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Zinsabstände: Carry Trades leben wieder auf

An den Devisenmärkten leben die sogenannten Carry Trades wieder auf, die nach Finanzkrise schon totgesagt waren. Konjunkturhilfen und niedrige Zinsen in den Industrienationen stärken die Zuversicht der Anleger, und damit steigt auch das Interesse, mit Krediten in Niedrigzinswährungen von den hohen Leitzinsen in den Schwellenländern zu profitieren.

Reiche Erträge: Investitionen in den brasilianischen Real lohnen sich wieder. Quelle: ap
Reiche Erträge: Investitionen in den brasilianischen Real lohnen sich wieder. Quelle: ap

NEW YORK. Wer mit Darlehen in Dollar, Euro und Yen in einen Währungskorb aus Brasiliens Real, Ungarns Forint, Indonesiens Rupiah sowie die Währungen Südafrikas, Neuseelands und Australiens investierte, hat von 20. März bis 10. April acht Prozent Gewinn erzielt. Einen so starken Drei-Wochen-Gewinn gab es für diesen Carry Trade seit mindestens 1999 nicht mehr.

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Im vergangenen Jahr haben viele Anleger die Carry-Trade-Strategie aufgegeben, da mit dem Zinssenkungstrend der Notenbanken die Zinsabstände zwischen den Währungen der Industrieländer schrumpften. Zudem nahmen die Kursschwankungen am Devisenmarkt zu, sodass das Risiko für die Zinsspekulanten stieg.

Inzwischen haben die staatlichen Konjunkturhilfen die Aktien- und Rohstoffmärkte stabilisiert und auch dafür gesorgt, dass wieder in die Emerging Markets investiert wird. Die Volatilitätserwartungen am Devisenmarkt waren am Montag so gering wie seit sechs Monaten nicht mehr. Eine geringere Schwankungsbreite der Wechselkurse mindert für Zinsspekulanten das Risiko, dass sie die Kredite in Niedrigzinswährungen mit Aufschlägen zurückzahlen müssen.

Banken wie Goldman Sachs raten Anlegern bereits wieder zu Carry Trades: „Es gibt Anzeichen, dass die Volatilität am Devisenmarkt abnimmt“, heißt es in einem Bericht. „Das Umfeld entwickelt sich in eine Richtung, die Carry Trades wieder attraktiv machen.“ Das sieht auch die Londoner Vermögensverwaltung Insight Investment Management so. „Die Weltwirtschaft scheint einen Wendepunkt erreicht zu haben“, sagt Dale Thomas, der bei Insight den Bereich Devisen leitet. „Wir gehen auf eine Periode klassischer Risiko-Geschäfte im Devisenhandel zu, in der man Dollar gegen die Währungen von Schwellenländern verkauft.“ Thomas empfiehlt Anlegern den australischen Dollar und den brasilianischen Real. In Brasilien liegt der Leitzinsen bei 11,25 Prozent und damit elf Prozentpunkte über dem Leitsatz in den USA. Der Leitzins Australiens liegt bei drei Prozent.

Wie attraktiv Carry Trades sein können, zeigt ein Beispiel. Um am Londoner Interbankenmarkt Dollar zu leihen, müssen Finanzinstitute derzeit 1,13 Prozent Zinsen zahlen. Dreimonatseinlagen in Brasilien werden mit 10,51 Prozent verzinst. Bleiben beide Währungen stabil, ergibt sich für Carry Trades auf Dollar und Real ein Jahresertrag von 9,38 Prozent.

In den vergangenen drei Jahrzehnten waren Carry Trades meistens ein einträgliches Geschäft. In den 80er-Jahren brachten sie eine mittlere Jahresrendite von 21 Prozent, wie Indizes der niederländischen Großbank ABN Amro zeigen. Die Zinsspekulationsgeschäfte waren in jedem Jahr rentabel. In den 90er-Jahren machten Carry-Trade-Investoren in drei Jahren Verlust, 1992 betrug das Minus ABN zufolge 54 Prozent. Von 2000 bis 2005 haben Carry Trades durchschnittliche Erträge von 16 Prozent gebracht.

Seitdem erlitten Zinsspekulanten drei Jahre in Folge Verluste. In den 36 Monaten bis Ende Februar lag das jährliche Minus im Mittel bei 16,5 Prozent. Im März hatten Carry Trades dann ihr Comeback. Laut ABN Amro brachten sie einen Ertrag von 4,6 Prozent und hatten damit ihren stärksten Monat seit September 2003.

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