„Der Euro ist noch massiv überbewertet“

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Wieso sollte der Dollar bei konstant niedrigen Zinsen weiter steigen?

Weil Investoren an stabilen Währungen interessiert sind. Wenn die Amerikaner also das Signal senden, dass sie hinter dem Dollar stehen, während es in der Euro-Zone turbulent zugeht, lockt das globale Kapitalgeber an.

Wie ernst können die Turbulenzen im Euro-Raum werden, wie real ist die Gefahr von Staatsbankrotten?

Am Markt wird für Griechenland aktuell eine Wahrscheinlichkeit von zehn Prozent eingepreist. Aber ich halte einen Staatsbankrott für überaus unwahrscheinlich, weil sich das niemand leisten kann. Die Euro-Staaten werden entsprechend alles tun, um einen solchen zu verhindern. Allerdings rechne ich nicht mit einem Bailout der Krisenstaaten. Der Mechanismus wird letztlich über einen extremen Sparzwang laufen. Das ist für die Bürger zunächst extrem unangenehm. Wenn sich Erfolge zeigen, wird so aber letztlich das Vertrauen der Privatinvestoren gestärkt werden.

Der Widerstand der Bevölkerung ist aber groß und Politiker wollen wiedergewählt werden.

Hier sehe ich in der Tat eine Gefahr. Und es gab zuletzt bereits vollkommen falsche Entwicklungen: Die Griechen haben vergangene Woche ihre Pensionen erhöht, das ist indiskutabel. Portugal und Spanien haben gleichzeitig ihre Defizitprognosen angehoben. Und von diesen beiden Ländern gehen deutlich höhere Gefahren aus....

Inwiefern?

Ich muss ja fragen, wo die Multiplikatoren für eine Krise sitzen. Wenn ich als Privatmann Geld in Griechenland, Portugal oder Spanien verlierer, tut das nur mir weh. Aber wenn Banken, die Geld hierhin verliehen haben, auf ihren Forderungen sitzen bleiben, besteht eine große Ansteckungsgefahr. Ausländische Banken Forderungen im Wert von 23 Mrd. Dollar gegen griechische Counterparts, in Portugal sind es 196 Mrd. Dollar und in Spanien 800 Mrd. Dollar. Das zeigt, wie viel größer das iberische Problem im Vergleich zu Griechenland ist. Ein Staatsbankrott Spaniens würde die Märkte härter treffen als es die Finanzkrise getan hat.

Hat man dieses Problem erkannt?

Die spanische Politik ist aufgerufen, die Realitäten zu erkennen. Herr Zapatero hat das bisher nicht getan.

Wie groß ist die Gefahr, dass die Euro-Zone auseinanderbricht?

Wir haben das europäische Projekt aus der Taufe gehoben und auf das Fundament des Maastrichter Vertrags gesetzt. Den müssen wir ehren und achten. Wir wir ihn hin- und herbiegen, haben wir ein Problem. Das haben die Herren Chirac und Schröder mit der Aufweichung der Defizitkriterien gemacht. Sollte das jetzt mit der Regelung, dass Euro-Staaten nicht aufgefangen werden, erneut geschehen, tritt man den Vertrag mit Füßen und gibt den Euro zum Absturz frei.

Die Spekulanten haben sich festgelegt und wetten so vehement gegen den Euro wie noch nie...

Aus dem Griechischen übersetzt, heißt Spekulant nichts anderes als "Der Vorhersehende". Dass die Märkte sich gegen den Euro positionieren, macht fundamental Sinn. Trotz der jüngsten Verluste ist der Euro ja immer noch überbewertet. Gemessen an Kaufkraftparitäten, also einem Vergleich, was Warenkörbe in verschiedenen Währungskörben kosten, liegt der faire Wert des Euros bei 1,17 Dollar. Sein Außenwert ist davon aber noch weit entfernt. Ich würde sagen, der Euro ist bei 1,40 Dollar überbewertet, bei 90 Cent wäre er unterbewertet.

Droht dem Euro ein Schicksal wie dem Pfund, das 1992 von George Soros und anderen Spekulanten zum Absturz gebracht wurde?

Zunächst einmal hätte Soros damals keinen Erfolg gehabt, wenn das Pfund nicht hoffnungslos überbewertet gewesen wäre. Er hat nur eine Entwicklung vorhergesehen, die kommen musste. Abgesehen davon muss man sich die Dimensionen vergegenwärtigen. Das britische Pfund war damals im Vergleich zum Euro heute eine relativ insignifikante Währung. Um den Euro auseinanderzunehmen, braucht man immense Marktkräfte. Diese könnten allenfalls entstehen, wenn sich die fundamentale Situation in der Euro-Zone nachhaltig und signifikant verschlechtert, beispielsweise wenn es zu einer weiteren Aushöhlung des Maastrichter Vertrags kommt. Davon gehe ich aber nicht aus. Der Euro ist eine starke Währung, der aber eine niedrigere Bewertung verdient.

  • 10.02.2010, 02:20 UhrAnonymer Benutzer: Bernd R

    Einige Dinge scheinen mir hier so falsch dargestellt, dass ich mich hier melden muss und mich als Nachfolger von Herrn Redeker anbiete.
    1) Erst wenn man die gefährdeten EU-Staaten rettet, wird der Euro massiv verlieren, nicht umgekehrt.
    2) steigende Zinsen des Dollar würden zu einer stärkeren Nachfrage danach führen. Von starken Signalen wird sich die Welt nicht mehr lange überzeugen lassen. irgendwann setzt sich immer die Realität durch. Dann helfen auch keine Signale mehr.
    3) Die internationale Konkurrenzfähigkeit wird auch über einen schwachen Euro erhöht, zumindest ins außereuropäische Ausland.
    4) Natürlich bringt ein schwächerer Euro auch Gefahren mit sich. Hierbei geht es nicht nur um den Urlaub. Die Folge ist eine importierte inflation. Für Rohstoffe (Öl...) und sonstige Waren müssen mehr Euros bezahlt werden. Dies senkt die Kaufkraft.
    5) Meiner Meinung nach haben die Amerikaner keine Wahl zwischen steigenden Zinsen und einem relativ stärkeren Dollar, da sie den Dollar nur durch steigende Zinsen stärken können. Das eine bedingt das andere. Je höher das Risiko, desto höhere Zinsen möchte ja ein Anleger haben. Werden dann die Zinsen nicht erhöht, wird der Dollar früher oder später relativ schwächer. Dies ist dann gut für die Exportindustrie, führt aber wiederum zur importierten inflation. Werden die Zinsen erhöht, können wiederum Hypothekenschulden und Staatsschulden schwieriger bedient werden.
    Mfg
    bernd R.

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