Rohstoffe

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Edelmetall: Gold - ist der Glanz ab?

Gold wirft keine Zinsen ab. Dennoch schätzen gerade deutsche Anleger das Edelmetall als Absicherung gegen Finanzkrise und Inflation. Zuletzt sackte der Goldpreis allerdings ab. Ist das Edelmetall doch nicht so sicher?

1000 Gramm schwere Goldbarren. Der Goldpreis ist seit Monaten auf Talfahrt. Quelle: dpa
1000 Gramm schwere Goldbarren. Der Goldpreis ist seit Monaten auf Talfahrt. Quelle: dpa

FrankfurtFür Goldbesitzer gab es in den vergangenen Jahren reichlich Grund zu strahlen: Der Preis des Edelmetalls kannte nur einen Weg: und zwar nach oben. So sollte es eigentlich auch 2013 weitergehen: Rohstoff-Experten hatten in Jahresausblicken in Aussicht gestellt, dass Goldmünzen, Goldbarren oder einfach nur Goldschmuck weiter an Wert gewinnen.

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Im Verlauf der vergangenen Woche wurden die Goldliebhaber aber jäh aus den Träumen gerissen. Innerhalb von nur fünf Handelstagen rutschte der Preis für das gelbe Edelmetall um etwa 100 Dollar. Plötzlich fragen sich viele Goldanleger, ob sie nicht doch auf das falsche Pferd gesetzt haben.

Goldnachfrage weltweit (in Tonnen)

  • 2003

    Schmuck: 2.484
    Barren und Münzen: 304
    ETFs: -
    Industrie: 386
    Zentralbanken: -620
    Gesamt: 2.594 Tonnen

  • 2004

    Schmuck: 2.616

    Barren und Münzen: 355

    ETFs: 133

    Industrie: 419

    Zentralbanken: -479

    Gesamt: 3.044

  • 2005

    Schmuck: 2.719

    Barren und Münzen: 396

    ETFs: 208

    Industrie: 438

    Zentralbanken: -663

    Gesamt: 3.098

  • 2006

    Schmuck: 2.300

    Barren und Münzen: 414

    ETFs: 260

    Industrie: 468

    Zentralbanken: -365

    Gesamt: 3.077

  • 2007

    Schmuck: 2.423

    Barren und Münzen: 435

    ETFs: 253

    Industrie: 476

    Zentralbanken: -484

    Gesamt: 3.104

  • 2008

    Schmuck: 2.304

    Barren und Münzen: 869

    ETFs: 321

    Industrie: 461

    Zentralbanken: -235

    Gesamt: 3.720

  • 2009

    Schmuck: 1.814

    Barren und Münzen: 780

    ETFs: 623

    Industrie: 410

    Zentralbanken: -34

    Gesamt: 3.593

  • 2010

    Schmuck: 2.017

    Barren und Münzen: 1.205

    ETFs: 382

    Industrie: 466

    Zentralbanken: 77

    Gesamt: 4.147

  • 2011

    Schmuck: 1.972

    Barren und Münzen: 1.515

    ETFs: 185

    Industrie: 453

    Zentralbanken: 457

    Gesamt: 4.582

  • 2012

    Schmuck: 1.908

    Barren und Münzen: 1.256

    ETFs: 279

    Industrie: 428

    Zentralbanken: 535

    Gesamt: 4.405

Am vergangenen Mittwoch erreichte der Goldpreis bei 1555 Dollar (1179 Euro) je Feinunze den tiefsten Stand seit über sieben Monaten. Eine ähnlich rasante Talfahrt gab es zuletzt vor einem Jahr. Zwar hat sich der Goldpreis zuletzt wieder etwas erholt, und er stand am Wochenausklang bei 1574 Dollar. Mittlerweile ist es aber anderthalb Jahre her, dass der Goldpreis im September 2011 sein Rekordhoch bei 1920 Dollar markierte. Die Hausse geriet ins Stocken und der Goldpreis bewegte sich phasenweise monatelang mehr oder weniger seitwärts.

Selbst Fachleute, die in den vergangenen Monaten häufig optimistisch auf die Entwicklung des Goldpreises geschaut haben, werden plötzlich vorsichtiger. So zum Beispiel das Frankfurter Bankhaus Metzler. „Wir empfehlen, bei 1500 Dollar die Reißleine zu ziehen und auf bessere Einstiegsgelegenheiten zu lauern.“ So lautete der jüngste Rat in Sachen Gold an die Adresse der Investoren.

