. Die Nürnberger Versicherung weist darauf hin, dass die Beitragszahlungen für maximal drei Jahre unterbrochen und die Raten auch verringert werden könnten. Für Sabrina Wölfinger ist das keine Option – sie möchte den Vertrag kündigen und tut das auch. Da sich eine Falschberatung nicht beweisen nachweisen lässt, bleibt sie auf den Anwaltskosten von 600 Euro sitzen.

Serie "Streitfall des Tages"

Die Relevanz

Da liegt der heiß ersehnte Wonneproppen in seiner Wiege und kräht fröhlich vor sich hin und schon drehen sich alle Gedanken der stolzen Eltern und Großeltern um seine Zukunft. Spätestens jetzt stellen sich viele Neu-Eltern die Frage: Welche Versicherungen braucht mein Kind? Wo ist es automatisch mitversichert? Gegen welche Gefahren wollen wir den oder die Kleine absichern? Häufig fallen Eltern in ihrer Fürsorge so wie im Fall Sabrina Wölfinger auf die Überredungskünste von Versicherungsvermittlern herein, die ihnen eine spezielle Kinderprodukte anbieten. Ein Markt, der immer weiter wächst.

Experten raten meist von diesen Produkten ab, denn viele der Produkte versprechen Sicherheit und Vermögensaufbau in einem. Dazu werden beispielsweise wie bei der Biene Maja Kindervorsorge mehrere Elemente zu einem Paket geschnürt: beispielsweise eine Lebensversicherung mit einer Unfallversicherung oder einer Berufsunfähigkeitsversicherung fürs Kind. "Eine Unfallversicherung beispielsweise braucht kein Mensch und schon gar kein Kind", unterstreicht Michael Wortberg, Versicherungsreferent der Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz. Schließlich solle nach dem Willen der Eltern damit eine Invalidität des Kindes nach einem Unfall abgesichert werden. Invalidität bei Kindern resultiere aber nach allen amtlichen Statistiken zu weit über 90 Prozent aus Krankheit und nicht aus Unfall-Ursachen. Und Krankheit ist wiederum durch eine Unfallpolice nicht abgesichert. Spezielle Kinderausbildungsversicherungen sind nach Meinung der Experten ebenfalls uninteressant, denn wie bei allen Lebensversicherungen besteht seit 2005 keine Steuerfreiheit mehr.

Die Rechtslage


Eigentlich braucht es nur ganz wenige Policen, um Kinder richtig abzusichern. Nach der Geburt sollten Eltern erst einmal zum Telefonhörer greifen und die Krankenkasse über den Familienzuwachs informieren, rät Elke Weidenbach von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen. Denn das Krankenhaus informiert die zuständige Krankenkasse nicht automatisch.

Ist die Mutter Mitglieder in der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV), ist das Kind automatisch mitversichert. Ist die Mutter freiberuflich tätig, kann der Nachwuchs über den Vater mitversichert werden, so der Mitglied der GKV ist. Bis zum 25. Lebensjahr sind die Kinder dann bei den Eltern mitversichert. Sie müssen allerdings bis zu diesem Alter noch ihre erste Ausbildung absolvieren. Bei der privaten Krankenversicherung sind Kinder nicht über die Eltern mitversichert, hier muss für jedes Kind ein einzelner Vertrag abgeschlossen werden.

Ein wichtiges Argument für eine private Krankenzusatzversicherung für Kinder gibt es für Elke Weidenbach von der VZ NRW: die stationäre Zusatzversicherung. "Mit einer so genannten Rooming-in-Klausel kann ein Elternteil mit dem Filius im Krankenhaus übernachten, wenn sich der Aufenthalt dort länger hinziehen sollte."

Ratgeber Versicherung Versicherungs-Tipps

Wie sichere ich mich optimal gegen Risiken ab? Der Handelsblatt Versicherungs-Ratgeber beantwortet die wichtigsten Fragen.

Ratgeber Versicherung: Wie Sie sich optimal gegen Risiken versichern

Ganz wichtig ist die private Haftpflichtversicherung. Bis zum Abschluss ihrer Ausbildung sind Kinder in der Regel in der Haftpflichtversicherung der Eltern mitversichert. Allerdings sind Kinder erst ab einem Alter von sieben Jahren deliktfähig, im Straßenverkehr sogar erst ab zehn Jahren.
Die Risikolebensversicherung der Eltern sichert beim Tod eines oder beider Elternteile das Familieneinkommen ab. Mit einem Jahresbeitrag von etwa 150 Euro bekommt das Kind im Todesfall von Mutter und/oder Vater zwischen 100.000 und 150.000 Euro – die Summe hängt vom Eintrittsalter des Versicherten ab. "Diese Versicherung kann zumindest einen Teil des Familieneinkommens ersetzen und ist damit wichtiger als viele andere Produkte", fasst Hajo Köster vom Bund der Versicherten zusammen.

