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Interview mit Jim Rogers: „Wer frisches Geld druckt, ruiniert sein Land“

Noch mehr Schulden und Konsum führen in die Sackgasse, sagt der renommierte Investor Jim Rogers. Im Gespräch mit dem Handelsblatt erklärt er, warum die Situation in den USA schon wieder schlechter wird, wieso Gold weiter haussiert und welche Währungspolitik er den Chinesen empfehlen würde.

Jim Rogers: "Nur eine Strategie der Schmerzen hilft." Quelle: Reuters
Jim Rogers: "Nur eine Strategie der Schmerzen hilft." Quelle: Reuters

Mister Rogers, Sie sind als antizyklischer Investor berühmt und reich geworden. Weshalb trommeln Sie immer noch für Gold, obwohl der Preis seit Monaten immer neue Allzeithochs markiert? Ihr einstiger Hedge-Fonds-Partner George Soros hat bereits vor der "ultimativen Asset-Blase" Gold gewarnt.

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Im Moment kann man wohl kaum von einer Blase sprechen, weil nach wie vor nur sehr wenige Menschen Gold besitzen. Verglichen mit dem Goldpreis-Hoch von 1980 müssten wir heute inflationsbereinigt bei einem Preis von mehr als 2 000 Dollar liegen. Wir werden noch eine Blase sehen, ich erwarte sogar eine Hysterie bei Edelmetallen, aber womöglich erst in fünf oder zehn Jahren.

Ist Gold ihre Nummer eins, oder gibt es für sie noch attraktivere Anlagechancen?

In einer Währungskrise werden alle Edelmetalle steigen, auch Platin, Palladium und viele andere. Den höchsten prozentualen Anstieg erwarte ich bei Silber. Der Preis für Silber liegt - anders als bei Gold - noch sehr deutlich unter seinem Allzeithoch. Auch Agrar-Rohstoffe bieten große Chancen, weil die Bewertungen im historischen Vergleich niedrig sind und wir in bestimmten Bereichen bereits Engpässe sehen. Das heißt, wir bekommen höhere Preise.

Sie haben mehrfach den Dollar als Weltreservewährung in Frage gestellt und auch dem Euro innerhalb der nächsten zehn bis 15 Jahre den Kollaps prophezeit. Haben Sie denn überhaupt kein Vertrauen mehr in Währungen?

Grundsätzlich glaube ich, dass Papiergeld in den nächsten Jahren entwertet wird und sich die Preise realer Vermögenswerte verbessern. Sie können nicht wie in den USA Geld ausgeben, das sie faktisch nicht haben. Sie können zwar bei der Notenbank Fed frisches Geld drucken lassen, aber nur für eine Weile. Wer immer mehr Geld druckt, ruiniert auf Sicht seine Währung, seine Wirtschaft und sein ganzes Land.

Sie haben Amerika vor Jahren den Rücken gekehrt und wohnen heute in Singapur. Aus der Ferne betrachtet: Wo sehen sie Ihr Heimatland auf dem falschen Weg?

In den USA muss sich vieles ändern: die Steuerordnung, das Bildungssystem, das Rechtssystem. Aber zuallererst muss Amerika die Fehler der vergangenen 20 Jahre anerkennen und versuchen, sie zu beseitigen.

  • 23.11.2010, 12:27 UhrAnonymer Benutzer: Leertasche

    in einem Punkt hat Mr. Rogers nicht recht: Käme er nach Deutschland, um alle Polizeiwagen rosa anstreichen zu lassen würde er nicht des Landes verwiesen, sondern sofort bundesinnenminister.
    Und damit würde er allen hierzulande auch noch einen großen Dienst erweisen.

