Rohstoffe

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Allzeithoch: Warum Öl für Europäer teuer wie nie ist

Seit Tagen steigt der Ölpreis fast ununterbrochen. In Euro gerechnet ist Öl teuer wie nie. Analysten verweisen auf den Konflikt mit dem Iran. Das wiederum ruft findige Spekulanten auf den Plan.

Händler an der Rohstoffbörse in New York. Quelle: Reuters
Händler an der Rohstoffbörse in New York. Quelle: Reuters

DüsseldorfDer Ölpreis kennt nur noch eine Richtung: sieben Tage in Folge ist er fast ununterbrochen gestiegen. Ein Barrel (159 Liter) der Sorte Brent kostete am Freitag rund 124 Dollar. Noch eindrucksvoller fällt die Preissteigerung aus, wenn man in Euro rechnet - dann ist Öl so teuer wie nie. Das neue Allzeithoch - aufgestellt am Donnerstag - bei 93,50 Euro. Am Freitag entspannt sich die Lage kaum, der Preis gab nur leicht nach.

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Den vorherigen Rekord hatte Öl am 3. Juli 2008 bei 93,45 Euro erreicht. Damals war der Euro allerdings deutlich stärker (1,57 Dollar). Durch den schwächeren Euro bekommen die Europäer die Preissteigerung jetzt stärker zu spüren als die Amerikaner. Anders ausgedrückt: Die Europäer bekommen heute weniger Öl für ihre Euro.

Wenn es um die Gründe für den hohen Ölpreis geht, verweisen Analysten schnell auf den Konflikt mit dem Iran. „Jede neue Nachricht zum Iran ist dazu geeignet, die Risikoprämie für Öl weiter nach oben zu treiben“, sagt Natalie Robertson, Rohstoff-Strategin bei der ANZ Bank.

Platin, Silber, Weizen Diese Rohstoffe sind so günstig wie selten

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Die USA werfen dem Iran vor, heimlich am Bau von Atomwaffen zu arbeiten. Und die EU hat ab Sommer ein Importverbot für iranisches Erdöl verhängt. Auch Japan erwägt, weniger zu importieren. Der Iran bestreitet die Vorwürfe und droht seinerseits, die Straße von Hormus zu blockieren, einen der weltweit wichtigsten Transportwege für Öl.

Was den Benzinpreis treibt

  • Politische Lage

    Als wichtiger Grund für die hohen Benzinpreise in Deutschland gilt unter Experten der Atomstreit mit dem Iran. Die EU hat den Iran mit einem ab Juli geltenden Öl-Embargo belegt, der Iran drohte daraufhin, selbst schon früher Lieferungen einzustellen. „Das ist der Nervositätsfaktor auf den Märkten“, urteilt Kirsten Westphal von der Stiftung Wissenschaft und Politik. Zwar könnten andere Länder wie Saudi-Arabien
    einspringen. Aber auch dann müsste das Öl durch die Wasserstraße von Hormus verschifft werden, die an den Iran grenzt.

  • Dollarkurs

    Rohöl-Käufe werden in Dollar abgewickelt. Letztlich bezahlt werden die Endprodukte in Europa aber mit dem Euro. Daher spielt der Wechselkurs eine wichtige Rolle. Derzeit ist der Euro vergleichsweise schwach. Es müssen also für den Dollar und damit für das Öl vergleichsweise viele Euro hingeblättert werden.

  • Mineralölkonzerne

    Die Konzerne verdienen nach Auskunft ihres Branchenverbandes zwischen einem halben und einem Cent pro Liter. „Und das ändert sich auch in der gegenwärtigen Lage nicht entscheidend“, auch wenn es „mal 1,2 Cent“ pro Liter sein könnten, sagt die Sprecherin des Mineralölwirtschaftsverbandes, Karin Retzlaff. Für die hohen Preise an der Zapfsäule seien vor allem die hohen Rohölpreise verantwortlich, die die Industrie nur an die Verbraucher weitergebe.

