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Rohstoff-Kasino: Wie Banken mit Nahrungsmitteln zocken

Foodwatch greift die Deutsche Bank frontal an. Die Banker seien mit ihrer "Zockerei" schuld daran, dass Millionen Menschen hungern, schimpft die Verbraucherorganisation. Sie fordert: Rohstofffonds gehören verboten.

Weizenähren auf einem Feld bei Stuttgart: Die Verbraucherorganisation Foodwatch fordert ein Verbot von Rohstofffonds und Zertifikaten. Quelle: dpa
Weizenähren auf einem Feld bei Stuttgart: Die Verbraucherorganisation Foodwatch fordert ein Verbot von Rohstofffonds und Zertifikaten. Quelle: dpa

Berlin/Frankfurt/DüsseldorfDie Botschaft des Briefes ist eindeutig: "Sehr geehrter Herr Ackermann, die Investmentbanken und damit auch Sie persönlich tragen Mitschuld daran, dass die Menschen in den ärmsten Ländern Hunger leiden und am Hunger sterben", schreibt Thilo Bode an Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann. "Sie schädigen mit Spekulationen auf die Nahrungsmittelpreise das globale Gemeinwohl."

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Bode ist Geschäftsführer der Nichtregierungsorganisation Foodwatch. Er präsentiert heute eine Studie, deren Inhalt dem Handelsblatt exklusiv vorliegt. "Die Hungermacher - Wie Deutsche Bank, Goldman Sachs & Co. auf Kosten der Ärmsten mit Lebensmitteln spekulieren" heißt die knapp 90 Seiten starke Anklageschrift gegen die Finanzbranche.

Sechs Fakten über die Rohstoffmärkte

  • Viel Verbrauch...

    Die Weltbevölkerung wächst und wächst. Prognosen gehen davon aus, dass in 100 Jahren 10 Milliarden Menschen auf der Erde leben.

  • ...und wenig Angebot

    Rohstoffe wie Öl und Gold sind nicht endlos, dementsprechend teuer werden sie, wenn das Angebot sich verknappt.

  • 13 Prozent

    beträgt aktuell Chinas Anteil an der Weltwirtschaft.

  • 40 Prozent

    der weltweiten Kupfer-, Zink- und Aluminiumproduktion verbrauchen die Chinesen.

  • 34 Prozent mehr

    als vor einem Jahr kosten unsere Nahrungsmittel weltweit im Durchschnitt.

  • 461 Prozent Gesamtrendite

    konnten Anleger mit Rohstoffaktien seit 2002 einfahren.

"Die unverantwortliche Zockerei im globalen Rohstoff-Kasino muss durch klare Spielregeln eingedämmt werden", sagt Ex-Greenpeace-Chef Bode. Foodwatch forderte ein Verbot von Rohstofffonds und Zertifikaten auf Rohstoffe. Die Banken rief die Organisation zum Verzicht auf Spekulationen mit Nahrungsmitteln auf.

Die Wut auf die Finanzkonzerne wächst, nicht zuletzt wegen ihrer Wetten auf den Rohstoffmärkten. Bundespräsident Christian Wulff sagte kürzlich, die hohen Preisschwankungen, ausgelöst von Spekulanten, führten dazu, dass viele Menschen in der Welt Hunger litten. Klaus Josef Lutz, Vorstandschef beim Agrarkonzern Baywa, meint, dass der Einfluss der Banken und Fonds auf die Preise mittlerweile sehr groß sei, sehr viel größer als noch in früheren Jahren: "Der Markt ist unberechenbar geworden."

Rohstoff-Spekulation „Der Markt ist unberechenbar geworden“

Das Handelsblatt sprach mit Baywa-Chef Klaus Josef Lutz über die neue Macht der Rohstoffspekulanten - und warum die alten Regeln nicht mehr gelten.

Rohstoff-Spekulation: „Der Markt ist unberechenbar geworden“

Global operierende Banken und große Fonds haben das Rohstoffmonopoly längst als lukratives Spielfeld entdeckt und bewegen sehr viel Geld, egal ob es um Schweinbäuche, Mais oder Sojabohnen geht.

Bis Ende März dieses Jahres hatten Spekulanten den Experten des britischen Finanzkonzerns Barclays zufolge mehr als 400 Milliarden Dollar in Wertpapiere investiert, mit denen sie auf steigende Preise am Rohstoffmarkt spekulierten. Etwa ein Drittel dieser Summe floss in Anlagen für Agrarrohstoffe; und diese Summe steige monatlich um fünf bis zehn Milliarden Dollar an, schreiben die Barclays-Analysten. An der Rohstoffbörse in Chicago beispielsweise wurden allein im Mai rund 350 Millionen Tonnen Weizen virtuell gehandelt. Das ist mehr als die Hälfte der weltweiten Weizenproduktion dieses Jahres. Die Folge: Die Spekulanten treiben die Preise für Nahrungsmittel in die Höhe. In den vergangenen zehn Jahren ist der Preis für Reis um 315 Prozent und der für Mais um 215 Prozent gestiegen; Sojabohnen haben sich um 192 Prozent verteuert.

  • 16.02.2012, 13:24 Uhrwonderland666

    "Die Spekulanten treiben die Preise für Nahrungsmittel in die Höhe. In den vergangenen zehn Jahren ist der Preis für Reis um 315 Prozent und der für Mais um 215 Prozent gestiegen; Sojabohnen haben sich um 192 Prozent verteuert."
    MM die Tatsache das wir aus Nahrungsmitteln Sprit machen (Hallo E10) und das wir immer mehr Menschen werden und die generelle Inflation und Flächenbrände von Russischen Feldern auf denen andere Grundnahrungsmittel angebaut wurden, die jetzt durch andere Rohstoffe ersetzt werden müssen, hat damit natürlich nichts zu tun.

  • 27.12.2011, 20:20 UhrAlexM4

    Es ist wirklich kompletter Unsinn, die Spekulationen für die Preisentwicklung verantwortlich machen zu wollen. Die Spekulationen wirken sich fast gar nicht auf die meist langfristigen Lieferverträge sowie die kurzfristigen Preise im Erzeugerbereich vor Ort aus, wie jeder selbst sehen kann, der sich intensiver damit beschäftigt. Aber es ist guter Stoff für Journalisten, Sensationen und Sündenbock-Sucher .. Buffets Kommentare zu Hebelpapieren etc. sind auch nur ein Zeichen davon, das er alt wird (oder aber absichtlich desinformiert, was er auch schon früher gerne mal machte)

  • 31.10.2011, 11:03 UhrAnonymer Benutzer: Baron

    Das Problem ist, dass Banken wenn sie fuer die eigene Tasche spekulieren, typischerweise Giralgeld verwenden welches fuer die Spekulation selbst in Existenz geliehen wird. Mit massiven Summen werden dann Maerkte kurzfristig bewegt, Kleinstgewinne erwirtschaftet, und Leihgelder "zurueckbezahlt". Das Ganze passiert in solchen Volumina, das es sich fuer die Bank lohnt. Gehts natuerlich schief, dann kostet es den echten Anleger, weil die Bank dann Verluste durch Grossverkaeufe anderer Anlagen deckt.
    Mit anderen Worten, das Problem is weniger das Banken spekulieren, sonder vielmehr, dass Banken dies ohne Kapital tun koennen, und dass unglaubliche Hebel angesetzt werden, die Normalanleger sich nie ertraeumen koennten (und die reelle Buchpruefungen nicht ueberstehen wuerden).

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