  • 02.10.2010, 11:54 UhrAnonymer Benutzer: Heerke Hummel

    Ei des Kolumbus: Systemwandel
    Eine Möglichkeit wurde von Mister Rogers und den Kommentatoren noch gar nicht beleuchtet: Die Revolutionierung des gesamten Wirtschafts- und Finanzsystems. Es könnte doch sein, dass die Masse der heutigen US-Amerikaner, also das amerikanische Volk und eine es vertretende Regierung, gar nicht willens sind, für die ungeheure Schuldensumme wahrscheinlich Hunderter billionen Dollar aufzukommen, die ihre Väter und Großväter in etwa einem Jahrhundert mit „ungedeckten“ Dollars in der ganzen Welt anhäuften. Es könnte doch sein, dass demnächst ein amerikanischer Präsident mit einem nicht weniger bedeutenden und die Realität noch drastischer offenbarenden amerikanischen Coup dem beispiel Richard Nixons folgte, der während der Dollarkrise 1971 eines Sonntagabends vor die Fernsehkamera trat, um der staunenden Welt mitzuteilen, der Dollar werde ab dem nächsten Morgen nicht mehr gegen Gold eingetauscht (laut Abkommen von bretton Woods 35 Dollar gegen 1 Unze Feingold) – ein Schritt, den damals Theoretiker wie Praktiker des Finanzwesens für nicht machbar gehalten hatten. Doch nun würde der amerikanische Präsident, gewissermaßen als zweiten Schritt amerikanischer Finanzstrategie, verkünden: Die USA werden am nächsten Tag einen Währungsschnitt, beispielsweise im Verhältnis 1:1000, durchführen, ausgenommen vielleicht Spareinlagen und sonstige Kleinvermögen an bestimmten Wertpapieren bis zu einem Volumen von, sagen wir, 100.000 Dollar für US-bürger; das Ganze verbunden mit einem allgemeinen Preisstopp auf dem US-binnenmarkt und diversen Durchführungsbestimmungen sowie notwendigen Wirtschaftsregularien.
    Die ganze Welt, insbesondere die privaten und institutionellen besitzer riesiger Dollar-Guthaben, wäre – wie 1971 – zunächst entsetzt. Doch das Leben würde weitergehen, die Realwirtschaft weiter produzieren, die Konsumenten würden ihren Lebensunterhalt durch „ehrliche Arbeit“ bestreiten, die Händler weiter handeln – auf der basis einer neuen nationalen, sicherlich auch neuen internationalen Währung, über die man sich, möglicherweise im Rahmen internationaler Grundsätze für den weltweiten Güter- und Finanzverkehr, der Not gehorchend vermutlich bald verständigen könnte. Die Welt müsste erkennen, dass ihre Vorstellung von Reichtum nur eine Fiktion war, deren blase nun platzte. Die ökonomische Wissenschaft müsste dies erklären mit der Feststellung, dass der amerikanische Präsidentenerlass von 1971 den Dollar und das an ihn gebundene Geld aus einer sachlichen Ware in eine bescheinigung für geleistete Arbeit verwandelte – ein seinerzeit richtiger finanztechnischer Schritt, dem aber bislang die notwendigen theoretischen und praktischen Konsequenzen im Wirtschafts- und Finanzsystem, insbesondere was die Verteilung von Reichtum betrifft, nicht gefolgt sind.
    Auch eine solche Entwicklung ist, quasi als „Ei des Kolumbus“, möglich, wenn nicht sogar wahrscheinlich; und es wäre wohl die beste, weil logisch notwendige.

  • 30.09.2010, 11:02 UhrAnonymer Benutzer: mono

    Rogers hat völlig Recht. ich denke bernanke irrt wenn er davon redet, er müsse alles gegen eine "Deflation" unternehmen.
    Wogegen bernanke eigentlich ankämpft ist "Konzentration". Die Verknappung des Geldes durch Konzentration in den Händen einiger Weniger. Dieser Zustand ist in Amerika so massiv, das dadurch mittlerweile in der Volkswirtschaft deflationäre Effekte entstehen. Das ist sein Problem.

    Deflation im eigentlichen Sinne ist, sofern eine Regierung keine Skrupel hat seine eigene Währung zu opfern, in einem Fiat Geldsystem überhaupt nicht möglich. Die Zentralbank kann Geld drucken wann sie will, soviel sie will und das die amerikanische Regierung genau das tut, muss sie nicht mehr unter beweis stellen.

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