Kapitalanlagen in die Ökosysteme der Welt, wie beispielsweise in Wald, werden in der Finanzwelt zum Renner. Bisher steckten vor allem institutionelle Investoren, vermögende Wirtschaftsbosse und Privatbanker ihr Geld in die Wald- und Forstwirtschaft. Jetzt öffnet sich dieser Markt auch privaten Anlegern. Investitionen in die Forstwirtschaft erfordern allerdings einen langen Atem.
Regenwald in Sao Paulo, Brasilien: Immer mehr Anleger investieren in reale Werte, die sie sehen, anfassen oder verarbeiten können. Foto: Archiv
FRANKFURT. "Der Markt wird in den nächsten Jahren boomen", prognostiziert Harry Assenmacher, Geschäftsführer der ForestFinance GmbH in Bonn.
Einst waren zunächst belächelte Turnschuh-Politiker wie Joschka Fischer die treibenden Kräfte in ökologischen Fragen. Inzwischen haben sich Maßnahmen zur Rettung der Ökosysteme zu einem Megatrend entwickelt, der eine zunehmende Faszination sowohl auf Seiten der Wirtschaft wie auch auf Seiten der Kapitalanleger auslöst. "An dieser Schnittstelle finden Ökologie und Ökonomie zum Nutzen von uns allen Frieden", sagt Assenmacher im Handelsblatt-Gespräch.
Eine wesentliche Ursache für das zunehmende Interesse an "wahren Werten" ist in den gigantischen Verlusten der Banken und dem daraus resultierenden Vertrauensverlust der Anleger in die Wertpapiermärkte zu sehen. Immer mehr Anleger investieren daher in jene realen Werte, die sie sehen, anfassen, verarbeiten und sogar essen können.
Die Wertentwicklung von Wald bestätigt ihr Handeln; denn der NCREIF-Timberland Property Index ist in den vergangenen zwanzig Jahren um durchschnittlich 15 Prozent pro Jahr gestiegen. In den letzten fünf Quartalen hat der Aufschwung dieses Forstwirtschafts-Indexes eine neue Dynamik erreicht.
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Was Anleger begeistert, ist zum einen die geringere Volatilität und zum anderen der hohe Grad an Diversifikation, den Baum- und Holz-Investments gegenüber traditionellen Anlageklassen wie Aktien und Anleihen aufweisen. Wald wird darüber hinaus gerade in jüngster Zeit auch als Investment zur Absicherung gegen die in den vergangenen Jahren stark gestiegene Inflation genutzt.
"Wer in die Anlageklasse Wald investiert, sollte Grundlagen der Waldwirtschaft kennen", sagt Dieter Rentsch, Geschäftsführer von Aquila Capital. Vom Säen und Pflanzen über das Wachsen bis hin zur Ernte und zur Verarbeitung der Bäume zu Holz oder Zellstoff vergehen in der Regel weit mehr als zehn Jahre. Dies erfordert von Anlegern eine Menge Geduld. Diese Erfahrung haben auch Stiftungsfonds bekannter US-Universitäten wie Harvard und Yale gemacht, die nach einigen schmerzlichen Lerneffekten zu Beginn ihrer Wald-Investments jetzt seit Jahren erfolgreich sind.
Infokasten: Kapitalanlage Wald - Unterschiedliche Produkte
Unternehmen der Forstwirtschaft erzielen Erlöse, indem sie in jedem Jahr die größten Bäume fällen, das daraus gewonnene Holz verkaufen und entstehende Forstflächen zur Wiederaufforstung nutzen. Doch für diese boomende Branche gibt es seit geraumer Zeit eine neue Einnahmequelle durch die auf supranationaler Ebene von der Uno verabschiedeten Millennium-Ziele, die unter anderem auf eine Rettung der Ökosysteme hinauslaufen.
In der Wiederaufforstung tätige Firmen erhalten im Rahmen des Kyoto-Protokolls der Uno Emissionskredite - sogenannte Certified Emission Reductions (CER). Da Waldbestände letztlich zu einer Verringerung des klimaschädlichen CO2-Ausstoßes führen, erhalten Waldbesitzer solche Gutschriften, die dann in Form von CER-Zertifikaten an Klimabörsen wie der European Climate Exchange (ECX) oder der European Energy Exchange (EEX) veräußert und zu Geld gemacht werden können.