  • Kältewelle

    Die jüngste Kältewelle in Europa spielt eine Rolle, meint der Essener Professor für Energiewirtschaft Christoph Weber. Denn Raffinerien können zwischen der Herstellung verschiedener Produkte wechseln, etwa Benzin und Heizöl. Auf diesem Wege könne eine verstärkte Heizöl-Nachfrage zu weniger Angebot beim Benzin führen.

  • Steuern

    Die Hauptsteuer bei den Kraftstoffen ist die Energiesteuer, in der die sogenannte Ökosteuer enthalten ist. Die Energiesteuer ist fix und beträgt für den Liter Benzin 65,45 Cent, für den Liter Diesel 47,04 Cent. Sie wurde nach Angaben des Bundesfinanzministeriums seit 2003 nicht mehr erhöht. Hinzu kommt die 19-prozentige Umsatzsteuer, die auf die jeweiligen Kraftstoffpreise samt Energiesteuer aufgeschlagen wird.

  • Weltwirtschaft

    Auch wenn die Weltwirtschaft nicht floriert: Allein die Aussicht auf mehr Wachstum kann nach Expertenmeinung die Preise treiben. Der Essener Professor Weber meint, dass sich die Ölförderer folgende Frage stellten: „Fördere ich das Öl jetzt oder lasse ich es im Boden, bis die Preise in einigen Jahren noch höher sind?“ Und Claudia Kemfert vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung urteilt: „Aufgrund der kriselnden Wirtschaftslage tendieren Investoren verstärkt dazu, in Rohstoffe wie Öl zu investieren.“

  • Förderkosten

    Höhere Förderkosten bei neuen Vorkommen wie vor der Küste Brasiliens spielen laut Weber ebenfalls eine Rolle. Es koste nun einmal mehr, in tausenden Metern Tiefe im Meer Öl zu gewinnen, als in der saudiarabischen Wüste.

  • Spekulation

    Die meisten Erklärungen für den hohen Rohölpreis führen die Nachfrage der Schwellenländer, die Unsicherheiten rund um den Iran, das Wachstum der Weltwirtschaft und allgemeine Unsicherheiten im Markt an, wie Produktionsstörungen in Nigeria. Nach Angaben des Hamburger Experten Steffen Bukold hat sich aber auch die Spekulation auf den Finanzmärkten messbar verstärkt. Die Notenbanken in Europa, den USA und Japan fluten seit Monaten die Finanzmärkte mit billiger Liquidität, die nach Anlage drängt. Deshalb steigen die Aktienkurse und auch Rohstoffe sind nach einem vorübergehenden Rückgang wieder stärker gefragt. Der weltweit wichtigste Rohstoff ist Rohöl. Der genaue Einfluss der Finanzmärkte auf den Preis lässt sich nicht beziffern; sie verstärken jedoch den Aufwärtstrend nach oben.

Noch ist die Versorgung mit Öl nicht gefährdet. Andere Förderländer wie Saudi Arabien können Ausfälle noch ausgleichen. Sollte sich der Konflikt jedoch weiter zuspitzen, so befürchten Experten, könnte sich das ändern und das Angebot auf dem Weltmarkt knapp werden.

  • 24.02.2012, 22:07 UhrRCF

    Man muss immer mehr Euros und Dollars für ein Barrel Öl hinlegen. Ist dies jetzt ein Anzeichen für teurer werdendes Öl oder für weniger Wert werdende Währungen? Letzteres würden Regierungen natürlich nicht gerne zugeben und lieber jemand anderem die alleinige Schuld geben, dem Iran zum Beispiel. Hm, zumindest einen Gedanken wert. Vielleicht hängen die Themen Ölpreis und Staatsschuldenkrise ein wenig enger zusammen als es auf den ersten Blick scheint, auch wenn sicherlich die drohende Kriegsgefahr immer noch den höheren Einfluss auf den Ölpreis hat.

  • 24.02.2012, 18:11 Uhrpaule50

    Warum werden Warentermingeschäfte ohne Geschäftsgrundlage nicht endlich verboten?

  • 24.02.2012, 17:30 Uhrhorstel

    Da hilft nur eins:
    Am 1.3.2012 wird nicht getankt und ab 05.03.2012 wird Shell solange bestreikt, bis der Bezinpreis 1,30 erreicht hat.

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