Größter Goldkäufer Die Welt druckt Geld, Putin kauft Gold

Präsident Wladimir Putin will sein Land gegen den Verfall des Dollars absichern.

Es gibt keinen Zweifel: Das gelbe Edelmetall verliert in diesen Tagen viele Anhänger. Einen der wesentlichen Gründe für die Talfahrt beim Goldpreis lieferten die Metzler-Experten gleich mit: Die Investoren haben den Glauben an eine endlose expansive Geldpolitik in den USA verloren. Mit dem Protokoll der letzten Zinssitzung der US-Notenbank hatte sich nämlich der Eindruck verfestigt, dass die Fed Ernst macht und früher als gedacht beginnen könnte, die Geldschleusen wieder zu schließen.

  • 24.02.2013, 10:28 Uhrhafnersp

    Die Sache ist ganz einfach. Wer an das Ende der Krise und den Rechtsstaat glaubt, der soll sein Gold verkaufen (bis auf eine Versicherung von 5-10%, man kann sich schließlich irren) und sich neuen Abenteuern zuwenden.

    Gold ist eine Versicherung gegen Krisen aller Art (auch gegen den Staat). Deshalb ist es logischerweise vor allem in Krisenzeiten, ob deflationär oder inflationär (oder totalitär!!!), von Interesse. Im ersten Fall, weil es (auch) ein universelles Geld ohne Gegenpart-Risiko ist, im zweiten Fall, weil es (auch) ein Rohstoff ist (im dritten und besonders üblen Fall, weil es ohne Gegenpartrisiko, prinzipiell anonym, transportabel ist und unabhängig von staatlicher Lizenz wertvoll bleibt).

    Gold steigt, wenn die Realzinsen (wie auch immer man die bestimmt) gering oder negativ sind - aber das ist das Kennzeichen einer (Finanz)Krise. Realzinsen können damit als Indikatoren dienen, wie es um die Krise steht, auf die Medienberichterstattung sollte man sich da besser nicht verlassen.

    Das ist alles was man bezüglich Wertsicherung mit Gold wissen muß, die angesprochenen (säkularen) Krisenperioden (und auch Bullenmarktperioden dazwischen) sind in der Größenordnung von 10-20 Jahren. Totalitäre Staaten bzw. Maßnahmen können deutlich länger (aber auch kürzer) bestehen.

    Wer es gerne heiß will, der kann Gold auch traden/ damit auch spekulieren. Das ist aber eine ganz andere Geschichte.
    Eine Geschichte, die die vielen Neu-Einsteiger in (Papier-)Gold vom Typ "wie kann ich schnell reich werden" jetzt auf die harte Tour lernen. Dazu muß man sich nämlich intensiv mit dem Goldmarkt, Geldpolitik, Geldhistorie und dem "System" insgesamt befassen. HB-Online zu lesen reicht hierfür definitiv nicht (um nicht zu sagen: ist kontraproduktiv).

  • 24.02.2013, 10:54 UhrGaffel

    Kann ihnen für ihre Einschätzung der Beiträge des Handelsblattes zum Thema Goldanlage als Rückversicherung in Krisenzeiten nur zustimmen. Die entsprechenden Redakteure haben offenbar keine langfristige Erfahrung mit Wirtschaftskrisen und deren Folgen.
    Hier kann die Oma oder der Opa mehr fundiertes Wissen und eigene Erfahrungen beisteuern, als dies von den sog. "Fachleuten" erfolgt.
    Denn - und das scheinen viele Leute in unserem Land zu vergessen:
    In den letzten Hundert Jahren gab es in Deutschland 2 x eine Währungsreform, bei der all jene ihr Vermögen verloren haben, die damals auf das falsche Pferd gesetzt hatten.
    Aber man sollte auch folgendes bedenken:
    - Für einen angestellten Redakteur ist eine solch oberflächliche Berichterstattung normal; - für einen selbständig arbeitenden Journalisten nicht.
    Und solche Journalisten hat das Handelsblatt offensichtlich viel zu wenige. - Schade.

  • 24.02.2013, 10:59 UhrR.Rath

    Volle Zustimmung zu diesem ausgezeichneten gehaltvollen Kommentar,den man in dieser Art nur im Kommentarbereich des HB zu lesen bekommt, aber kaum als Inhalt von Artikeln, für die das HB verantwortlich zeichnet.
    Nichtsdestotrotz ist das HB lesenswert, auch weil man immer wieder Kommentare findet, die das übliche eingeglättete interessegeleitete Mittelmaß, das nur in Ausnahmefällen überschritten wird, zu ergänzen vermögen.

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