Devisen

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Hans Redeker im Interview: „Der Euro wird massiv abwerten“

Europa braucht eine schwache Währung - und die Europäische Zentralbank wird dafür sorgen. Im Interview erklärt Hans Redeker, Chefstratege bei Morgan Stanley, warum der Euro fast auf Parität zum Dollar fallen könnte.

" Die EZB wird einen ähnlichen Weg gehen wie die Bank of Japan", sagt Hans Redeker von Morgan Stanley. Quelle: Pressebild
" Die EZB wird einen ähnlichen Weg gehen wie die Bank of Japan", sagt Hans Redeker von Morgan Stanley. Quelle: Pressebild

Herr Redeker, der Euro hat in den vergangenen Wochen kräftig gegenüber dem Dollar gewonnen. Ein gutes Zeichen?

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Was wir im Moment sehen ist ganz klar eine Übertreibung. Nach dem Versprechen von EZB-Präsident Mario Draghi, alles für den Erhalt des Euros zu tun, ist viel Kapital in die Euro-Zone zurückgeflossen. Dadurch wertet der Euro auf. Auf lange Sicht wird sich das aber wieder ändern. Wir brauchen in Europa eine schwache Währung, um unsere Probleme zu lösen.

Warum das?

Je mehr der Euro abwertet, desto mehr Zeit hat die Politik, die strukturellen Probleme zu lösen. Die Euro-Zone ist nach wie vor kein homogenes Gebilde. Die Länder in der Peripherie brauchen eine günstige Währung, um einigermaßen wettbewerbsfähig zu sein.

Deutschland bräuchte eine stärkere Währung.

Das ist richtig. Gemessen an Wirtschaftskraft und Arbeitskosten müsste der Euro nach unseren Berechnungen für Deutschland bei 1,53 Dollar stehen. Deshalb war die deutsche Exportwirtschaft der größte Profiteur der Euro-Krise in den vergangenen Jahren.

Wie wird sich der Wechselkurs entwickeln?

Die Überbewertung des Euro wird noch eine Weile bestehen bleiben. Am Ende des ersten Quartals könnte er bei 1,36 Dollar stehen. In der zweiten Jahreshälfte wird der Wechselkurs dann sukzessive fallen, auf 1,26 Dollar bis Jahresende, danach noch weiter.

So viele Schulden kann sich ein Staat leisten

  • Der Ökonom

    Im Oktober 1990 hat Olivier Blanchard, Professor der Volkswirtschaftslehre am Massachusetts Institute of Technology (MIT), eine alte Frage beantwortet. Wie viele Schulden kann sich ein Staat leisten? Grob unterscheidet er drei Szenarien.

  • Neutrales Szenario

    Das Bruttoinlandsprodukt wächst in einem Jahr um zwei Prozent, ein Land muss auf alle Staatspapiere durchschnittlich zwei Prozent Zinsen zahlen. Das Staatsdefizit ist tragfähig, wenn das Land einen ausgeglichenen Haushalt vorweisen kann, also Staatsausgaben gleich Steuereinnahmen sind.

  • Gutes Szenario

    Das Bruttoinlandsprodukt wächst um zwei Prozent, der Staat kann sich günstig refinanzieren und zahlt auf Staatsanleihen weniger als zwei Prozent Zinsen. Das Staatsdefizit ist sogar dann tragfähig, wenn dem Staat weniger Steuern zufließen als er Geld ausgibt.

  • Schlechtes Szenario

    Das Bruttoinlandsprodukt wächst wieder um zwei Prozent, allerdings wollen Investoren mehr als zwei Prozent Zinsen pro Jahr, um ihr Geld dem Staat zu leihen. Das Staatsdefizit ist nur dann tragfähig, wenn die höheren Zinszahlungen über erhöhte Steuereinnahmen in gleichem Umfang gedeckt sind.

Wie weit?

Bis auf 1,05 Dollar in den nächsten zwei Jahren.

Wie bitte? Das wäre fast Parität zum Dollar. Warum sollte der Euro so stark fallen.

Das liegt zum einen am Wiedererstarken der USA. Die Erschließung neuer Schiefergas- und Ölvorkommen wird Amerika in den kommenden Jahren unabhängig von Energieimporten machen.  Durch erheblich niedrigere Energiekosten wird es zu einem Aufschwung der US-Wirtschaft und zu einem Boom auf dem Arbeitsmarkt kommen. Das unterstützt auch den Dollar. Auf der anderen Seite  wird Europa alles daran setzen, um seine Währung zu drücken. Ich denke, dass die Europäische Zentralbank einen ähnlichen Weg gehen wird, wie ihn die Bank of Japan gerade vormacht, nämlich durch monetäre Impulse die Gefahr einer Kreditimplosion zu verhindern. 

