„2010 wird ein Jahr der Rohstoffe“

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Tobias Merath leitet das Rohstoff-Research der Credit Suisse. Quelle: Pressebild
Tobias Merath leitet das Rohstoff-Research der Credit Suisse. Quelle: Pressebild

Sind die Metall- und Ölpreise dann nicht schon zu weit gelaufen?

Ein bisschen womöglich schon und zuletzt haben wir ja auch wieder eine Konsolidierung gesehen. Ab dem ersten Quartal 2010 sollte die aktuelle Phase der Edelmetalle aber von der Zeit der Industriemetalle abgelöst werden. Es gibt genügend Indikatoren, dass die Preise nach oben ausbrechen werden.

Welche sind das?

Der erste ist der schwache Dollar, der die Rohstoffpreise stützt. Wir rechnen fest damit, dass sich die Dollar-Schwäche nächstes Jahr fortsetzt bzw. verstärkt. Hinzu kommt, dass sich das Angebot-Nachfrage-Verhältnis am Markt gedreht hat. In der Krise war die Nachfrage eingebrochen, die Produzenten konnten jedoch nicht schnell genug reagieren, sodass die Lagerbestände anstiegen. Inzwischen sinken die Lagerbestände wieder, die Nachfrage wächst schneller als das Angebot. Schließlich sprechen auch die so genannten "Cost of Carry", die kontinuierlich zurückgehen, für steigende Rohstoffpreise.

Den letzten Punkt müssen Sie uns erklären?

Die Cost of Carry beziffern die Kosten für die Lagerung von Rohstoffen. In den letzten Monaten waren die sehr hoch, weil die Lager voll waren. Entsprechend teuer war es, Rohstoffe auf Termin zu kaufen, weil die Cost of Carry ein entscheidender Faktor für die Preise sind.

Das heißt, wenn die Nachfrage gering ist und die Preise eigentlich sinken müssten, können Termingeschäfte sogar teurer werden?

Ja, das ist möglich. In den vergangenen Monaten haben wir diese groteske Situation an vielen Märkten erlebt. Die Lagerbestände waren so hoch, dass die Cost of Carry enorm angestiegen sind und so die Future-Kontrakte verteuerten. Der so genannte Super-Contango, also der deutliche Preisaufschlag, den man beim Wechsel von einem Kontrakt in den nächstlängeren bezahlen muss, hat hierin seinen Ursprung. Inzwischen hat sich die Lage aber deutlich entspannt, der Contango ist zusammengeschrumpft. Für Investoren bedeutet das, dass die Rohstoffpreise deutlich weniger steigen müssen, damit sie mit ihren Anlagen positive Erträge erzielen. Das lockt zusätzliche Nachfrage an.

Das klingt sehr optimistisch. Welche Risiken gibt es für Ihr Szenario?

Ein zentrales Risiko ist der Dollar. Sollte sich dieser wider Erwarten deutlich erholen, wäre das sehr negativ für die Rohstoffpreise. Auch China ist ein Risikofaktor. Durch die hohen strategischen Reserven, die China aufgebaut hat, ist es in der Lage, bei stark steigenden Rohstoffpreisen die heimische Nachfrage aus den eigenen Reserven zu bedienen. Das würde Nachfrage vom Weltmarkt nehmen und die Preise drücken. Nicht zuletzt ist die Konjunkturentwicklung natürlich ein Risiko: Wenn sich die Erholung als Strohfeuer erweisen sollte und die Nachfrage wieder zurückgeht, werden die Rohstoffpreise ebenfalls sinken.

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