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Langfristprognose: Energieagentur sieht Ölmarkt am Scheideweg

Eine steigende Nachfrage und zurückhaltende Investitionspläne der Ölstaaten werden die Preise für Rohöl langfristig wieder steigen lassen. Das prognositziert die internationale Energieagentur in ihrer Fünfjahres-Vorausschau. Im Schnitt rechnet die Organisation mit einem Durchschnittsölpreis von 72,4 Dollar je Barrel. Von seinem Hoch bei 150 Dollar bliebe der Ölpreis damit aber weit entfernt.

HB PARIS. Die Internationale Energieagentur (IEA) erwartet bis 2014 eine wieder mäßig steigende Ölnachfrage und steigende Preise. Trotz effizienterer Fördertechniken dürfte sich das Rohöl spürbar verteuern, weil die Ölstaaten ihre Investitionspläne zurücknähmen, berichtete die IEA am Montag in Paris in ihrem Mittelfristigen Ölmarktbericht. Die als Naturvernichter ins Gerede gekommene Produktion von Biotreibstoffen dürfte wieder kräftig zulegen.

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Der Ölmarkt sei am Scheidewege, meint die IEA. Wenn die Wirtschaft wachse, wie vom Internationalen Währungsfonds (IWF) vorausgesehen, werde die Ölnachfrage im Schnitt um 1,4 Prozent pro Jahr zunehmen. Der durchschnittliche Ölpreis steige dann bis 2014 von 51 auf 72,4 Dollar je Fass (159 Liter). Beim weniger wahrscheinlichen Szenarium einer tieferen Wirtschaftskrise werde ein Preisanstieg auf 61,2 Dollar erwartet.

Neben den grundlegenden Marktfaktoren wird der Preis allerdings auch von Spekulationen auf den Terminmärkten bestimmt. So erreichte der Ölpreis im vergangenen Sommer rund 150 Dollar, um dann bis zum Februar 2009 auf 35 Dollar zu fallen. Im Juni lag er um die 70 Dollar. Langfristig orientiere sich der Preis an den Marktfaktoren, meint die IEA. "Doch aktuelle Pläne der Gesetzgeber zur größeren Aufsicht über außerbörsliche Derivatemärkte sind willkommen."

Die Opec wird in den kommenden Jahren an Marktbedeutung gewinnen. Die Produktion der kartellfreien Staaten werde von 2008 bis 2014 um 0,4 Mio. Fass pro Tag (mbd) fallen, meint die IEA. In ihrem Ausblick 2008 hatte die IEA noch 1,5 mbd Wachstum erwartet. Vor allem die Prognose für die kanadischen Ölsände wurde zurückgenommen. Dagegen erwartet die IEA für die Opec bis 2014 ein Wachstum der Kapazitäten um 1,7 mbd. 2008 hatte die IEA noch ein Opec-Wachstum von 3,2 mbd vorausgesagt. Seitdem hätten der "Ölnationalismus" und geopolitische Krisen zugenommen und die Opec-Einnahmen seien gesunken, heißt es.

Die weltweite Ölnachfrage wird in den sechs Prognosejahren um 0,6 Prozent im Jahr wachsen. Im schwächeren Alternativszenarium rechnet die IEA mit einem Rückgang um 0,2 Prozent. Wachstumsimpulse kämen aus China, dem Mittleren Osten und Lateinamerika. Effizienzgewinne dämpften die wachstumsgetriebene Nachfrage.

Die weltweite Produktion von Biotreibstoffen dürfte nach 2010 wieder nach oben zeigen, meint die IEA. Die Produktion werde von 1,5 mbd 2008 auf 2,2 mbd im Jahre 2014 zunehmen. Das Produktionspotenzial werde sogar drei mbd übersteigen. Über die Hälfte des Anstieges entfalle auf Brasilien. In Europa würden dagegen die Pläne wegen der Diskussion um die Produktionskonkurrenz Treibstoff-Nahrungsmittel und um Umweltfolgen zurückgefahren.

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