Die Mythen des Goldrauschs

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In Zeiten hoher Preise wird beim Schmuck gerne ein wenig getrickst: dann ist Geschmeide angesagt, das zwar voluminös aussieht, aber innen hohl ist. Quelle: Reuters
In Zeiten hoher Preise wird beim Schmuck gerne ein wenig getrickst: dann ist Geschmeide angesagt, das zwar voluminös aussieht, aber innen hohl ist. Quelle: Reuters

Die Inder kaufen antizyklisch

Durch den Wirtschaftsboom, den Indien in den vergangenen Jahren erlebt hat, sind mehr Menschen zu Wohlstand gekommen. „Die Armen in Indien werden reicher. Der weiter stark wachsende Konsum der Bevölkerung speist sich aus steigenden Gehältern, nicht aus Privatverschuldung – und ist damit nachhaltig“, sagt Avinash Vazirani, Fondsmanager bei Jupiter Asset Management. Es ist Geld übrig, das darauf wartet, ausgegeben oder angelegt zu werden.

Nach Angaben des World Gold Council legen Inder durchschnittlich 30 Prozent ihres Einkommens auf die hohe Kante - die Sparquote gehört zu den höchsten weltweit. Rund sieben Prozent der gesamten Ersparnisse sind in Goldmünzen, Barren, aber auch in Goldschmuck angelegt. Anders als in anderen Ländern dient Schmuck nicht nur der Zierde, sondern wird als Geldanlage gekauft.

Die Goldreserven der Staaten

  • USA

    Goldschatz: 8133 Tonnen, Anteil an den Währungsreserven: 74,2 Prozent

  • Deutschland

    Goldschatz: 3400 Tonnen, Anteil an den Währungsreserven: 74,7 Prozent

  • Internationaler Währungsfonds (IWF)

    Goldschatz: 2814 Tonnen

  • Italien

    Goldschatz: 2451 Tonnen, Anteil an den Währungsreserven: 74,4 Prozent

  • Frankreich

    Goldschatz: 2435 Tonnen, Anteil an den Währungsreserven: 71,5 Prozent

  • China

    Goldschatz: 1054 Tonnen, Anteil an den Währungsreserven: 1,6 Prozent

  • Schweiz

    Goldschatz: 1040 Tonnen, Anteil an den Währungsreserven: 17,2 Prozent

  • Russland

    Goldschatz: 841 Tonnen, Anteil an den Währungsreserven: 9 Prozent

  • Japan

    Goldschatz: 765 Tonnen, Anteil an den Währungsreserven: 3,7 Prozent

  • Niederlande

    Goldschatz: 612 Tonnen, Anteil an den Währungsreserven: 62,7 Prozent

  • Indien

    Goldschatz: 557 Tonnen, Anteil an den Währungsreserven: 9,9 Prozent

  • Europäische Zentralbank (EZB)

    Goldschatz: 502 Tonnen, Anteil an den Währungsreserven: 32,1 Prozent

Um jeden Preis kaufen die Inder allerdings nicht. Sie sind sehr sensibel für Preisschwankungen. Als der Goldpreis im vergangenen Jahr auf dem Weltmarkt ein Allzeithoch bei fast 2.000 Dollar je Feinunze markierte, ging die Nachfrage in Indien spürbar zurück. In Deutschland war es genau andersherum. Hierzulande brach ein wahrer Ansturm auf Gold los. Die Medienberichte über täglich neue Höchststände heizten die Nachfrage zusätzlich an. Die Edelmetallhändler hatten Schwierigkeiten, für Nachschub zu sorgen.

Inder kaufen antizyklisch. Das ist einerseits schlau, anderseits gibt es dafür einen praktischen Grund: Den meisten bleibt gar nichts anderes übrig. Je höher der Goldpreis, desto weniger Gold bekommen die Menschen für ihre Rupien. Im vergangenen Jahr hat die Rupie gegen fast alle größeren Währungen dramatisch an Wert verloren. Auch das führte dazu, dass die Menschen weniger Gold für ihr Geld bekamen und dämpfte die Kauflust. In Zeiten hoher Preise wird beim Schmuck gerne ein wenig getrickst: dann ist Geschmeide angesagt, das zwar voluminös aussieht, aber innen hohl ist.

Rohstoffe In Gold anlegen, aber wie?

  • Rohstoffe: In Gold anlegen, aber wie?
  • Rohstoffe: In Gold anlegen, aber wie?
  • Rohstoffe: In Gold anlegen, aber wie?
  • Rohstoffe: In Gold anlegen, aber wie?

Für viele Inder ist Gold die einzige Möglichkeit, etwas zu zurückzulegen oder für das Alter vorzusorgen, ohne das es die Inflation sofort auffrisst. Selbst in den Slums kratzen die Menschen das Wenige, was sie haben, zusammen, um es in Gold zu tauschen. Allerdings hat die Regierung gerade erst beschlossen, die Zölle auf Importe von Münzen und Barren um zwei Prozent zu erhöhen, was sich wiederum in höheren Preisen niederschlagen dürfte.

  • 28.01.2012, 16:37 UhrAnonymer Benutzer: Oheiohweiohwei

    Bin ich richtig in der Annahme, dass das Handelsblatt auf diesen Artikel mächtigen Ärger von verschiedenen Banken bekommen hat? Banken verfluchen ja Gold da sie ja dann nicht ihre eigenen manipulierten Produkte verkaufen können und so gut wie nichts am Goldverkauf verdienen! Aber selbst kaufen die (Zentral)Banken ja derzeit tonnenweise Gold.

  • 28.01.2012, 16:22 UhrAnonymer Benutzer: Ohweiohweiohwei

    Whow!!! So ein qualifizierter und ausgezeichnet recherchierter Artikel vom Handelsblatt. Kompliment meine Damen und Herren! Ab heute habe ich den Glauben wieder an das Handelsblatt erworben, das es neutral und objektiv ist und nicht vom Staat oder Banken manipuliert oder zensiert wird. Herzlichen Dank.

  • 28.01.2012, 10:22 UhrAnonymer Benutzer: bobi

    Nehmen wir an, dass Sie Recht haben. Nehmen wir an, dass Gold das "echte Geld" ist. Nehmen wir doch an, dass Sie am Monatsende Ihre Euros gegen Gold tauschen.

    Sie sollten das still und leise machen, denn der Goldpreis ja steigt, wenn alle auf einmal Gold haben wollen.
    Sie sollten das keinem anderen sagen und noch weniger in Foren posten. Oder machen etwa SIE Stimmung FÜR Gold???

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