Die gesetzliche Unfallversicherung gilt nur während der Betreuung im Kindergarten, in der Schule und auf dem Weg dorthin. Sie gilt also nicht in der Freizeit. Dafür sollte nach Ansicht von Hajo Köster eine private Unfallversicherung abgeschlossen werden: "Kann ein Kind als Folge eines Unfalls ein Leben lang nicht arbeiten, müssen die Eltern möglicherweise bis zu ihrem Tod für den Unterhalt aufkommen." Allerdings schränkt der Experte ein, dass Invalidität meist durch Krankheiten entsteht und die sind nicht über eine Unfallversicherung abgedeckt.

Streitfall des Tages Wann Kinder für ihre Eltern zahlen müssen

In Deutschland haften Kinder für ihre Eltern. Auch wenn Familien tief zerstritten sind, sind Kinder zum Unterhalt verpflichtet. Wofür der Nachwuchs zahlen muss und welche Forderungen unrechtmäßig sind.

Streitfall des Tages: Wann Kinder für ihre Eltern zahlen müssen

Kapitallebens- oder private Rentenversicherungen für Kinder als Grundstein für deren späteres Vermögen lehnen die Geldexperten in der Regel ab. Denn mehr als die Hälfte dieser langfristigen Verträge wird nicht bis zum Ende durchgehalten, weiß Hajo Köster vom Bund der Versicherten. Und selbst wenn der Vertrag bis zum Ende durchgehalten wird, wartet meist eine nur magere Rendite. Denn ein Großteil der Einzahlungen geht für Kosten und Versicherungsschutz drauf.

Zulagen und Förderung Wie man sich mehr Geld vom Staat sichert

  • Zulagen und Förderung: Wie man sich mehr Geld vom Staat sichert
  • Zulagen und Förderung: Wie man sich mehr Geld vom Staat sichert
  • Zulagen und Förderung: Wie man sich mehr Geld vom Staat sichert
  • Zulagen und Förderung: Wie man sich mehr Geld vom Staat sichert
  • 23.09.2011, 13:06 UhrAnonymer Benutzer: T_H_O

    Die Aussage dass das Kind, wenn die Mutter GKV versichert ist, automatisch auch GKV versichert ist, ist falsch. Das hängt von einigen Faktoren wie z.B. Einkommen des Vaters und der Mutter ab und wo der Vater versichert ist (PKV oder GKV).

  • 22.09.2011, 14:09 UhrAnonymer Benutzer: Starshollow

    Also, da fühlen sich wohl einige sehr vertriebs- und provisionsorientierte Kollegen auf den Schlips getreten weil ihre Cash-Cows, die wirklich niemand braucht, hier zu recht madig gemacht werden.
    Bei den ganzen Kombi-Produkten aus Unfallschutz/Invalidität/BU bzw EU mit "Sparplänen" und Rentenversicherungen sind die Abschlusskosten nunmal so horrend in Deutschland das überhaupt keine ordentliche Rendite rauskommen kann. Das würde ich keinem Mandanten anbieten, den ich langfristig behalten will. Es gibt sehr gute kombinierte Unfall/Invaliditätsversicherungen die lebenslang eine Rente und noch dazu eine ordentliche Einmalzahlung bieten für 400-500 EUR im Jahr. Die machen Sinn. Wer dann noch Geld für die Zukunft der Kinder anlegen will wäre mit jedem Sparbuch besser beraten als mit diesen teuren Kombiplänen von Nürnberger und sonstwo. Eine solide direkte Fondsanlage geht schon ab 25-50 EUr im Monat und ist auf solange Zeit allemal ertragreicher. Was mich fachlich stört in dem Artikel ist die Ungenauigkeit bei der GKV-PKV Beschreibung. Es geht eben nicht, die Kinder umsonst in die GKV zu tun wenn Papa in der GKV ist und Mama als Freiberufliche in der PKV, es sei denn Papa verdient signifikant mehr als Mama. Was nicht immer der Fall ist.

  • 22.09.2011, 14:04 UhrAnonymer Benutzer: blusunshine

    Der Artikel ist etwas undurchsichtig, erst wird geschrieben, dass eine Unfallversicherung kein Mensch braucht und wenn man weiter liest, wird zu einer Unfallversicherung geraten, da die gesetzliche nicht in der Freizeit gilt.

Ratgeber Geldanlage

Die beste Strategie für das eigene Vermögen: Der Ratgeber von Handelsblatt Online erklärt Grundlagen, Chancen und Risiken von Investments in Aktien, Fonds, Anleihen, Zertifikaten und Zinskonten. Anleger erfahren, wie sie die passenden Produkte auswählen und unkalkulierbare Risiken vermeiden. Mehr…

  • Depot-Contest
Depot-Contest : Wer am meisten aus Geld macht

Wer am meisten aus Geld macht

Welcher Vermögensverwalter ist der beste? Finden Sie es heraus: Wir lassen 30 Profis beim DAB-Depot-Contest gegeneinander antreten.

  • Video

Börsen-News Börse Frankfurt am Abend

Der deutsche Aktienmarkt hat zum Wochenausklang eine Achterbahnfahrt hingelegt. Neue Probleme im hoch verschuldeten Spanien wirkten sich belastend auf das Handelsgeschehen aus.

  • Tagesgeld-Vergleich

    Top-Kondtionen für Tagesgeld, inklusive Gebühren, Einlagensicherung und Abgeltungsteuer.

