
WirtschaftsWoche: Herr Speck, Ex-Finanzminister Peer Steinbrück fordert ein Verbot von Investmentprodukten, die die Preise von Agrarrohstoffen abbilden. Sie dienten vorwiegend der Spekulation. Mit den zunehmenden Beträgen, die Finanzanleger an den Terminmärkten in Rohstoffkontrakte investiert haben, sind die Nahrungsmittelpreise tatsächlich nach oben gegangen. Sie bestreiten, dass es hier einen Zusammenhang gibt. Wie kommen Sie darauf?
Dimitri Speck: Es gibt den Zusammenhang nicht. Derzeit etwa verabschiedet sich eine Bank nach der anderen wegen des öffentlichen Drucks aus dem Geschäft mit Agrarrohstoffen. Es gibt kaum noch Mittelzuflüsse, aber die Agrarpreise sind weiter gestiegen.
Spürbar abgenommen haben die investierten Summen aber auch nicht.
Die Größenordnung der investierten Beträge an den Terminmärkten relativiert sich, wenn man die Größe des Gesamtmarkts betrachtet. Bei Weizen etwa liegen sie bei fünf Prozent der Weltjahresernte. Ich bestreite ja nicht, dass seit 2005 gewaltige Summen in die Rohstoffmärkte geflossen sind. Die Finanzanleger, die an den Terminmärkten Rohstoffanlagen kaufen, also neben institutionellen Investoren auch Privatanleger, die etwa Zertifikate auf Weizen kaufen, sind aber nicht für die steigenden Preise verantwortlich. 2006 gab es hohe Mittelzuflüsse in die Rohstoffmärkte, die Preise aber liefen seitwärts. Hingegen stiegen die Preise 2007 bei abnehmenden Mittelzuflüssen. Und während des Preiseinbruchs 2008 kam es kaum zu Abflüssen.
Und von 2009 an?
Da war tatsächlich bis Anfang 2011 ein Gleichlauf zu erkennen. Das war aber einer gemeinsamen Ursache, dem Fluten mit Zentralbankgeld, geschuldet. Das hat sowohl die Anlagemärkte belebt als auch die physische Nachfrage nach Rohstoffen durch die Erholung der Weltkonjunktur.
Die Kritiker leugnen nicht, dass es fundamentale Gründe für einen Preisanstieg gibt, bei Nahrungsmitteln etwa das Wachstum der Weltbevölkerung und begrenzte Anbauflächen. Diese Faktoren aber wirkten langfristig und könnten das Tempo und die Höhe der Preisanstiege nicht erklären. Dafür seien Finanzanleger verantwortlich.
Wenn dem so wäre, dann frage ich mich, warum Notenbanken nicht einfach am Terminmarkt als Verkäufer auftreten. Der Hunger wäre besiegt, und die Inflation ließe sich so auch bekämpfen. Im Ernst, die Argumentation der Kritiker ist schwach. Sie sehen die Schuld der Investoren als bewiesen an, weil sie keine andere Erklärung für die Preissteigerungen haben. Preisblasen können sich aber auch ganz ohne Investoren an den Terminmärkten bilden.
Die Weltbevölkerung wächst und wächst. Prognosen gehen davon aus, dass bis zum Jahr 2100 mehr als zehn Milliarden Menschen auf der Erde leben werden.
Rohstoffe wie Öl und Gold sind nicht endlos, dementsprechend teuer werden sie, wenn das Angebot sich verknappt.
beträgt aktuell Chinas Anteil an der Weltwirtschaft. Die rohstoffhungrige Volksrepublik ist auf dem besten Wege die größte Handelsnation der Welt zu werden.
der weltweiten Kupfer-, Zink- und Aluminiumproduktion verbrauchen die Chinesen.
als vor drei Jahren kosten nach Angaben des Food Price Index der UN unsere Nahrungsmittel weltweit im Durchschnitt.
konnten Anleger mit Aktien auf Goldminen seit 2002 einfahren.
Wo zum Beispiel?
Nehmen Sie Rhodium, das zum Beispiel für Katalysatoren gebraucht wird. Dessen Preis hatte sich, obwohl es überhaupt keinen Terminmarkt für Rhodium gibt, binnen fünf Jahren bis Mitte 2008 etwa verzwanzigfacht. Anschließend platzte die Preisblase binnen weniger Monate.

Angesichts der Geldmassen die von unserern Politikern als Schulden in die Welt gesetzt werden - verbietet sich eigentlich jede Aussage die auf längerfristigen nominalen Vergleichen in Währungen gründet.
Betrachtet man die hier genannten Parameter einmal umgerechnet in Feinunzen Gold oder Barrel Benzin - dann relativieren sich die gemachten Aussagen. Dann haben kann von steigenden Nahrungsmittelpreisen ebendsowenig die Rede sein wie von zunehmender Spekulation.

Die argumentativen Verrenkungen des Hrn. Speck sind ja irgendwie genauso rührend wie peinlich.
Die Wahrheit erkennt man hingegen doch sofort, wenn man die Preise für Rohstoffe (Agrar-, Metall-,Energie-)mal in langfristigen Charts betrachtet. Beeindruckend ist da vor allen Dingen der plötzliche Einbruch zu Beginn der Finanzkrise 2008/2009. Keine realwirtschaftliche Entwicklung dieser Zeitperiode kann z.B. den Kollaps der Weizenpreise erklären. Die Ursache war damals der drohende Liquiditätsmangel, der die Investoren in Scharen aus ihren Investments jagte.
Nun, es ist ja dann anders gekommen: Die Notenbanken haben die Welt mit aberwitziger Liquidität geflutet und siehe da: Die Rohstoffpreise sind wieder steil angestiegen.
Fundamentales (z.B. Dürre in den USA) spielt da nur als Aufhänger eine Rolle, sprich: Knappheiten führen zur Preisexplosion, während (überraschend) gute Ernten meist völlig ignoriert werden.
Auch alle anderen fundamentalen Gründe (Bev.wachstum, Fleischkonsum, Biosprit) sind letztlich nur vorgeschoben, denn selbst heute gibt es noch gewaltige Brachflächen auf dieser Welt, die aber niemand braucht - kein (physischer) Bedarf !
Gleiches/Ähnliches gilt auch für Energie- und Metallrohstoffe mit nur ganz wenigen Ausnahmen (z.B. Zinn).

@ Mazi
Sie glauben also, die Finanzkrise hätte verhindert werden können, wenn Fachleute in den Banken säßen? So muß ich ihre Schlußfolgerung deuten wenn ich sie übertrage.
Nun Fachleute sind ja auch Lobbyisten oder Provisionsempfänger etc. Und da ist ihnen die Provision lieger als die fachliche Expertise.
Die Statistiken sind alles Zahlenspielereien, die zwar in bestimmten Wertebereichen gelten aber keine Kausalität beinhalten. Erst denken, dann rechnen. Das gilt besonders für Statistik.






13 Kommentare
Alle Kommentare lesen