
FrankfurtDas Interesse am Wachstumswunderland China ist ungebrochen. Das spiegelt sich auch in seiner Währung wider. Seit 18 Monaten können ausländische Investoren den frei handelbaren Renminbi („Offshore-Renminbi“) nutzen. Binnen dieser Zeit ist die Ergänzung zum eigentlichen Renminbi, den China streng kontrolliert, zu einer der liquidesten Währungen der Welt geworden. Das zeigt die neue Auswertung der Düsseldorfer Privatbank HSBC Trinkaus. Auch 2012 dürfte sich dieser Trend fortsetzen.
Zu Beginn jedes Jahres ermittelt Marcel Hartmann, der bei HSBC Unternehmen bei ihrer Devisenabsicherung berät, das Handelsvolumen der Währungen aus den aufstrebenden Nicht-Industrieländern, den sogenannten Emerging Markets. Er greift dabei auf Daten der Konzernmutter HSBC zurück, die weltweit tätig ist. Hartmann leitet daraus seine Schätzung für das laufende Jahr ab unter der Annahme, dass sich die Märkte normal verhalten. Plötzliche politische Umbrüche oder Naturkatastrophen kann er natürlich nicht vorhersagen. Seine Schätzung stellt er dem Handelsblatt exklusiv zur Verfügung.
39 Prozent aller Devisentransaktionen entfielen im vergangenen Jahr auf den Euro, halb so viel wie auf den Dollar. Der Umbau der Euro-Zone zu einer Transferunion schürt Widerstände in den Zahlerländern und nährt das Misstrauen der Finanzmärkte gegenüber der Gemeinschaftswährung.
1000 Milliarden Yuan werden Ende dieses Jahres auf Konten in der chinesischen Sonderverwaltungszone Hongkong liegen, fast dreimal so viel wie derzeit. Von Hongkong aus, wo der Yuan fast schon allgemeines Zahlungsmittel ist, startet der globale Siegeszug der chinesischen Währung.
52 000 Milliarden Dollar beträgt die Gesamtverschuldung von Unternehmen, Staat und Bürgern der USA, das entspricht rund 355 Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Ökonomen fürchten, Amerika werde die Staatsschulden durch Inflation abschmelzen. Die Folge wäre ein Dollar-Crash.
Die Staatsschulden Chinas betragen seit fünf Jahren kontinuierlich um die 20 Prozent des BIP. Die Schulden Europas und der USA steigen hingegen an. 2010 lagen sie zwischen 80 und 90 Prozent des BIP.
Der Dollar hat derzeit noch den größten Anteil an den internationalen Währungsreserven (61,4 Prozent). Darauf folgt der Euro mit 27,0 Prozent Anteilen. Der Pfund besitzt 4,1 Prozent Anteile an den internationalen Währungsreserven, der Yen 3,6 Prozent und 3,9 Prozent teilen sich sonstige Währungen.
Hintergrund für die Liquiditätsanalyse ist die Beobachtung, dass eine illiquide Währung häufig ein Warnsignal dafür ist, dass der Aktienmarkt des Landes auch nicht liquide ist. Das bedeutet für Investoren, dass sie im Fall der Fälle eine Investition nur schwer und mit großen Abschlägen verkaufen können. Eine riskante Anlage. Ein liquider Aktienmarkt ist allerdings nicht gleichbedeutend mit einer steigenden Wertentwicklung.
Die größten Zuwächse im Handelsvolumen dürfte 2012 der Offshore-Renminbi verzeichnen. Nach umgerechnet zwei Billionen US-Dollar im vergangenen Jahr werde das Handelsvolumen dieser Währung in diesem Jahr auf 15 Billionen Dollar ansteigen, schätzt Hartmann. Vom Volumen der Großen ist er dennoch weit entfernt. Beim russischen Rubel beispielsweise dürfte 2012 das Volumen bei rund 1875 Billionen Dollar liegen.
„Viele Investoren erwarten mittlerweile, dass die Katastrophe in Europa ausbleibt, und investieren wieder“
Das sind die ganz Klugen!





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