
Herr Karpowitz, das Rettungspaket für den Euro hat an den Märkten ein Kursfeuerwerk ausgelöst. War das jetzt die Rettung des Euro oder nur ein Zwischenhoch?
Kurzfristig ist die Nervosität weg. Doch das ist keine Trendwende. Die Erholung zum US-Dollar wird sich nicht langfristig fortsetzen.
Warum?
Langfristig sprechen viele Gründe gegen den Euro. Zunächst hat die EZB als Wächter des Euro an Glaubwürdigkeit verloren. Ankündigen und Taten stimmen nicht überein. Es hat den Anschein, als ob die Politik den Kurs mitbestimmt. Das sorgt nicht für Vertrauen. Außerdem steigt der Druck zu einer Tranferunion, das kann den Euro zerreißen.
In wiefern bedroht die Solidarität unter den europäischen Ländern die Währung?
Politisch dürfte sich ein monetärer Transfer in den Geberländern auf Dauer kaum durchsetzen lassen. Bei den Nehmerländern dürfte es andererseits schwierig werden, harte Sparmaßnahmen durchzusetzen, wenn der Rettungsschirm das schlimmste abwendet.
Anleger fürchten jetzt Inflation?
Auch das könnte zu einem Problem des Euros werden. Die EZB pumpt durch den Kauf von Staatsanleihen und einen neuen Sechs-Monats-Tender eine enorme Liquidität in den Markt, die langfristig erhalten bleibt. Im Vergleich zur Fed dürfte die EZB ihre Zinsen später erhöhen. Wenn die Konjunktur ansteht, sind alle Bedingungen für höhere Inflation gegeben.
Damit ließe sich die Schuldenproblematik für die Regierungen lösen?
Man kann Inflation auch als die Übertragung von privatem Vermögen auf den Staat sehen. Das Risiko dafür ist seit dem Wochenende ist deutlich gestiegen. Der Euro wird langfristig auch unter Inflation leiden. Und: Ein niedriger Euro schafft auch Inflation, das merkt jeder, der aktuell sein Auto betankt.
Wo sehen sie den Kurs des Euro am Jahresende?
Wir rechnen damit, dass der Euro im Vergleich zum US-Dollar bei rund 1,20 liegt. Heute lag er zwischenzeitlich bei 1,30 US-Dollar. Bei diesem Stand geht aber die Welt nicht unter. Nach der Jahrtausendwende lag der Euro schon mal unter 0,90 US-Dollar.
Danke an Hr. Karpowitz für die klaren Worte:
Um einer Mythenbildung vorzubeugen: Der Euro wurde nicht angegriffen. Die Entscheider suchen anscheinend vielmehr nach einer populären Erklärung, um eine Maßnahme in dieser Dimension zu rechtfertigen und letztlich zu legalisieren.
Die US-Euro-Weichmacher (Obama) und die europäischen Transferisten und Deutschland-Zähmer (Sarkozy & Cie.) haben es geschafft: L'Ecole Nationale gegen deutsche PiSA-Politiker.
Trichets behauptung über einen abgesprochenen Angriff amerikanischer + asiatischer Hedgefonds auf den Euro war vermutlich in ihrem Wahrheitsgehalt dem busch'schen Atom-Phantom im irak äquivalent!
Grundsätzlich ist es so das die Wirtschaft vorwärts getrieben wird durch Staatsausgaben auf Kredit, das also die Kapitalbasis (Equity) der industrie dadurch (letztlich über einbehaltene Gewinne) angehoben wird.
Diese Kapitalbasis ist wiederum die unentbehrliche Grundlage für Unternehmengewinne (ROE von ca. 12% im langjährigen industriellen Durchschnitt) sowie die Löhne.
Das bedeutet das die Unternehmen heute höhere Gewinne geniessen dürften und auch die Arbeitnehmer höhere Löhne haben als "Nebenwirkung" der Staatsverschuldung.
Warum also nicht - ein wenig - des Geldes über die "inflationsabgabe" zurückgeben in Zeiten in denen der Staat klamm ist ?
Da die langjährige ROE weitestgehen unabhängig von der inflation ist, bedeutet inflation einen Rückgang der rellen Gewinnentwicklung bei Unternehmen die sich dann auch in einer geschmälerten rellen Lohnentwicklung niederschlagen muss. bei einer ROE von 12% und 6% inflation liegt die netto ROE demnach nur noch bei 6% was für Dividende und Expansion der Kapitalbasis reichen muss.
Der Zusammenhang ist bekannt als Stagflation da Aufgrund der dann nur noch sehr langsam wachsenden industriellen Kapitalbasis die Wirtschaft entsprechend langsam wächst.
in einer -moderaten- inflation haben Aktionäre, Angestellte und natürlich auch die investoren in Anleihen und Empfänger von Transfereinkommen
-moderate- Einbussen, also eigentlich alle die von der Aufbauphase der Staatsverschuldung profitiert haben.
Warum nicht - etwas - von dem zurückgeben das man "geschenkt" bekommen hat und dem Staat die Chance geben die Schulden wieder in den Griff zu bekommen ?
Wer grundsätzlich Profite privatisiert und Verluste sozialisiert hat irgendwann keinen handlungsfähigen Staat mehr.
QGerd
Mit der gesetzlichen Währung spielt man nicht.
Selbstverständlich muss der Euro gehütet werden, aber wie? Die Kapitalimportabhängigkeit muss beseitigt werden. Diese gilt sowohl für den Euroraum als auch für deren Mitglieder. Sonst ist man auf das Wohl und Wehe der ausländischen Kapitalgeber angewiesen und damit jederzeit von ihnen abhängig. Es kann keiner langfristig über seine Verhältnisse leben, ohne dass es zu Erschütterungen und Korrekturen in den Gläubiger- zu Schuldnerverhältnissen kommt. Zuerst haben sich diese “ungesunden” Verhältnisse im bankenbereich aufgebaut. Diese wurden von den Staaten gerettet und die Staaten traten als Schuldner der nächsten instanz auf. Damit hatte sich nichts geändert. Nunmehr fiel auf, dass Volkswirtschaften über ihre Verhältnisse leben, gelebt haben. Nämlich diejenigen, die eine negative Leistungsbilanz haben und auf Kapitalimport angewiesen sind. Es war klar, dass bei diesen Ländern die bonitätsfrage gestellt würde. Wenn dieses nunmehr durch Gelddrucken beantwortet wird und dieses scheinbar erst mal gut geht, siehe UK und USA, stellt sich langfristig die Frage nach der Werthaltigkeit der gesetzlichen Währungen und damit nach dem Supergau. Länder mit einer negativen Leistungsbilanz müssen sparen und leistungsfähiger werden. in der Krise ist teilweise Keynes missverstanden worden, nur Überschussländer dürfen in der Krise durch staatliche Konjunkturprogramme die binnennachfrage ankurbeln. Hier vermisse ich klare Antworten. Wenn die EU-Südländer inkl. Frankreich nicht leistungsfähiger werden, verliert Deutschland viel Geld und / oder die Währung geht den bach runter.





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