
SingapurDie Ölpreise haben am Freitag ihren Abwärtstrend der laufenden Woche fortgesetzt. Händler verwiesen auf die zuletzt schlechte Stimmung an den Finanzmärkten. Ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent zur Juli-Lieferung kostete am Morgen 102,28 US-Dollar. Das waren 16 Cent weniger als am Donnerstag. Der Preis für ein Fass der amerikanischen Sorte West Texas Intermediate (WTI) sank um 45 Cent auf 93,80 Dollar.
Die ersten gewinnbringenden Erdölbohrungen fanden Mitte des 19. Jahrhunderts statt. In dieser Zeit entstanden auch die ersten Raffinerien. Bis 1864 stieg der Ölpreis auf den Höchststand von 8,06 Dollar pro Barrel (159 Liter); inflationsbereinigt mussten damals im Jahresdurchschnitt 128,17 US-Dollar gezahlt werden. In den folgenden Jahrzehnten blieb der Preis auf einem vergleichsweise niedrigen Level, fiel mitunter sogar, bedingt etwa durch den Erfolg der elektrischen Glühlampe, durch die Öl im privaten Haushalt nicht mehr zur Beleuchtung nötig war.
Mit dem Erfolg des Automobils zu Beginn des 19. Jahrhunderts, speziell in den USA, wo der Ford Modell T zum kommerziellen Massenprodukt wurde – 1929 fuhren insgesamt 23 Millionen Kraftfahrzeuge auf den Straßen –, stieg die Öl-Nachfrage rasant. Der Verbrauch lag 1929 in den Staaten bei 2,58 Millionen Fass pro Tag, 85 Prozent davon für Benzin und Heizöl. Die Preise blieben allerdings weiter unter fünf Dollar pro Fass (nicht inflationsbereinigt), da auch mehr gefördert wurde.
In den 30er Jahren kam die Große Depression, die Unternehmenszusammenbrüche, Massenarbeitslosigkeit, Deflation und einen massiven Rückgang des Handels durch protektionistische Maßnahmen zur Folge hatte. Während der Weltwirtschaftskrise verringerte sich die Nachfrage nach Erdöl und der Preis sank auf ein historisches Tief. 1931 mussten bloß noch 0,65 Dollar pro Barrel gezahlt werden (inflationsbereinigt etwa zehn US-Dollar). So billig sollte das schwarze Gold nie wieder sei.
Nachdem sich die Weltkonjunktur erholt hatte, stieg der Preise für Öl wieder, blieb aber konstant unter fünf Dollar pro Barrel. Für die Jahre zwischen dem Ersten Weltkrieg und der Ölkrise im Herbst 1973 spricht man deshalb vom „goldenen Zeitalter“ des billigen Öls.
In den 70er und 80er Jahren kam der Ölpreis in Bewegung. Als die Organisation der erdölexportierenden Länder (Opec) nach dem Krieg zwischen Israel und den arabischen Nachbarn im Herbst 1973 die Fördermengen drosselte, um politischen Druck auszuüben, vervierfachte sich der Weltölpreis binnen kürzester Zeit. Zum Ende des Jahres 1974 kostete ein Barrel über elf Dollar je Barrel (inflationsbereinigt fast 55 US-Dollar). Dies bekamen auch Otto-Normal-Bürger zu spüren: In Deutschland blieben sonntags die Autobahnen leer, in den USA bildeten sich Schlangen vor den Tankstellen.
Während der zweiten Ölkrise in den Jahren 1979/1980 zog der Ölpreis nach einem kurzfristigen Rückgang weiter an. Ausgelöst wurden dies im Wesentlichen durch Förderungsausfälle und Verunsicherung nach der Islamischen Revolution. Nach dem Angriff Iraks auf Iran und dem Beginn des Ersten Golfkrieg explodierten die Preise regelrecht. Auf dem Höhepunkt im April 1980 kostete ein Barrell 39,50 Dollar (inflationsbereinigt 116,1 Dollar)
Die 80er und 90er Jahre waren – abgesehen von dem kurzzeitigen Anstieg verursacht durch den Zweiten Golfkrieg – eine Phase niedriger Ölpreise. Die Industriestaaten befanden sich in einer Rezession und suchten aufgrund vorhergehenden Ölkrisen mit besonders hohen Preisen nach alternativen Energiequellen. Weltweit gab es Überkapazitäten. Während der Asienkrise 1997/1998 sank die Nachfrage weiter. Ende des Jahres 1998 wurden 10,65 Dollar pro Barrel verlangt (inflationsbereinigt 15,82 Dollar).
Nach Überwindung der Krise wuchsen die Weltwirtschaft und damit auch der Ölbedarf schnell. Selbst die Anschläge auf das World Trade Center 2001 sorgten nur für einen kurzen Rücksetzer. Anfang 2008 stieg der Ölpreis im Handelsverlauf erstmals auf die 100 US-Dollar je Barrel der Sorte West Texas Intermediate (WTI). Ein Grund für den Preisanstieg war der Boom des rohstoffhungrigen China, mittlerweile zweitgrößter Verbraucher der Welt.
Die globale Finanzkrise und eine schwächelnde Konjunktur sorgten für einen Nachfragerückgang bei Öl, wodurch die Preise signifikant fielen. Mittlerweile haben sich die Kurse erholt – und peilen neue Hochs an.
Die Wochenbilanz am Ölmarkt ist vor dem Wochenende klar negativ. Seit Dienstag haben die Preise für Rohöl spürbar nachgegeben. Am Donnerstag hatte insbesondere der Einbruch der japanischen Börse belastet. Auch am Freitag lagen die wichtigen Aktienindizes in Tokio deutlich im Minus.





