Devisen

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Interview mit Ekkehard Wenger: „In zehn Jahren existiert die Euro-Zone nicht mehr“

Die Märkte würdigen das Hilfspaket für Griechenland. Nach Meinung von Ekkehard Wenger, Wirtschaftsprofessor an der Uni Würzburg, handeln die Euro-Staaten jedoch gegen die ökonomische Vernunft. Im Gespräch mit dem Handelsblatt legt er Deutschland einen Ausstieg aus der Währungsgemeinschaft nahe.

Wirtschaftsprofessor Ekkehard Wenger: "Ein Fass ohne Boden." Quelle: dpa
Wirtschaftsprofessor Ekkehard Wenger: "Ein Fass ohne Boden." Quelle: dpa

Das Notfallpaket für Griechenland steht. Was halten Sie von der jetzigen Lösung?

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Das ist ein weiterer Schritt nach unten auf einer insgesamt abschüssigen Stecke. Was nutzt es, wenn dort jetzt 60 Mrd. Euro hinfließen und die Leute weiter mit 52 Jahren in Rente gehen? Hier wird wider allen vernünftigen ökonomischen Regeln Geld zum Fenster rausgeworfen. Das ist ein Fass ohne Boden.

Aber an den Märkten sorgte die Maßnahme für ein vernehmbares Aufatmen….

Kurzfristig rechne ich ebenfalls mit einer Beruhigung. Aber beim nächsten Konjunkturabschwung haben wir das gleiche Problem wieder. Dann werden die gleichen Länder, die heute Finanzprobleme haben, wieder gestützt werden müssen.

Was bedeutet das für die Euro-Zone?

Auf Sicht von zehn Jahren wird sie in der heutigen Form nicht mehr existieren. Ich kann mir auch nicht vorstellen, dass sich bei unseren Politikern weiterhin deren Wunschdenken gegen alle wirtschaftliche Vernunft durchsetzt. Irgendwann wird das Experiment von einer einheitlichen europäischen Währung schlicht nicht mehr zu finanzieren sein. Dafür sind die Wirtschaftskraft, die Produktivität und die Mentalität der einzelnen Länder schlicht zu verschieden.

Was sollte deshalb geschehen?

Es muss ernsthaft die Frage gestellt werden, ob ein starkes Land wie Deutschland aus dem Euro-Raum austreten soll, ehe es zur Katastrophe kommt und die schwachen Länder die starken mit nach unten ziehen. Das würde sicherlich hier in der Bevölkerung auf höhere Akzeptanz stoßen als ein Rauswurf von Griechenland dort.

Würde das zwangsläufig die Rückkehr der D-Mark bedeuten?

Nicht unbedingt. Aber es könnte eine Starkwährungszone beispielsweise von Deutschland mit Österreich und den Niederlanden geben. Auf der Gegenseite stünde eine Schwachwährungszone vor allem mit südeuropäischen Ländern. Die Währung der Starkwährungszone würde schon nach kurzer Zeit gegenüber der Schwachwährungszone deutlich aufwerten.

Momentan scheint es dafür aber nicht im Entferntesten eine politische Mehrheit in Deutschland zu geben.

Man müsste eine Anti-Euro-Partei gründen und so Druck auf die etablierten Parteien ausüben. Wenn die Meinung in der Bevölkerung hierzu deutlich zu erkennen ist, wird auch die Politik umdenken.

Ekkehard Wenger ist Professor an der Universität Würzburg. Seit über zwei Jahrzehnten leitet er dort den Lehrstuhl für BWL, Bank- und Kreditwirtschaft. Gefürchtet ist er auf Hauptversammlungen wegen seiner spitzen, manchmal auch derben Wortwahl. Aber auch als Kritiker des Euros und der Europäischen Zentralbank (EZB) ist der bekannt.

  • 19.04.2010, 10:03 UhrTobias

    Sehr geehrte Handesblatt-Redaktion, ich lese ihre Artikel wirklich gerne und schätze das Handelsblatt sehr für seine objektive und seriöse berichterstattung. Aus diesem Grund würde ich mir jedoch auch wünschen, dass Sie diese Art von beiträgen in Zukunft seltener bringen. ich sehe nicht, inwiefern die Meinung eines neokonservativen Wirtschaftsprofessors aus einer deutschen Kleinstadt für mich relevant sein sollte. Und derartiges Dahergerede erwarte ich frühs beim bäcker aber nicht beim Handelsblatt ;)

  • 15.04.2010, 01:35 UhrThomas Klein

    Lieber M.,
    ich wiederhole es gerne noch einmal. Die Preissteigerungen haben nichts mit dem Euro zu tun! ich gebe gerne zu, dass es insbesondere im Gastronomiebereich im Jahr 2002 kräftige Aufschläge gegeben hat. Aber jegliche Preisentwicklung nach Währungsumstellung hat defacto keinen Ursprung in der zugrunde liegenden Währung! Da wird es auch nicht richtiger, wenn Sie es bestreiten. Die Dinge stehen volkswirtschaftlich in keinem direkten Zusammenhang.

  • 15.04.2010, 01:12 UhrNiko

    Übermorgen schreib ich beim Wenger eine Klausur in investition und Finanzierung;)

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