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Interview mit Hans Redeker: „Die Rally wird mit einem Schock enden“

Anleger trauen sich wieder etwas. Rohstoffe und Schwellenmärkte profitieren davon, der Dollar leidet. Die Stimmung dürfte aber bald drehen, erwartet Hans-Günter Redeker. Im Gespräch mit Handelsblatt.com erklärt der Chef-Devisenstratege von BNP Paribas, warum die Krise noch nicht vorbei ist, was die Europäer versäumt haben und wieso China ein großer Gefahrenherd ist.

Hans-Günter Redeker leitet die weltweite Währungsstrategie der BNP Paribas. Quelle: Pressebild
Hans-Günter Redeker leitet die weltweite Währungsstrategie der BNP Paribas. Quelle: Pressebild

Herr Redeker, der Dollar hat seit März fast 20 Cent abgewertet und setzt sich im Bereich seiner Jahrestiefs fest. Wie weit kann die Talfahrt der US-Währung noch gehen?

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Langfristig wird sich die Position des Dollars sicherlich abschwächen, weil sich seine Bedeutung als Reservewährung auf Sicht von zehn oder zwölf Jahren relativieren wird. Aber das Ende des Dollar steht noch nicht bevor. Im Gegenteil: Wir stehen womöglich vor einer Wende am Devisenmarkt. In den kommenden Wochen wird sich der Fokus wieder verstärkt auf die Konjunkturentwicklung richten. Und hier sehe ich noch keine Erholung. Wir stecken mitten in der Krise. Die Rolle des Dollars als sicherer Hafen wird schon bald wieder in den Blickpunkt rücken.

Woran machen Sie Ihre Einschätzung fest?

Die Erholung, die wir in jüngster Zeit gesehen haben, ist vor allem von zwei Faktoren getrieben: Einer Adjustierung der Lagerhaltung und einer aggressiven Fiskalpolitik. Der Aufbau der Lager dürfte aber im Winter abgeschlossen sein und dass die Fiskalpolitik die erhoffte Multiplikatorwirkung entfaltet, bezweifele ich.

Wieso?

Empirische Daten der Vergangenheit zeigen, dass eine aggressive Fiskalpolitik nicht wirkt, wenn sie aus den Staatsdefiziten finanziert wird. Bei den Bürgern macht sich in diesen Fällen die Erwartungshaltung breit, dass sie früher oder später über höhere Steuern oder andere Maßnahmen zur Finanzierung der gewachsenen Defizite herangezogen werden. Entsprechend zieht ihre Konsumneigung entgegen der Erwartungen nicht an. Die drohenden Entlassungen wirken in die gleiche Richtung.

Was droht uns denn noch vom Arbeitsmarkt?

Arbeitslosigkeit wird in den kommenden Monaten zu einem zentralen Problem der großen Volkswirtschaften werden. Die privaten Haushalte sind in vielen Ländern - Deutschland ist hier vielleicht eine Ausnahme - stark verschuldet. Eine Zunahme der Arbeitslosigkeit zieht deshalb einen ganzen Rattenschwanz von Problemen nach sich. Insbesondere werden die Kreditausfälle stark zunehmen. Darunter werden Banken mit ausgeprägten Retail- oder Hypothekengeschäft leiden. Das betrifft weniger die großen internationalen Institute mit starkem Investment-Banking. In der zweiten und dritten Reihe der Banken sollten wir uns in den kommenden Monaten aber auf schwächere Zahlen einstellen.

Ist das Bankensystem schon wieder gesund genug, um das zu verkraften?

Auch hier muss man unterscheiden. In den USA ist die Restrukturierung des Bankensektors weit fortgeschritten. Die Stresstests und die darauf aufbauenden staatlichen Rekapitalisierungsvorgaben für zahlreiche Institute sorgen für ein solides Fundament. In Europa ist man leider nicht annähernd so konsequent vorgegangen. Das Thema Bankenrestrukturierung hätte längst auf die Tagesordnung gehört. Doch da ist nichts passiert. Ich verstehe nicht, dass es hier keine echten Stresstests gegeben hat, denn dadurch hat die Rekapitalisierung der Banken nur unzureichend stattgefunden.

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