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Rohstoffe: Uran bleibt knapp

Preisrückgang bei Uran – angesichts der stetig steigenden Nachfrage eigentlich kaum denkbar. Dennoch wird der Rohstoff nun zunächst billiger, auch wenn die Förderung immer noch weit unter dem tatsächlichen Bedarf liegt.

OTTAWA. Der Uranpreis ist unter Druck geraten. Am Spotmarkt werden aktuell 105 bis 110 US-Dollar für ein Pfund (454 Gramm) Uranoxid gezahlt; noch im Juni war ein Rekordpreis von 136 Dollar erzielt worden. Analysten sehen darin eine erste Korrektur des seit Jahresbeginn rasant gestiegenen Preises, rechnen aber mit anhaltend hohen Notierungen.

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„In den nächsten Monaten sollte sich die Korrektur noch fortsetzen, für die nächsten Jahre ist mit einem weiterhin hohen Preisniveau zu rechnen“, schreibt Eugen Weinberg in dem Rohstoff-Bulletin der Commerzbank. Seit dem Jahr 2000, als der Preis für Uranoxid U3O8 zwischen sieben und acht Dollar lag, hat er sich fast verzwanzigfacht. Allein seit Januar zogen die Notierungen von 75 auf über 135 Dollar. Laut Weinberg ist der Preisrückgang eine „gesunde Korrektur in diesem Uranbullenmarkt“. Allerdings rechnen er wegen des anhaltenden Defizits am Uranmarkt „mindestens bis 2010 mit einem Preis von über 100 US-Dollar je Pfund“. Längerfristig könne der Preis wieder Richtung 150 Dollar oder noch höher klettern.

Die Lücke zwischen Minenproduktion und Bedarf wird noch länger anhalten und ist ein Grund für den Preisanstieg. Auf dem Spotmarkt werden aber nur etwa zehn Prozent des Urans gehandelt. Der größte Teil des Urans wird durch langfristige Lieferverträge – bis zu zehn Jahren Laufzeit – zwischen Produzenten und Kraftwerksbetreibern abgedeckt. So liegt der aktuelle Durchschnittspreis, den die kanadische Cameco in Saskatoon, der weltweit größte Produzent, im zweiten Quartal 2007 realisierte, nur bei 34,69 Dollar je Pfund. In der Vorjahreszeit waren es 20,21 Dollar. Doch der Spotpreis, den die Marktbeobachter Ux Consulting und TradeTech ermitteln, bestimmt, zu welchen Konditionen heute Lieferverträge abgeschlossen werden. Daher müssen AKW-Betreiber derzeit mit einem Preis von etwa 95 US-Dollar rechnen.

Der Preisanstieg, der sich Mitte 2006 beschleunigt hatte, war laut Analysten zunächst von Sorgen über das Urandefizit geprägt. Die Produktionsprognosen, die zu Jahresbeginn 2006 bei 51 000 Tonnen Uranoxid standen, mussten mehrfach nach unten korrigiert werden. Am Ende waren es nur 46 500 Tonnen. Grund waren laut Ux Consulting „beträchtliche Produktionsdefizite“ in mehreren Minen. So verfehlten kanadische Minen wie McLean Lake von Areva und Cameco sowie Rabbit Lake von Cameco, die Rössing-Mine von Rio Tinto in Namibia und die australischen Minen Olympic Dam (BHP Billiton) und Ranger (Energy Resources of Australia) ihre Produktionsziele.

Mit dem Preisanstieg wurde Uran zudem für Investment- und Hedge-Fonds interessant. Auf einem ohnehin angespannten Markt seien die Preise so noch höher getrieben worden, meint Ux Consulting. Die Hiobs-Nachricht aber war der Wassereinbruch im Minenprojekt Cigar Lake in Saskatchewan im Oktober 2006. Die Mine gehört mehrheitlich Cameco und sollte 2008 in Betrieb gehen. Nun wird das weltweit wichtigste Entwicklungsprojekt wohl erst 2011 starten.

Auch in diesem Jahr werden bedeutende Minen die Produktionsziele verfehlen. Bis zur Jahresmitte wurden die Prognosen bereits von 117 auf 112 Mill. Pfund (knapp 51 000 Tonnen) gesenkt. Damit verschärft Cigar Lake die Sorge, dass der Uranmarkt mehrere Jahre im Defizit sein werde. Jede Verzögerung bei Cigar Lake werde „wahrscheinlich angesichts der schieren Größe dieses Mega-Projekts weitere Preisvolatilität verursachen“, schreibt Ux Consulting. Cameco-Sprecher Gord Struther beruhigte indes: „Cameco hat niemals überlegt, das Cigar-Lake-Projekt aufzugeben. Nach der McArthur-Mine ist Cigar Lake die zweitreichste Lagerstätte und wir planen sie abzubauen.“

Dass der Preis trotz der angespannten Lage zurückging, erklären Analysten wie Adam Schatzker von RBC Capital Markets damit, dass sich die wenigen Käufer auf dem Spotmarkt angesichts mangelnder Liquidität zurückgehalten haben. Nick Carter von Ux Consulting verweist auf generell schwächere Aktivitäten in den Sommermonaten und „viele Betreiber haben ihren Bedarf gedeckt und müssen nun nicht kaufen“. Er glaubt zudem, dass Investmentfonds Uran verkauft haben. Carter schätzt, dass diese Fonds 7 000 bis 8 000 Tonnen Uran hielten. Laut Ux könnte der Preis bis in den Bereich von 80 bis 85 Dollar absinken, bevor er sich durch größeres Käuferinteresse stabilisiert oder wieder nach oben zeigt.

Wachsender Bedarf

Verwendung: Die wichtigste friedliche Verwendung von Uran in Form von Uranoxid U3O8 ist die Kernkraft. Beliefert werden müssen laut World Nuclear Association etwa 350 Reaktoren in 31 Ländern, die eine Kapazität von etwa 370 000 Megawatt haben.

Zuwachs: Nach Angaben der Nuklearindustrie befinden sich weltweit 30 Reaktoren im Bau, 55 sind in der Planung.

Angebot: Die produzierenden Reaktoren benötigen pro Jahr 78 500 Tonnen Uranoxid, die aus etwa 66 500 Tonnen Uran hergestellt werden. Etwa 65 Prozent der Uranoxid-Bedarfs wird aus Uran-Minen gedeckt, 20 bis 25 Prozent aus früher militärisch genutztem Uran. Im vergangenen Jahr kamen aus den Minen 46 500 Tonnen Uranoxid. Größter Uranlieferant ist Kanada mit einem Marktanteil von 25 Prozent der globalen Minenproduktion.

Marktführer: Auf die kanadische Cameco entfallen knapp insgesamt 21 Prozent der Uranproduktion. Auf Platz zwei liegt die britische Rio Tinto mit 18 Prozent.

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