Devisen

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Inflation in Argentinien: Messi-Dollar hebelt die Regierung aus

Die Menschen in Argentinien flüchten in den US-Dollar, weil sie der Wirtschaftspolitik der Regierung kaum mehr trauen. Auf den Straßen ist schon vom „Messi-Dollar“ die Rede, weil der Wechselkurs steigt und steigt.

Messis Rückennummer 10 steht für den Schwarzmarkt-Wechselkurs des argentinischen Peso zum US-Dollar. Quelle: ap
Messis Rückennummer 10 steht für den Schwarzmarkt-Wechselkurs des argentinischen Peso zum US-Dollar. Quelle: ap

Buenos AiresIn Argentinien gibt es einen Ansturm auf den Dollar. Viele Einwohner wollen die US-Währung so sehr haben, dass sie auf dem Schwarzmarkt sogar einen 90-prozentigen Aufschlag zur offiziellen Umtauschrate zahlen. Mit den illegalen Käufen versuchen sie, den Währungs-Kontrollen von Präsidentin Cristina Fernandez de Kirchner und der geschätzten Inflation von 24 Prozent zu entgehen.

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Die Banken haben reagiert und die Zinsen erhöht. Wer mehr als 1 Millionen Pesos für 30 Tage anlegt, bekommt dafür 15,69 Prozent - 0,81 Prozentpunkte mehr als noch Mitte März. So versuchen die Banken, Sparer zurückzugewinnen. Vielen hatten für den Gang auf den Schwarzmarkt Geld abgehoben.

Steckt die Welt im Währungskrieg?

  • Warum hat der Euro an Wert gewonnen?

    Der Höhepunkt der Euro-Krise im Jahr 2012 war ein Tiefpunkt für den Euro. Der Wechselkurs fiel bis auf 1,20 Dollar. Seitdem hat sich die europäische Währung wieder erholt. Aktuell notiert sie bei 1,35 Dollar.
    Für Europas obersten Währungshüter, EZB-Chef Mario Draghi, ist klar: „Die Aufwertung ist ein Zeichen der Rückkehr des Vertrauens in den Euro.“ Dazu kam die sehr lockere Geldpolitik in Japan und den USA: Die dortigen Notenbanken öffneten ihre Geldschleusen extrem weit, machten damit ihre Währungen billig. Das funktioniert so: Investoren verkaufen Wertpapiere in Dollar oder Yen (zum Beispiel an die Zentralbank, die sie ihnen mit frisch gedrucktem Geld abnimmt) und kaufen stattdessen welche in Euro. Als Konsequenz ändern sich die Wechselkurse - die „Preise“ für Währungen, die Angebot und Nachfrage widerspiegeln.

  • Welche Ziele verfolgen die Notenbanken in den USA und Japan?

    Draghi ist überzeugt: Es geht nicht um einen „Währungskrieg“ oder einen Wettlauf um die billigste Währung. Vielmehr seien die aktuellen Wechselkursbewegungen ein Nebeneffekt der diversen Bemühungen, die Wirtschaft anzuschieben. Allerdings ist der Ansatz der Notenbanken teils völlig verschieden: Während Preisstabilität vorrangiges Ziel der EZB ist, hat die US-Notenbank Fed explizit einen doppelten Auftrag: Stabile Preise und möglichst hohen Beschäftigungsstand. „Man löscht dann dort eben das Feuer, das am heißesten brennt“, erklärt Commerzbank-Notenbankexperte Bernd Weidensteiner. In Japan übte die Regierung massiv Druck auf die Notenbank aus, die Geldschleusen noch weiter zu öffnen - ein fatales Signal, wie Bundesbank-Präsident Jens Weidmann meint: Die Unabhängigkeit der Zentralbank sei essenziell.

  • Wie reagiert die Europäische Zentralbank?

    EZB-Präsident Draghi erklärte, die Notenbank habe die Euro-Aufwertung als potenzielles Risiko für Konjunktur und Geldwertstabilität im Auge. In einen „Währungskrieg“ will sich die EZB aber bisher nicht hineinziehen lassen - auch weil geldpolitische Schritte zur gezielten Euro-Abwertung Reformen der Krisenstaaten bremsen könnten. „Bei einem Krieg gibt es immer nur Verlierer“, sagte EZB-Direktor Jörg Asmussen dem „Handelsblatt“. „Wenn andere Notenbanken einen anderen Weg gehen, müssen wir dem nicht automatisch folgen.“

  • Wer profitiert von einem starken Euro?