  • 26.04.2013, 17:47 Uhrstatesman

    Das hab ich doch schon vor Monaten vorausgesagt, daß der Euro auf Dollarparität und vor seiner Abschaffung noch viel tiefer gehen wird und daß für die Hardcore-Goldbesitzer goldene Zeiten anbrechen werden, denn ihr physisches Gold wird in Euro gerechnet, um 30 % steigen zusätzlich noch zu den sowieso systemimmanenten Schwächen bedruckter Zellulose und volatiler Börsen.

    Sieht denn hier keiner der "Fachleute", daß das Wahnsinnskonstrukt EU und seine Pleitewährung in ein paar Jahren nicht mehr existieren wird, und daß die Prognosen dartwerfender Affen in den Monkey-Abteilungen der Finanzmanager immer noch die meisten Performances schlagen.

    Also lassen Sie, liebes Habla, doch auch einmal die Affen zu Wort kommen und nicht nur die Wachstums-Phantasten, die von Kursen jenseits von Gut und Böse schwafeln, nur damit sie ihre Loser-Papiere dem letzten Einfaltspinsel aufschwatzen können.

    In dem Szenario, das "richtige Fachleute" wohl begründet prognostizieren, werden wir irgendwann bei Dax 2000 liegen.
    Das ist der Zeitpunkt, wo auch ich wieder kaufen werde.

  • 17.02.2013, 22:07 Uhreleuroodw

    Hallo Ihr ewigen Diskutanten.Nachweislich gibt es 5000
    Jahre Finanzgeschichte.Politiker Macht und Gier führten immer zum Elend der Bevölkerung.

    Wenn Banken und Kirchen in Sachwerte jeder Art investieren
    sollte der Kleine Mann auf sein Papiergeld achten.

    Lösungen wären Abschaffung von Zinsen und keine Schulden.

    gruß
    robert

  • 11.02.2013, 18:01 UhrRechner

    'popper' sagt
    --------------------
    @Rechner sagt:

    In der Eurozone hat es jedenfalls keine nennenswerte Ausweitung der Geldmenge gegeben. Seit 2010 steigt die Geldmenge M3 mit einer Jahresrate von gerade mal 1,3%. Und demzufolge gibt es auch keine nennenswerte Inflation.
    Antwort:
    Da haben Sie an anderer Stelle schon anders geklungen, als es darum ging das Gelddrucken der EZB hinsichtlich des Kaufs von Staatsanleihen und die Billion an die Banken. Da nannten Sie das Geldmengenausweitung und Inflation. Schön dass Sie dazugelernt haben.
    --------------------

    Im Gegensatz zu Ihrer Behauptung, die zu belegen Sie sich wie üblich nicht die geringste Mühe geben, habe ich NIE im Zusammenhang mit der tatsächlichen Politik der EZB von "Geldmengenausweitung und Inflation" gesprochen.

    Auch hier phantasieren Sie sich 'was zusammen.

    +++

    'popper' sagt
    --------------------
    In Deutschland arbeiten 8 Mio unter 8,50 und 7 Mio in Mini-Jobs. Ganz abgesehen von denen in 1 Euro-Jobs. Die Löhne sind inflationsbereinigt in Deutschland sogar gefallen.
    --------------------

    Sie sind jedenfalls inflationsbereinigt nicht nennswert gestiegen.

    Mit "Dumping" hat das aber nichts zu tun, sondern mit wirtschaftlicher Vernunft. Wären die deutschen Arbeitnehmer Ihren wirren Vorstellungen gefolgt, dann wären wir jetzt Griechenland mit hoher Arbeitslosigkeit und extremer Staatsverschuldung.

    +++

    'popper' sagt
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    Ja wer andere zu Schulden verleitet muss irgendwann zahlen. --------------------

    In Ihrer Phantasiewelt gibt es also berechnende Bösewichte, die andere dazu verleoten Schilden zu machen die sie scih nicht leisten können um dann selbst dafür aufkommen zu dürfen.

    +++

    'popper' sagt
    --------------------
    Allerdings zahlen wir nicht an diese Länder, sondern an die Gläubigerbanken, die das Geld dort Fehlinvestiert haben,
    --------------------

    Wäre ja auch noch schöner, wenn diese Länder zu den schon verpraßten Milliarden noch mehr bekommen würden.

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