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Euro-Schwäche: „Der Euro ist noch massiv überbewertet“

Die Krise der südeuropäischen Staaten wird den Euro noch massiv drücken, Hans Redeker, Chef-Währungsstratege von BNP Paribas. Im Gespräch mit dem Handelsblatt erklärt er, warum das im Interesse sowohl von Europäern und Amerikanern ist, wieso Spekulanten ungefährlich sind und warum ein Staatsbankrott Spaniens die Finanzkrise in den Schatten stellen würde.

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Hans-Günter Redeker ist Leiter der weltweiten Währungsstrategie von BNP Paribas. Quelle: Pressebild
Hans-Günter Redeker ist Leiter der weltweiten Währungsstrategie von BNP Paribas. Quelle: Pressebild

Herr Redeker, die Sorge um Griechenland, Portugal und Spanien lastet auf dem Euro, seit Dezember hat er fast 15 Cent zum US-Dollar verloren. Wird sich die Talfahrt fortsetzen?

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Der Euro wird unter Druck bleiben. Kurzfristig mag die Spekulation etwas heiß gelaufen sein, eine Gegenbewegung ist jederzeit drin. Aber fundamental spricht alles für weitere Kursverluste des Euros. Unser Kursziel für das Jahresende liegt bei 1,27 Dollar je Euro.

Was drückt den Euro?

Es gibt mehrere Gründe. Im Wesentlichen haben sie alle mit der Lage in Europas Peripherie zu tun. Die fiskalischen Probleme von Griechenland, Portugal und Spanien zwingen die EU und in der Folge die betroffenen Staaten zu einer Zuckerbrot-und-Peitsche-Politik. Die Regierungen müssen einerseits ein starkes Auge auf ihre Budgetdefizite achten. Gleichzeitig gilt es, die internationale Konkurrenzfähigkeit zu erhöhen. Das geht nur über niedrigere Lohnstückkosten. Die Folge ist ein deflationärer Schock, der wiederum den Euro unterminiert?

Wie funktioniert dieser Mechanismus?

Er läuft über die nominalen Zinssätze. Die EZB kann es sich wegen der Probleme in der Peripherie und des beschriebenen deflationären Schocks nicht leisten, die Zinsen anzuheben. In der Konsequenz wird sie in einer Zeit handlungsunfähig sein, in der in anderen Regionen die Zinsen bereits wieder steigen. Das kann dem Euro nur schaden.

Welche Gefahren bringt ein schwächerer Euro mit sich?

Eigentlich keine - wenn man mal davon absieht, dass Urlaub außerhalb des Euro-Raums teurer wird. Ein niedrigerer Euro-Kus ist sogar im Interesse der Staatengemeinschaft, weil er helfen kann, die Probleme zu mildern.

Wie das?

Wir hatten über Jahre die Situation, dass die deutschen Unternehmen als Exportweltmeister auftraten. Zu weiten Teilen gelang das aber durch Exporterfolge innerhalb der Euro-Zone. Das heißt: Der deutsche Exporteur saß dem spanischen Unternehmer im Nacken. Eigentlich hätte dieser als Konsequenz seine Lohnstückkosten drastisch senken müssen, doch das geschah nicht, weil die spanische Wirtschaft auf Pump lebte. Um jetzt einen Ausweg aus der Schuldenkrise zu finden, müssen die südeuropäischen Volkswirtschaften wieder Überschüsse erwirtschaften, sie müssen wieder zu Netto-Exporteuren werden. Das heißt: Sie müssen den deutschen Exporteur aus dem Nacken bekommen. Mit einem schwächeren Euro, der Exporte nach Amerika und Asien erleichtert, könnte dies gelingen.

Voraussetzung ist, dass die Amerikaner und Asiaten mitspielen...

Das stimmt. Aber die Amerikaner müssen in den kommenden Jahren einen erheblichen Beitrag leisten, um ihren Heimatmarkt zu stabilisieren. Dies gilt vor allem mit Blick auf die Refinanzierung von Hypothekenverbindlichkeiten. Diese Verbindlichkeiten sind an die Zinssätze gebunden. Wenn also die Amerikaner eine Wahl haben zwischen steigenden Zinsen und einem relativ stärkeren Dollar, werden sie sich mit ziemlicher Sicherheit für Letzteres entscheiden.

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1 Kommentar

  • 10.02.2010, 02:20 UhrAnonymer Benutzer: Bernd R

    Einige Dinge scheinen mir hier so falsch dargestellt, dass ich mich hier melden muss und mich als Nachfolger von Herrn Redeker anbiete.
    1) Erst wenn man die gefährdeten EU-Staaten rettet, wird der Euro massiv verlieren, nicht umgekehrt.
    2) steigende Zinsen des Dollar würden zu einer stärkeren Nachfrage danach führen. Von starken Signalen wird sich die Welt nicht mehr lange überzeugen lassen. irgendwann setzt sich immer die Realität durch. Dann helfen auch keine Signale mehr.
    3) Die internationale Konkurrenzfähigkeit wird auch über einen schwachen Euro erhöht, zumindest ins außereuropäische Ausland.
    4) Natürlich bringt ein schwächerer Euro auch Gefahren mit sich. Hierbei geht es nicht nur um den Urlaub. Die Folge ist eine importierte inflation. Für Rohstoffe (Öl...) und sonstige Waren müssen mehr Euros bezahlt werden. Dies senkt die Kaufkraft.
    5) Meiner Meinung nach haben die Amerikaner keine Wahl zwischen steigenden Zinsen und einem relativ stärkeren Dollar, da sie den Dollar nur durch steigende Zinsen stärken können. Das eine bedingt das andere. Je höher das Risiko, desto höhere Zinsen möchte ja ein Anleger haben. Werden dann die Zinsen nicht erhöht, wird der Dollar früher oder später relativ schwächer. Dies ist dann gut für die Exportindustrie, führt aber wiederum zur importierten inflation. Werden die Zinsen erhöht, können wiederum Hypothekenschulden und Staatsschulden schwieriger bedient werden.
    Mfg
    bernd R.

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