    Für Verbraucher in Deutschland bringt ein starker Euro mehrere Vorteile: Urlaubsreisen in ferne Länder werden tendenziell günstiger, ebenso wie der Sprit an der Tankstelle. Tendenziell werden alle importieren Waren günstiger. Auch Unternehmen, die für ihre Produktion Rohstoffe wie Erdöl einführen müssen, können preiswerter einkaufen. Denn diese Rohstoffe werden in Dollar abgerechnet.

  • Wem schadet ein starker Euro?

    Vor allem der deutschen Exportwirtschaft. Seit Sommer 2012 hat der Euro zu vielen Währungen aufgewertet. Waren aus dem Euroraum werden im außereuropäischen Ausland tendenziell teurer, das könnte die konjunkturelle Erholung im Euroraum gefährden. Deutsche Maschinenbauer spüren den stärkeren Euro bereits, weil ihre Produkte gegenüber der Konkurrenz aus den USA oder Asien teurer werden. Doch während sich deutsche Maschinen, Autos und Elektroprodukte auch über guten Ruf und Qualität verkaufen, dürfte der erstarkte Euro vor allem Euro-Krisenländern wie Griechenland, Portugal und Spanien zu schaffen machen. Allerdings bezweifelt EZB-Direktoriumsmitglied Asmussen, dass das Wechselkursthema entscheidend ist für die Wettbewerbsfähigkeit dieser Länder: „Da geht es um Lohnstückkosten, Bürokratiekosten, mangelnde Produktivität und überregulierte Produktmärkte.“

  • Ist der Euro gegenüber Dollar oder Yen schon überbewertet?

    Laut Draghi bewegt sich der Euro in der Nähe seines langfristigen Durchschnittswerts. 2008 hatte der Euro mal beinahe 1,60 US-Dollar gekostet, 2003 weniger als 90 US-Cent. Glaubt man dem „Big-Mac-Index“ des Magazins „Economist“, dann ist der japanische Yen gegenüber Euro und US-Dollar noch unterbewertet. Der Index vergleicht den Preis für den gleichen Burger in verschiedenen Währungsräumen. Demnach kostete der Big Mac in den USA im Januar 4,37 Dollar, im Euroraum 4,88 Dollar, in Japan nur 3,51 Dollar. Bereinigt um die Wirtschaftskraft pro Kopf ist der Burger damit in Japan um 17,1 Prozent zu billig, in der Eurozone aber um 20,8 Prozent zu teuer. In Deutschland kostet der Big Mac übrigens demnach „nur“ 17,7 Prozent mehr als in den USA, in Griechenland aber 28,1 Prozent, in Italien sogar satte 34,6 Prozent mehr.

Ende vergangener Woche wurden für einen US-Dollar auf dem Schwarzmarkt 9,98 Peso gezahlt. Damit bewegt sich die Rate in Richtung eines Niveaus, dass Händler als den „Messi-Dollar“ bezeichnen. Namens-Pate ist der bekannte argentinische Fußballer Lionel Messi vom FC Barcelona, der mit der Nummer 10 aufläuft.

„Es gibt keinen Grunde, warum das bei diesem so genannten Messi-Dollar aufhören sollte“, sagte Volkswirt Fausto Spotorno vom Analysehaus Orlando Ferreres & Asociados im Interview mit Bloomberg News. „Die Regierung geht mit dem Dollar genauso um wie mit der Inflation. Sie hofft, dass das Problem von alleine verschwindet, wenn man nicht drüber redet. Aber das Gegenteil ist der Fall, es wird schlimmer.“

  • 08.05.2013, 08:51 Uhrcat27

    Wie schön zu sehen, was mit einer landeseigenen Währung bei schlechter Wirtschaftspolitik passiert. Wäre das nicht das Szenario für Griechenland und andere Krisenstaaten, wenn der Euro nicht wäre`?

  • 08.05.2013, 08:17 UhrPeter

    Genau so ist es - aber noch kann man sein Geld ganz legal in Sicherheit bringen. Geld ist ein flinkes Reh!

  • 08.05.2013, 00:39 UhrMoritz

    Dazu sollte aber auch erwähnt werden das die Wirtschaftspolitik in Argentinien eine ganz andere ist als in Europa... Also was du da sagst ist pure Schwarzmalerei! Das kann man überhaupt nicht vergleichen...

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