
DÜSSELDORF. Wenn ein Geldhändler um 17.15 Uhr zum Telefon greift, braucht seine Bank Liquidität. So wie heute: Um 200 Millionen Euro zu beschaffen, hat Andrea Lanzi, als Leiter Treasury bei HSBCTrinkaus verantwortlich für die Refinanzierungsgeschäfte der Bank, nur 45 Minuten Zeit. Bis 18 Uhr muss der Kontostand jeder europäischen Bank bei ihrer Zentralbank ausgeglichen sein, sonst werden Strafzinsen fällig. Ein Defizit kurz vor Feierabend kommt bei HSBCTrinkaus nur selten vor. Für eine Bank mit 22 Milliarden Euro Bilanzsumme sind 200 Millionen kein ungewöhnlich hoher Betrag. Trotzdem steigt Lanzis Puls in so einem Fall. Die nächste Dreiviertelstunde bringt Stress.
Jede große Bank hat bei ihrer Zentralbank eine Art Girokonto, auf dem alle Ein- und Auszahlungen ihrer Kunden gebucht werden. Wenn dieses Zentralbankkonto am Ende des Tages nicht ausgeglichen ist, berechnen die Zentralbanken der Euro-Zone einheitliche Zinsen: Für Übernachtguthaben gibt es den Einlagezins von 0,25 Prozent. Wer im Minus liegt, muss bei der Zentralbank die Spitzenrefinanzierungsfaszilität nutzen - eine Art Kreditrahmen - und dafür 1,75 Prozent zahlen. Also haben die Banken einen Anreiz, sich untereinander mit Krediten auszuhelfen. Der Zinssatz für Übernachtkredite auf dem Interbankenmarkt heißt Eonia. Er liegt aktuell bei rund 0,34 Prozent.
200 Millionen binnen 45 Minuten
Hätte Lanzi um 18 Uhr immer noch ein 200-Millionen-Defizit, müsste er bei der Bundesbank den Übernachtkredit beantragen. Bei einem Zinssatz von 1,75 Prozent wären das pro Nacht 9722 Euro. Im Interbankenmarkt wäre der Kredit schon ab rund 1500 Euro zu haben.
Lanzi ist an diesem Abend hochkonzentriert, sitzt kerzengerade an seinem Schreibtisch. Die Königsallee unter seinem Fenster würdigt der schlanke 45-Jährige keines Blickes. Er wählt die erste Telefonnummer, sie ist noch in seinem Wahlwiederholungsspeicher.
Lanzi arbeitet mit den Geld-, Devisen-, Derivate- und Wertpapierhändlern im Handelsraum - einem riesigen Großraumbüro. Hier sitzen knapp 300 Männer, in weißen Hemden und Krawatten, dazwischen wenige Frauen. Über jeder Lehne hängt ein Jackett. Alle haben vier oder sechs Monitore vor sich. Viel Platz hat keiner, zwischen den Tastaturen ist nur ein halber Meter Abstand. Obwohl fast jeder spricht, ist es leise: Das Schalldämpfungssystem in der Decke schluckt den Lärm.
Am Telefon meldet sich ein Geldhändler einer anderen deutschen Bank. Lanzi hat Glück, der Kollege hat heute Abend einen Überschuss und kann ihm 50 Millionen borgen. Dafür will er 470 Euro Zinsen haben, ein Zinssatz von 0,34 Prozent. Lanzi willigt sofort ein.
Alles, was der Artikel beschreibt, ist die völlig archaische Vorgehendsweise in diesem Gewerbe.
Die EZb hat die banken als Geldverteiler, sie traut den banken (die ihrerseits bei der Kreditweitergabe die bonität einschätzen müssen und entsprechend die Zinssätze individuell kalkulieren müssen). Eine Kreditlinie der EZb an eine bank kann vollelektronisch ohne bonitätsbewertung laufen, zu Zinssätzen die vorher definiert sind. Für den inter-banken-Ausgleich gibt es keinen sinnvollen Grund, das Saldo kann sehr wohl bei der EZb im Computer stecken. Der EZb-Transfer könnte vollelektronisch ohne Eingriff laufen.
Da aber die Kunden der banken so blöd sind, deren Spielchen mitzufinanzieren, wird nun jeden Tag eine Arbeitsstunde eines Deppen mitbezahlt.
banken sind viel zu teuer.
Daran ist das festhalten an veralteten Gepflogenheiten mit schuld.
Stürzt die bankster, baut ein System der Vernunft auf!





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