  • Festgeld-Vergleich

    Der Rechner sucht die höchsten Zinsen für Festgeld für jede Laufzeit und Höhe des Anlagebetrages.

  • Girokonten-Rechner

    Kosten für das Konto ermitteln, inklusive Entgelte für Kreditkarten sowie Dispo- und Guthabenzinsen.

  • Rendite-Rechner

    Der Zins entspricht nicht immer der Rendite. Welche Erträge Anlagen tatsächlich bringen.

  • Ratenkredit-Vergleich

    Die besten Angebote für Ratenkredite vergleichen. Für verschiedenen Bonitätsstufen.

  • Ratgeber Geldanlage

    Die beste Strategie für Ihr Vermögen: Grundlagen, Chancen und Risiken verschiedener Investments.

  • Rendite-Risiko-Radar

    Die Renditen für Aktienindizes, Rohstoffe oder Rentenindizes nach Zeiträumen berechnen.

  • Sparbrief-Rechner

    Die interessantesten Offerten für Sparbriefe mit einer Laufzeit zwischen einem und zehn Jahren.

  • Depot

    Erstellen Sie ein virtuelles Depot, mit dem Sie Ihre Strategie testen und Kursentwicklungen verfolgen.

  • Alle Rechner und Tools

    Übersichtsseite aller Rechner, Vergleiche und Tools für Finanzen, Immobilien, Jobs und vieles mehr.

  • Weitere Tools anzeigen

  • Bausparrechner

    Der Bausparberater hilft den passenden Bausparvertrag zu finden.

  • Finanzierungsplanung

    Der Kassensturz zeigt, wie viel Kredit sich Immobilienkäufer leisten können.

  • Baugeld-Vergleich

    Die individuell günstigsten Anbieter von Baufinanzierungen im Vergleich.

  • Forward-Darlehen

    Die besten Konditionen für die Anschlussfinanzierung: Bis zu fünf Jahre vor Ablauf der Zinsbindung.

  • Wohnriester-Vergleichsrechner

    Welche Bauspartarife mit Riesterförderung Top sind, zeigt der Vergleichrechner.

  • Eigenheim-Rechner

    Der Rechner zeigt, welche Raten sich Immobilienkäufer bei Kredit leisten können.

  • Notar- und Grundbuchrechner

    Die Nebenkosten machen beim Immobilienkauf einige tausend Euro aus. Wie viel Sie zahlen müssen.

  • Tilgungsrechner

    Der Rechner zeigt, wie die Restschuld bei Baudarlehen sinkt und wie sich Sondertilgungen auszahlen.

  • Zinsentscheidung

    Immobilienbesitzer können ausrechnen, ob sie Kredite kurz- oder langfristig festschreiben sollten.

  • Angebotsvergleich

    Niedrige Zinsen sind nicht alles. Vergleichen Sie die Baugeld-Offerten von mehreren Banken.

  • Alle Rechner und Tools

    Übersichtsseite aller Rechner, Vergleiche und Tools für Finanzen, Immobilien, Jobs und vieles mehr.

  • Weitere Tools anzeigen

  • Renten-Rechner

    Welches Vermögen und welche Sparraten Sie aufbringen müssen, um eine Rentenlücke zu decken.

  • Ratgeber Versicherungen

    Rundum geschützt: Dieser Ratgeber zeigt, wie Sie sich optimal gegen Risiken absichern

  • Wohnriester-Vergleichsrechner

    Welche Bauspartarife mit Riesterförderung Top sind, zeigt der Vergleichrechner.

  • Immobilien-Wertfinder

    Finden Sie Miete- und Kaufpreise in ihrem Viertel und ihrer Straße mit einem interaktivem Tool.

  • Ratgeber Altersvorsorge

    Clever sparen für den Ruhestand: Dieser Ratgeber zeigt, wie Sie eine solide Altersvorsorge planen.

  • Rendite-Risiko-Radar

    Die Renditen für Aktienindizes, Rohstoffe oder Rentenindizes nach Zeiträumen berechnen.

  • Sparbrief-Rechner

    Die interessantesten Offerten für Sparbriefe mit einer Laufzeit zwischen einem und zehn Jahren.

  • Baugeld-Vergleich

    Die individuell günstigsten Anbieter von Baufinanzierungen im Vergleich.

  • Forward-Darlehen

    Die besten Konditionen für die Anschlussfinanzierung: Bis zu fünf Jahre vor Ablauf der Zinsbindung.

  • Tilgungsrechner

    Der Rechner zeigt, wie die Restschuld bei Baudarlehen sinkt und wie sich Sondertilgungen auszahlen.

  • Eigenheim-Rechner

    Der Rechner zeigt, welche Raten sich Immobilienkäufer bei Kredit leisten können.

  • Auto-Versicherungsvergleich

    Mit dem Auto-Versicherungsvergleich können günstige Versicherungen suchen aund damit ihre Kosten reduzieren.

  • Alle Rechner und Tools

    Übersichtsseite aller Rechner, Vergleiche und Tools für Finanzen, Immobilien, Jobs und vieles mehr.

  • Weitere Tools anzeigen